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CD „MORGEN“ – ELSA DREISIG singt Lieder von STRAUSS, RACHMANINOV und DUPARC; ERATO

09.03.2020 | Allgemein, cd

CD „MORGEN“ – ELSA DREISIG singt Lieder von STRAUSS, RACHMANINOV und DUPARC; ERATO

Enttäuschend

Die gerade einmal 28 Jahre junge lyrische Sopranistin Elsa Dreisig hat französisch-dänische Wurzeln, studierte am Conservatoire de Paris und an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. 2016 gewann die beim Operalia Gesangswettbewerb den Ersten Preis und ist Ensemblemitglied an der Staatsoper Unter den Linden.

Gemeinsam mit dem Pianisten Jonathan Ware hat Elsa Dreisig für das Album „Morgen“ Lieder von Richard Strauss, Sergej Rachmaninov und Henri Duparc erarbeitet. Im Zentrum stehen die „Vier Letzten Lieder“ von Richard Strauss, die nicht zusammen erklingen, sondern sich mit dem Zyklus „6 Romanzen“ Op. 38 von Rachmaninov und sieben ausgewählten Liedern von Duparc nach keinem erkennbaren Konzept mischen. Keine gute Idee, dieses Shuffle gleicht nicht einer Reise, sondern einer musikalischen Irrfahrt. Auf dem Plattencover steht, dass die drei auf der CD präsentierten Komponisten als Gemeinsamkeit ihre Liebe für die menschliche Stimme, das Lied und Poesie teilen. Na, davon gibt es mehrere, die unter diese Kategorie fallen. Das reicht nicht für eine überzeugende programmatische Idee. Das Anhören langweilt nach einer Zeit, auch weil Dreisig stilistisch  alles mit einem Einheitsguss überzieht. 

Konkurrenzfähig ist das Album, wenn überhaupt, nur bei Rachmaninov und Duparc. Für Straussens überiridsch schönen Schwanengesang der „Vier Letzten Lieder“, aber auch für „Malven“  und „Morgen“ braucht es mehr an Stimmfarben, an opulent blühendem Legato, an frei sich aufschwingenden Höhen. Das Tonträger-Angebot an exquisiten Stimmen und mythisch strahlenden Diven ist dann doch zu groß, als diese Aufnahme einen Mehrwert für den Hörer zu schaffen imstande wäre. Auch Pianist Jonathan Ware überzeugt bei Richard Strauss überhaupt nicht, die Tempi sind zu schwerfällig, da fließt und flirrt nichts.

Besser steht es um Duparc, wo Dreisig mit dem einleitenden „L‘Invitation au voyage“ eine schön melancholisch verhangene Wiedergabe gelingt. Auch „Phidylé“ und „Sérenade florentine“ gefallen mir sehr gut. Den Rachmaninov-Balladen fehlt das erdig erzählerische, das darf nicht wie französische Mélodies rüberkommen. Das Russisch klingt auch nicht gerade ,comme il faut.‘

Die Sopranistin scheint es, ist derzeit noch bei der Gattung Oper besser aufgehoben als beim Lied. 

Tipp: Bei den Festtagen an der Staatsoper Unter den Linden am 5., 8. und 11. April 2020 wird Elsa Dreisig die Fiordiligi in Mozarts „Così fan tutte“ unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim singen.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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