Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

CD: Lieder us um Tal – An Homage to Swiss Art Song

19.02.2023 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

mead cd bild~1

CD:  Lieder us um Tal – An Homage to Swiss Art Song
Franziska Andrea Heinzen, Gesang
Benjamin Mead, Klavier
Label: Prospero, DDD, 2022
Bestellnummer: 11133447

Das „Liedduo“ Franziska Andrea Heinzen, Gesang  und Benjamin Mead, Klavier, hat schon zweimal auf Tonträgern bewiesen, dass es für sie nicht interessant ist, das am Musikmarkt Übliche zu wiederholen, sondern besondere Zugänge zur Musik zu finden, sozusagen „das Standard-Repertoire durch Neuentdeckungen sowie Kontextualisierung zu beleben“, wie es im Booklet zu ihrer jüngsten CD heißt.

Nachdem sie sich „Les Six“ gewidmet haben, selten zu hörenden Liedern von Auric, Durey, Honegger, Milhaud, Poulenc and Tailleferre, sowie eine große Abenteuerreise durch das Liedschaffen von Komponistinnen unternommen haben, geht es diesmal nicht zuletzt um eine „Liebeserklärung an Franziska Heinzens Heimatkanton Wallis“ und um einen Blick in das Schweizer Liedschaffen der letzten beiden Jahrhunderte, das wenig bekannt ist.

Man versteht als Nicht-Schweizer oder genauer, als Nicht-Walliser schon den Titel der CD nicht: „Lieder us um Tal“  – und sobald das erste Lied „D Chiäjeri“ anhebt, sieht man sich einer Fremdsprache gegenüber. Möglicherweise verstehen außerhalb der 80’000 Oberwalliser, die „Wallisdeutsch“ sprechen, nicht einmal die Schweizer selbst ihre Landsleute (Wikipedia erklärt, „Walliserdeutsch ist für Sprecher der standarddeutschen Sprache nur eingeschränkt verständlich“). Aber das macht nichts, man hört ja auch Musik mit Texten, die man nicht versteht, und es kommt auf Melodie, auf Stimmung, auf Ausdruck an, und es geht nicht zuletzt um die Sängerin und den Pianisten.

Zentrales Werk der CD ist der Zyklus „Lieder us um Tal“ (1981) von Eugen Meier (*1934), komponiert auf Walliserdeutsche Gedichte von Hannes Taugwalder (1910–2007). Möglicherweise wäre es sinnvoll gewesen, den Zyklus in einem Block darzubieten, aber die Künstler haben einen anderen Weg gewählt: Auf je ein Lied von Meier folgt jeweils eines von einem Schweizer Komponisten, wobei der Zusammenhang nicht immer herzustellen ist.

Allerdings versteht man dann die Texte, denn die Komponisten haben oft auf klassische Dichter zurück gegriffen, von C.F. Meyer bis Hesse, von Lenau bis Morgenstern. Was die ausgewählten Liedschöpfer betrifft, so kennt man Namen wie Frank Martin, Othmar Schoeck oder Heinz Holliger, während andere Persönlichkeiten kaum über die Schweiz hinaus gelangt sind – Emil Frey, Werner Bärtschi, Josef Lauber, Hans Huber, Walter Courvoisier, Joachim Raff, Hermann von Glenck und Albert Moeschinger.

Wenn festgestellt wird, dass die Schweiz keine eigene Liedtradition entwickelt hätte, sondern im Fahrwasser der Franzosen, Deutschen und Österreicher komponiert hätte, so bildet die einzige Dame der CD, Isabel Mundry, hier die Ausnahme: Da klingt die „Moderne“ mit ihrem ganzen Anspruch, die Musik zu „zerlegen“, während die übrigen Künstler dennoch durchaus originell klingen. Kurz, wie immer bei Heinzen & Mead erlebt man Neues und durchaus Interessantes.

Natürlich ist der titelgebende Zyklus von Eugen Meier schon durch seine „Exotik“ das Zentrum der CU, der Reiz der Sprache spiegelt sich in der Vielfalt der Emotionen, und hier kann Franziska Andrea Heinzen mit ihren quellklaren, modulationsreichen  Sopran strahlend fröhlich, besinnlich oder romantisch werden, immer adäquat begleitet von Benjamin Mead, dem sensiblen Pianisten.

Die anderen Schweizer Komponisten offerieren gleichfalls ein ganz breites Ausdrucksspektrum, jeder auf seine Weise, aber nie hat man es mit „klassischer“, gewissermaßen beschaulicher Liedkunst zu tun, stets steht das Liedduo vor neuen Herausforderungen und der Hörer vor neuen Erlebnissen –  Naturgefühle um Berg und Tal,  Einheimische und Fremde, Liebe und Leid, Leben und Tod, Aufgewühltheit und Ruhe, Verklärung und Resignation,  Mythisches und Mystisches, Romantik und Impressionstisches. Wieder einmal eine CD für Musikfreunde, die das Besondere suchen.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken