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CD JOHANN FRIEDRICH AGRICOLA, GOTTFRIED AUGUST HOMILIUS: OSTERKANTATEN und -ORATORIEN; cpo

08.04.2020 | Allgemein, cd

CD JOHANN FRIEDRICH AGRICOLA, GOTTFRIED AUGUST HOMILIUS: OSTERKANTATEN und -ORATORIEN; cpo

 

In der klassischen Musik ist Ostern vor allem mit der Passionsgeschichte, dem Sterben und Leiden Jesu Christie verbunden. Als wichtigste Werke dürfen hier wohl die Johannes- und die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach gelten. Ostern erzählt aber auch von der Auferstehung Jesu Christie, symbolhaft für die Überwindung des Todes, was mit Riten und Bräuchen aller Art gefeiert wird.

 

Mit der vorliegenden CD stellen uns die Kölner Akademie unter der künstlerischen Leitung von Michael Alexander Willens und sechs Solisten zwei Oratorien und eine Kantate in der Nachfolge Bachs vor. Thema der Kantate zum Osterfest „Der Gottmensch jauchzt“, des musikalischen Gedichts „Die Auferstehung des Erlösers“ von Johann Friedrich Agricola sowie des Oratoriums „Frohlocket und preist den göttlichen Held“ von Gottfried Homilius ist explizit die Auferstehung. Ein religiös freudiges Ereignis voller Zuversicht und Zukunftshoffnung, das in Zeiten von Krankheit und Einschränkungen aller Art die Laune heben und das Gemüt stärken. 

 

Johann Friedrich Agricola schrieb „Die Auferstehung des Erlösers“ für die Aufführung zum ersten Ostertage 1758 in der Berliner Petri-Kirche, das Oratorium auf Ostern von Gottfried August Homilius wurde 1767 komponiert und wahrscheinlich im gleichen Jahr in der Frauenkirche in Dresden aufgeführt. Mütterlicherseits war Agricola mit Händel verwandt, Klavier- Orgel und Kompositionsunterricht erhielt er u.a. bei J.S. Bach. 1751 wurde er zum Kammermusiker und Hofkomponisten von Friedrich II ernannt. Homilius, ein ausgesprochener Vielschreiber (u.a. 180 Kirchenkantaten, 12 Oratorien und 60 Motetten), wurde zu Lebzeiten als der „wohl jetzt ausgemacht beste Kirchenkomponist“ bezeichnet, komponierte mit seinem Oratorium auf Ostern eine umfangreiche zehnsätzige Kantate voller origineller Nummern. Als Beispiel sei das Frauenterzett „Verwundrung nimmt Herz und Sinn auf einmal ein“ genannt. Homilius‘ Musik zeigt bereits Elemente der Frühklassik und des empfindsamen Stils, seine Kantatenchöre weisen häufig homophonen und liedhaften Charakter auf, polyphone Abschnitte finden sich eher selten. Als handelnde Personen treten Die Weiber bei dem Grabe und ein Engel in Erscheinung. Bildet Homilius‘ Oratorium den historischen Ausschnitt der österlichen Historie ab, so ist „Die Auferstehung des Erlösers“ von Agricola freier konzipiert. Bildhaft musikdramatisch geht es bei den zwei Accompagnato-Rezitativen zu, in denen das Beben der Erde bei Auferstehung Jesu und das mystische Wunder sinnenfreudig geschildert werden. Mit heller Daseinsfreude flutet besonders die fast acht Minuten lange, reich verzierte Tenorarie „Umkränzt Maria“ den Hörer. 

 

Musiziert wird vom Kölner Originalklangorchester (gemischt mit modernen Instrumenten) ganz ausgezeichnet. Das Vokalsensemble weiß die Chöre voller feierlichem Jubel, die ruhigeren Choräle mit schlanker Stimmgebung, flexibel und allesamt mit jugendlicher Begeisterung klangschön umzusetzen. Als Solisten sind Hannah Morrison, Rahel Maas, Bethany Seymour (Soprane), Elisabeth Popien (Alt), Georg Poplutz (Tenor) und André Marsch (Bass) aufgeboten, die mit instrumental und sauber geführten Konzertstimmen für sich einnehmen können. 

 

Meine Lieblingstracks sind: Der Chor „Frohlocket und preiset den herrschenden Sieger“ (6), die Bassarie  „Entsetzt euch nicht, getreue Herzen“ im barocken Trompetensound (10) sowie das reizvolle Duett Bass/Alt „Held, der den Fels vom Grabe rückte“ (20) und alle Choräle.

 

Die vorgestellten Repertoireraritäten bilden eine willkommene Abwechslung zu den großen Passionsvertonungen. Jetzt ist Ostern zumindest musikalisch gerettet. 

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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