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CLAUDIO MONTEVERDI: Magridale

15.05.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

moteverdi

CLAUDIO MONTEVERDI: Magridale Vol. 3 VENEZIA, harmonia mundi CD

Les Arts Florissants, Paul Agnew – live Aufnahmen aus der Cité de la Musique Paris

Die dritte und letzte Reise in die Sinnenwelt der acht Madrigalbücher Monteverdis führt das Ensemble Les Arts Florissants und seinen Dirigenten Paul Agnew nach Venedig. Vorherige Stationen waren Cremona und Mantua. Monteverdi war 1612 nach dem Tod des Herzogs Vincenzo Gonzaga aus seiner Stellung in Mantua entlassen worden. Nach einem Aufenthalt in Cremona wurde Monteverdi zum „maestro di cappella“ an der Basilika San Marco in Venedig ernannt. Als späte und reifste Werke seines Madrigalschaffens hat er dort das siebente „Concerto“ (29 Nummern) und achte Buch „Madrigali Guerreri et Amorosi“ geschrieben. Im siebenten sind Madrigale zu ein, zwei, drei, vier oder sechs Stimmen enthalten. Paul Agnew , dessen ausdrucksstarker Tenor ebenfalls in sechs Nummern des neuen Albums zum Einsatz kommt, hat eine Auswahl getroffen, die wenigstens ein Beispiel aus der unerhörten Vielfalt neuer Formen (genere molle, genere concitato, genere temperato, genere rappresentativo) , die Monteverdi in diesen Madrigalbüchern präsentiert, enthalten. 

Der Gesang ist stets auf Ausdruck bedacht. Bei den „liebes-kriegerischen“ Madrigalen (z.B.: Combattimento di Tancredi e Clorinda“) sollte die atemlose Erregung der kämpfenden Protagonisten dargestellt werden, begleitet von der Heftigkeit der Klänge, die Instrumente und Singstimmen gleichermaßen hervorbrachten. Diese Klänge zielten nicht auf Klangschönheit und Verfeinerung ab, denn was sie nachahmten, war hässlich und gewaltsam. Paul Agnew  resümiert, dass „es ihm bei den Aufnahmen darum ging, den Hörer nicht nur von der Schönheit des Repertoires, sondern auch von seiner erstaunlichen Modernität zu überzeugen. Es ist eine Musik, die die Grenzen der strengen Regeln unterworfenen Vokalpolyphonie überschreitet, aus der sie hervorgegangen ist.“

Mehr noch als die Opern, die aus dieser Periode seines Schaffens stammen, schöpfen die letzten Madrigale konsequent die vielfältigen Möglichkeiten der als Seconda Pratica benannten Generalbasspraxis und des Sologesangs aus. Wort und Musik sind bei Monteverdi so dicht ineinander verwoben, das der Eindruck der besonderen Intimität des Gesangs dem Hörer schutzlos unter die Haut geht. Freilich war Monteverdi ein Meister der Empfindsamkeit, aber auch der zornigen Erregung und des grotesken Humors, wie dies auch aus seinen leider nur drei erhaltenen Opern (angeblich hat er an die zwanzig komponiert) erfahrbar ist. Das Verdienst der neuen CD ist es, dass die bis zu sieben Solisten diese Stücke in all ihren vokalen Extremen charaktervoll und individuell timbriert interpretieren, allesamt musikalische Hochseilakte ohne Netz. Auch das Instrumentalensemble ist auf der Höhe der Aufgabe.

Ich denke, dass hier ein mustergültiges Album vorliegt, das würdig ist, dem 450. Taufjubiläum des großen italienischen Meisters im Übergang von Spätrenaissance zu Frühbarock angeregt und voller Bewunderung gedenken zu können.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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