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CD NIKOLAI LUGANSKY spielt Préludes, Fugen und Choräle von CÉSAR FRANCK; harmonia mundi

04.04.2020 | Allgemein, cd

CD NIKOLAI LUGANSKY spielt Préludes, Fugen und Choräle von CÉSAR FRANCK; harmonia mundi

Nach einer langen Pause in seinem Schaffen für Klavier, machte sich der 64-jährige französische Komponist César Franck daran, ein Präludium mit Fuge im Stile Bachs zu schreiben. Im Laufe der Entstehung hatte er die Eingebung, die beiden Teile mit einem Choral zu verbinden „dessen melodischer Geist über der ganzen Komposition schweben sollte.“ Daraus wurde das ca. 20-minütige Werk „Prélude, chorale et fugue“ in h-Moll, das eher komplexen spätromantischen Harmonien Liszts folgt als barocken Vorbildern.

Nikolai Lugansky tritt ganz in die Fußstapfen der Widmungsträgerin Marie Poitevin, was den nach Ohrenzeugen „vollen, kräftigen, lebendigen und strahlenden Klang“ betrifft. Beeindruckend, wie sich die ständig entwickelnden und wuchernden Harmonien ähnlich einem Glasprisma in tausend Farben brechen. Lugansky verschweißt den Klangreichtum romantischer Empfindsamkeit mit der formalen Strenge barocken Kontrapunkts zu einem urwüchsigen Kosmos.

1887 schrieb Franck ein weiteres dreiteiliges Stück mit dem Titel „Prélude, aria et final“ in E-Dur, sein letztes Werk für Klavier. In der Tradition der letzten Beethoven Klaviersonaten gibt es im Finale eine „Überlagerung der Themen der vorausgegangenen Sätze, bei der sich immer wieder schöne Gegenstimmen bilden“, zu bewundern. Alfred Cortot, ein berühmter Interpret des Werks meinte, dass die Tonsprache sehr oft an die Orgel oder sogar ein Streichquartett erinnere.

Auf der uneingeschränkt empfehlenswerten CD sind last but not least die Bearbeitung des 25 Jahre vorher entstandenen Orgelstücks „Prélude, fugue et variations“ in h-Moll, Op. 18, durch Harold Bauer (1910) sowie die von Lugansky selbst vorgenommene Transkription des “Choral pour grand orgue“ Nr. 2 in h-Moll zu hören.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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