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CD: Tim Mead: Sacroprofano • Arcangelo, Jonathan Cohen

26.02.2023 | Allgemein, cd

CD: Tim Mead: Sacroprofano • Arcangelo, Jonathan Cohen

Sechs besonders gelungenen Kompositionen aus Vivaldis später Schaffensphase

Counter-Tenor Tim Mead und das Ensemble Arcangelo unter musikalischer Leitung seines Gründers Jonathan Cohen legen beim Label Alpha Classics eine Einspielung mit sechs besonders gelungenen Kompositionen aus Vivaldis später Schaffensphase vor.

Die Autographen der zwei geistlichen und zwei weltlichen Vokalwerke sowie der beiden Werke für Streicher solo gehören zu Vivaldis eigenem Musikhandschriften-Archiv und liegen heute in der Universitäts-Bibliothek von Turin.

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Die Vertonung des Psalm 126 (nach der Zählung der Vulgata) «Nisi Dominus ædificaverit domum» RV 608 (Psalm127: «Wenn nicht der Herr das Haus baut») für Streicher und eine männliche oder weibliche Alt-Stimme entstand vermutlich Mitte der 1710er-Jahre, als Vivaldi einen abwesenden Chorleiter am Ospedale della Pietà vertrat. Die neun Strophen sind durch ihre vielfältige Gestaltung charakterisiert: von Tempo- und Besetzungswechsel über Stimmungswechsel bis hin zur Wortmalerei. «Nisi Dominus» wird in aller Regel für die Liturgie an Festtagen, besonders Vesper-Gottesdienste an Marien-Festen verwendet.

Vivaldi werden insgesamt drei Vertonungen der zum Abschluss von Vesper (grosse Tradition in Maria Einsiedeln) oder Komplet gesungenen marianischen Antiphon «Salve Regina» («Sei gegrüßt, o Königin») zugeschrieben. Das Salve Regina RV 618 dürfte in den späten 1720er-Jahren entstanden sein. Besonders interessant ist hier die Komposition «in due cori», also für zwei Instrumentalensemble – die neben den üblichen Streichern auch noch zwei Oboen enthalten – und einen Altisten.

Basis der beiden Kammerkantaten für Alt mit Streicherbegleitung «Cessate, omai cessate» RV 684Hört auf, hört auf») und «Amor, hai vinto, hai vinto» RV 683Amor, Du hast gesiegt») sind die Selbstgespräche eines Liebenden, der seine Zurückweisung durch eine Nymphe beklagt. In «Cessate, omai cessate» RV 684 arbeitet Vivaldi wieder mit Lautmalerei: in der ersten Arie beschreibt er die fallenden Tränen des Liebenden und nach dem Rezitativ mit dem Entschluss Suizid zu begehen dann die Raserei des Bacchanten. «Amor, hai vinto, hai vinto» RV 683 endet zuversichtlicher. Hier endet die Kantate mit Zuversicht in Form einer für die sehr anspruchsvollen, äusserst temperamentvollen Arie.

Das Concerto a quattro RV 128 in drei Sätzen ohne Solo-Stimmen ist geprägt durch die für Vivaldi charakteristische Mischung aus handwerklicher Meisterschaft und grosser Vitalität, der Anwendung avancierter Spieltechniken und dem innovativen Umgang mit Klangfarben.

Die zweisätzige «Sinfonia a Santo Sepolcro» RV 169 für vierstimmiges Streicherensemble ist die Nachahmung einer gängigen Ouvertüren-Form für die «Sepolcri» genannten kurzen Oratorien, die in der Karwoche am Wiener Hof aufgeführt wurden.

Countertenor Tim Mead meistert die vielfältigen Anforderungen der eingespielten Stücke mit stupender Meisterschaft. Sein Countertenor ist in allen Lagen bestens geführt und überzeugt mit einem frischen, leicht kühlen, glasklaren Klang und einer betörenden Ruhe und Abgeklärtheit.

Das Ensemble Arcangelo unter Jonathan Cohen musiziert in jedem mit grosser Konzentration und hörbarer Spielfreude. Das Ensemble kann sich wunderbar zurücknehmen und subtil begleiten, wo gefordert aber auch prächtig aufdrehen.

Eine schwergewichtige Bereicherung der Vivaldi-Diskographie.

 

25.02.2023, Jan Krobot/Zürich

 

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