CD JOHAN HELMICH ROMAN: FABIO BIONDI spielt ASSAGGI per Violino solo; naive

Ein schwedischer Komponist des frühen 18. Jahrhunderts war dieser Roman. Als Vater der schwedischen Musik bezeichnet, stammte der Profigeiger und Oboist aus einer am Hofe renommierten Musikerfamilie, war persönlich bescheiden bis zu jegliches Lob strikt von sich weisend. Schon mit sieben Jahren reüssierte Johan als Solist, natürlich bereicherte der Begabte das höfische Orchester, vorerst ohne bezahlt zu werden. Seine Arbeiten waren nicht an den Hintergedanken einer persönlichen Karriere geknüpft, sondern ausschließlich der Glorie Gottes, der Nation und dem Vergnügen der königlichen Familie gewidmet.
Der Vielgereiste konzertierte in London mit und bei Händel, geigte im King‘s Theatre und traf den „Teufelsgeiger“ Tartini in Padua, mit dem ihn fortan eine lange Freundschaft verband. In seiner von italienischen und französischen Traditionen gefärbten Schreibweise ist Roman ein typisches Kind seiner Zeit. In der polyphonen Komplexität der Assaggi erinnert er an die Violinkunst von Telemann, Pisendel und vielleicht auch an J.S. Bach, obwohl Biondi sich aufgrund der Abwesenheit von Fugen die Frage stellt, ob Roman überhaupt Zugang zur Musik von Bach hatte.
Assaggi sind keine große Sonaten, sondern in der Logik der Fantasien in großer Freiheit geschriebene „Kostproben“, brillante Übungsstücke mit experimentellem Charakter, um technische Grenzen auszuloten oder dem höchstpersönlichen Genius außergewöhnlicher Virtuosen zu huldigen. Roman lernte dieses Genre „senza basso“ in London bei Geminiani und während seines Italien-Aufenthalts in Rom, Neapel, Padua und Bologna kennen. Dabei hat es ihm besonders die neapolitanische Schule angetan.
Die meisten Assaggi notierte Johan Helmich Roman während seiner „Grand Tour“ zu seinem eigenen Vergnügen. Sie schwelgen in italienischer Melodik, polyphoner und harmonischer Vielschichtigkeit. Der für einen starken Bogenstrich und eine üppige Sonorität gerühmte Geiger nutzte Techniken wie Skordatura, parallel gestrichene Doppelsaiten, Pizzicato und in Arpeggiomanier gebrochene Akkorde. Es handelt sich nicht nur der ungewöhnlichen Bezeichnung nach um einzigartige Kompositionen, sondern auch musikalisch, als sie am Ende in spielerischer Leichtigkeit die spezifische Bravour und Virtuosität eines mit seinem Instrument verschmolzenen Musikers feiern.
Fabio Biondi, Gründer des Ensembles Europa Galante, ist auch als Dirigent von Opern der Barockzeit bis zu Rossini, Donizetti und Verdi bekannt. Als Solo-Geiger ist Biondi auf Alte Musik spezialisiert. Sein Interesse für Werke für Violine solo des 18. Jahrhunderts führte ihn zu Roman, dessen Assaggi er öfter in seine Konzertprogramme aufnahm. Da der Widerhall und die Reaktionen des Publikums immer besonders positiv und von Neugierde getrieben ausfielen, entschloss er sich zu diesem Solo-Album.
Es ist eines jener raren Alben, in das ich schon nach den ersten Minuten völlig eintauchen konnte. Hier stimmt einfach alles. Der Erfindungsreichtum und die stupende Führung des Instruments, die Spielfreude und das immense Können des Solisten. Mal wirkt die Musik meditativ, mal voller Lebenslust und unbändiger Energie, stets sonnig und genießerisch. Vitamin D für die Seele!
Dr. Ingobert Waltenberger

