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Cornelius Granig: DARKNET

19.04.2019 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

Cornelius Granig:
DARKNET
Die Welt im Schatten der Computerkriminalität
304 Seiten, Verlag Kremayr & Scheriau, 2019

In einer Welt des Internets und der schier allmächtigen Sozialen Medien genießt das „Darknet“ besondere Popularität – beinahe als handelte es sich um einen grandiosen, am Ende sogar düster romantischen Mythos. Dass es jedoch eine fast nicht zu überblickende Realität ist, das macht der Unternehmensberater Cornelius Granig, Spezialist für Cyberkriminalität, in seinem Buch „Darknet. Eine Welt im Schatten der Computerkriminalität“ klar.

Um es gleich voraus zu schicken: Das ist keine leicht fassliche, gewissermaßen „journalistische“ Lektüre, sie ist voll von Fachbegriffen (das Glossar im Anhang nimmt man als Nachhilfeunterricht gerne an) und von oft so komplexen Sachverhalten, dass schlichte Gemüter, die gerade froh sind, ihren Computer zu meistern, immer wieder nicht durchsteigen werden. Das ist die Krankheit der Fachleute, für die alles so selbstverständlich ist, dass sie nicht an die Fachidioten denken, die hier dunkle Welten der anderen Art, nämlich des Nicht-Wissens, betreten… Andererseits trifft das wohl nur auf die ältere Generation zu: Die Jungen leben ganz selbstverständlich in dieser Welt.

„Erzählende“ Elemente des Buches geben zu Beginn eine Übersicht über die Entwicklung der „Computer“ (die in ihrer Frühform auch schon von den Nationalsozialisten eingesetzt wurden). Mißbraucht wurden die Möglichkeiten der Computertechnologie schon immer, etwa im Rüstungswettbewerb der Großmächte nach dem Zweiten Weltkrieg. Und, siehe da, Udo Proksch zählte zu jenen, die im großen Maße westliche Technologie nach Osteuropa exportiert haben. Über seinen Geschäftspartner Rudolf Wein hatte die Stasi eine Akte, die ihn als besonders verlässlich in der „Materialbeschaffung“ bezeichnete… Mit dem Netz kam die Hackerszene und die Kriminalität (auch außerhalb des Netzes, Ermordung von Hackern beispielsweise).

Es kam das „Jahr 2000“-Problem, wo man (wer steckte dahinter?) Menschen dermaßen Angst vor dem totalen Computerzusammenbruch und dem möglichen Weltuntergang machte, dass viele billig ihr Hab und Gut verkauften und sich auf einsame Plätze zurück zogen… Was auch beweist, dass man nicht kritisch genug sein kann, wenn es um das Netz geht. Nicht nur bei albernen Angeboten, man bekäme Millionen geschenkt (immerhin ist eine kleinere deutsche Stadt einmal darauf hereingefallen – mit katastrophalen Folgen).

Der Sachteil bietet – mit Listen und Statistiken bestückt – eine breite Übersicht über das heute Mögliche, das eigentlich unmöglich sein sollte, eine Bandbreite von Verbrechens-Varianten, die normale Vorstellungskraft übersteigt. Nicht dass man nicht schon davon gehört hätte – von den Betrugsmöglichkeiten, von der Schadenssoftware, von der Kinderpornographie und dem illegalen Glücksspiel oder der Internet-Spionage. Und den Möglichkeiten, den Mitmenschen (in der Politik und anderswo) möglichst großen Schaden zuzufügen.  Liechtenstein hat auch schon Fälle von digitalem Bankraub überstehen müssen… Das ist der traurige Alltag von heute. Und die Täter scheinen ihren „Jägern“ immer eine Nasenlänge voraus zu sein.

Beim Einstieg ins „Darknet“-Thema bekommt man Anweisungen, wie man dahin gelangen kann – vermutlich meint der Autor, wer es will, wird es auch schaffen, also könne er gleich die Neugier befriedigen. Dort gibt es die kriminellen Marktplätze für Drogen, falsche Pässe, Auftragsmörder – und auch so skurrile wie ein paar Tausend Facebook-Likes… wer das bestellt, wird es nötig haben.

Am interessantesten ist das Buch, wenn es für den Leser greifbar faktisch wird – etwa, wie der österreichische Bundespräsidenten-Wahlkampf vergiftet wurde, als man Gesundheitsdaten über Van der Bellen und Norbert Hofer „leakte“. (Da steckt ja immer jemand dahinter, der so etwas bestellt, um den Gegner zu schaden.)

Bemerkenswert an dem Buch sind auch die vielen Interviews mit Fachleuten, die der Autor führte, aber am nächsten kommt man der Sache bei den Betroffenen: Sowohl der Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger wie der Niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll wurden Opfer übelster Verleumdungskampagnen und berichten, wie schwer es ist, damit umzugehen. Immerhin gibt Pröll den elementaren Rat, Ruhe zu bewahren und sich nicht verrückt machen zu lassen. Denn es kann jedem, absolut jedem passieren, dass sein Computer „verseucht“ wird, dass man seine Daten stiehlt, Geld abhebt, dass man ungeheure Lügen über ihn verbreitet und vieles mehr.

Bedenkt mal aber, dass Kriminelle etwa auch die Stromnetze ganzer Städte außer Kraft setzen könnten (was eine heutige Gesellschaft gerade zwei Tage überleben würde, wie man liest) – dann ahnt man erst, wie katastrophal die Lage ist.

Aber – Ruhe bewahren. Und, wenn man eine Firma ist, gute Beraterfirmen engagieren. Nun ja, der Autor ist schließlich selbst Unternehmensberater…

Renate Wagner

 

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