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CD: Resurrection – Streichquartette op.13 von Anton Eberl | casal Quartet

18.03.2022 | Allgemein, cd

CD: Resurrection – Streichquartette op.13 von Anton Eberl | casal Quartet

eberl

Dem schweizerische casalQuartett ist die wache Auseinandersetzung mit dem Repertoire jenseits ausgetretener Pfade ein Kernanliegen. Als das Quartett im Beethoven-Jahr gleich mit einer Fünffach-5-CD-Box zum Thema auftrumpften, ging es um die Konfrontation des Genius mit seinen Zeitgenossen, um das Aufzeigen von Voraussetzungen und Folgen getreu dem Credo, dass kein noch so genialer Komponist „einfach vom Himmel fällt.“

Bei diesem Unterfangen kam auch der Wiener Komponist Anton Eberl in den Fokus, ein umtriebiger Tonsetzer und brillanter Pianist, der als Schüler und Freund Mozart und später als „Kollege auf Augenhöhe“ für Ludwig van Beethoven bis zu seinem frühen Tod eine beachtliche Karriere machte und in heutiger Wahrnehmung aber wieder ein gewisses Schattendasein führt. Dass bei Eberl in künstlerischer Hinsicht alles andere als ein Schattendasein vorlag, belegt der Umstand, dass sogar einige Eberl-Kompositionen unter Mozarts Namen heraus gebracht worden sind – vermutlich der Reichweite wegen, die ein „großer Name“ verspricht?

Die drei hier zum ersten Mal aufgenommenen Streichquartette, allesamt entstanden um das Jahr 1800 herum und erweisen sich als eine denkbar uneitle Musik. Dies wird durch die unverkennbare spielerischen Lesart des casalQuartetts umso mehr deutlich gemacht. Die schnellen Sätze sind mit tänzerischem Schwung aufgeladen, was jede Nervenzelle mit Leben erfüllt. Natürlich beherrscht dieses Schweizer Quartett die hohe Kunst, sich wie ein einziges Instrument anzuhören und auch dafür ist die kompakte Formensprache in diesen drei Quartettkompositionen prädestiniert. Für Felix Froschhammer und Rachel Spätz (Violinen) Markus Fleck (Viola) und Sebastian Braun (Violoncello) ist dies umso mehr ein Anreiz, in Sachen Homogenität, Intonationssicherheit und perfekter Transparenz mal wieder über sich hinaus zu wachsen.

Die Musik „spricht“ umso mehr, weil die Instrumente so vibratorarm wie möglich gespielt werden, was für klare, eindeutige Diktion sorgt. Erfahrbar wird so, wie August Eberls Streichquartette den Rahmen der Wiener Klassik sprengen. Galante Konversation wie bei Haydn und Mozart war gestern. Vor allem in den langsamen Sätzen, die nicht zwangsläufig an zweiter Stelle stehen müssen, geht Eberl einen Schritt weiter: Da singen die Instrumente und verschmelzen zu einem harmonisch dichten Klangzustand, welcher auf Subjektivierung im romantischen Sinne verweist.

Der imponierenden spielerischen Kompetenz des casalQuartetts steht auf dieser Weltersteinspielung eine bestens gelungene Aufnahmetechnik zur Seite, welche jedes Instrument im Raum fast optisch genau im stehen lässt, aber zugleich auch wie ein geschlossenes Ganzes wirkt‘.

Stefan Pieper

CD

Anton Eberl (1765-1807)

3 String Quartets op. 13

world premiere recordings

casalQuartett

https://solo-musica.de/prelisten-sm391/ (prelisten und cover)

 

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