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CD: GEORGE GAGNIDZE

07.09.2021 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

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CD
GEORGE GAGNIDZE
Leoncavallo / Giordano / Verdi / Wagner / Mozart
Staatskapelle Weimar / Dirigent Stefan Solyom

George Gagnidze, geboren in Tiflis, Georgien:Das ist die mächtige Bühnenerscheinung, vor der man gut Angst bekommen kann, wenn man ihn nur sieht – was ihn zu einem idealen Scarpia macht… Genau diesen singt er auf seiner CD mit einem „gemischten“ Arien-Programm allerdings nicht, aber dieser hat ja auch keine Arie… Und Arien gibt es für einen Bariton in Hülle und Fülle.

Gagnidze, der 1996 in seiner Heimat debutierte und dessen Karriere nach seinem Rigoletto an der Metropolitan Opera 2009 abhob, singt heute vor allem italienisches Repertoire in der ganzen Welt. Nur in Wien kennt man ihn kaum – viermal Nabucco 2011, dreimal Alfio und zweimal Scarpia 2014 markieren seine raren Auftritte an der Wiener Staatsoper. Was seinem internationalen Ruhm keinen Abbruch tut. Umso mehr erstaunt, dass sein DC-Debut erst nun erfolgt – und noch mehr, dass es sich dabei um Aufnahmen von 2012 handelt, die mit neunjähriger Verspätung in den Handel kommen.

Diese Information verdankt man der Website OperaWire von Francisco Salazar, der Gagnidze selbst zitiert. Die Staatskapelle Weimar und den Dirigenten Stefan Solyom kennt er schon aus der Zeit, als er Ensemblemitglied in Weimar war. Die Zusammenarbeit kulminierte offenbar in dieser Aufnahme, die aus unerklärlichen Gründen „liegen“ geblieben ist. Und die neben den italienischen Arien immerhin zwei Rollen bietet, bei denen man auf Anhieb nicht an George Gagnidze denken würde…nämlich Wolfram und Don Giovanni.

Wenn ein Bariton die Möglichkeit hat, sein eigenes Programm zu bestimmen, wird er es mit dem „Bajazzo“-Prolog beginnen, und genau das tut George Gagnidze auf seiner CD. Von Anfang an lässt er hören, was er hat – und das ist vor allem Kraft,  die mit einer machtvollen Höhe Hand in Hand geht. Auf die Gerard-Arie aus „Andrea Chenier“ folgen die Verdi-Rollen –  Vater Germont, vom Orchester unglaublich gedehnt, passt ihm weniger als ein zorniger Macbeth, ein verzweifelter Nabucco.

Am wenigsten sind die lyrischen Partien wie Posa und Luna seine Kragenweite, denn die Schönheit, mit der manche italienische Baritone hier schmelzen, fehlt ihm, George Gagnidze setzt auf einen harten Kern und Ausdrucksstärke. Er hätte vielleicht eher Jago in das Programm aufnehmen sollen, aber vielleicht hat er diesen vor neun Jahren noch nicht gesungen.

Ja, und Wolfram, der Abendstern, und Don Giovanni, die Champagner-Arie – die Technik stimmt, die Eleganz weniger. Er hat sich ja in diesem Fach weiter nicht umgetan. So ist die CD fast ein historisches Fundstück – für einen Sänger, der den richtigen Weg, das dramatische italienische Repertoire gegangen ist, das ihm am besten in der Kehle liegt.

Renate Wagner

 

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