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Chormusik-Neuerscheinungen

28.01.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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Chormusik-Neuerscheinungen
mit dem Choir of Clare College, Cambrige,
Graham Ross 

harmonia mundi

  1. Mater ora filium, Chormusik zu Epiphanias
  2. Remembrance – Chormusik des Gedenkens, u.a. Duruflé Requiem

Die englische Chortradition, sonders der Universitätschöre, ist legendär. Der 1971 gegründete Choir of Clare College in Cambridge hat sich hier nicht zuletzt unter der animierenden Leitung von Graham Ross einen besonders guten Namen gemacht. Die Hauptaufgabe des Chors besteht darin, dreimal pro Woche einen Gottesdienst in der Universitätskapelle durchzuführen. Daneben gibt das Ensemble Konzerte und hat mit dem Label harmonia mundi auch eine breite Aufnahmetätigkeit entfaltet. Das Repertoire geht vim Mittelalter über Barock bis zu zeitgenössischen und Auftragskompositionen.

Die beiden neu erschienenen Programm-Alben warten jeweils mit einem klug und stringent zusammengestellten Programm auf. Die CD „Mater ora Filium“ benannt nach der gleichnamigen à capella Komposition von Arnold Bax aus dem Jahr 1926, huldigt dem Fest der Erscheinung am 6. Jänner, 12 Tage nach Weihnachten. Vornehmlich aus Musik des 16. und 20. Jahrhunderts zusammengestellt, vereint die Cd so unterschiedliche Meister wie Orlando di Lasso („Omnes de Saba“), William Byrd („Ecce advenit dominator Dominus“), Palestrina („Tribus miraculis ornatum“), aber auch Poulenc („Videntes stellam“) oder Peter Cornelius („The Three Kings“). 

Die CD „Remembrance“ enthält hörenswerte Stücke des Gedenkens aus dem 16. Jahrhundert von Richard Farrant, Thomas Tomkins, Robert Ramsey oder Thomas Weelkes neben  JohnTaverners „Song for Athene“, Edward Elgars „They are at rest“ und das berühmte Requiem von Maurice Duruflé.

Der jung klingende Universitätschor aus Cambridge besticht vor allem durch eine hohe innere Anteilnahme und Begeisterungsfähigkeit, die offenbar vom Dirigenten Graham Ross ausgeht. Die Qualität der einzelnen Stimmgruppen ist alles andere als immer einheitlich oder von einer durchgängigen Klangvorstellung geprägt. Vor allem in den Sopranen klingt manches zu behaucht, scharf bzw. technisch unausgereift. Bei der Intonation in langen Phrasen darf auch nicht immer der höchste Maßstab angelegt werden. Schwächen treten vor allem in anspruchsvollen zeitgenössischen Werken zutage, etwa bei der großartigen Komposition „Epiphany“ der Judith Bingham. Hier entschädigt das grandiose Orgelspiel des Michael Papadopoulos ein wenig, der auch drei Arrangements von Kirchenliedern durch Graham Ross („O wordhip the lord in the beauty of holiness“, „Hail to the Lord‘s Anointed!“ und „As with gladness men of old“) veredelt. Das heißt insgesamt, ein strengerer Maßstab bei Rekrutierung bzw. Chorstimmbildung könnte diesem intensiv musizierenden Ensemble nicht schaden. Nichtsdestotrotz erfreuen die interessante Repertoireauswahl und das durchaus beherzte Musizieren.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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