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CD GEORG FRIEDRICH HÄNDEL: MESSIAH – PETER WHELAN dirigiert das Irish Baroque Orchestra & Choir; Linn

12.03.2026 | Allgemein, cd

CD GEORG FRIEDRICH HÄNDEL: MESSIAH – PETER WHELAN dirigiert das Irish Baroque Orchestra & Choir; Linn

Sublimer Händel aus Dublin: Hallelujah, Ostern kann kommen!

Veröffentlichung: 27.3.2026

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Ostern naht. Da haben erfahrungsgemäß vor allem „Messiah“ von Händel und die beiden großen Bach-Passionen auf Tonträgern Hochkonjunktur. Das neueste Album des „Messiah“ stammt aus Irland und wird von den historisch informierten Kräften des Irish Baroque Orchestra und des Irish Baroque Choir mit erbauender Einfühlung musiziert.

Der Hintergrund für den abrupten Wechsel Händels von der italienischen Opera Seria zu englischsprachigen Oratorien dürfte im Wesentlichen bekannt sein. Nach dem rauschenden Misserfolg von „Imeneo“ und „Deidamia“ war Händel endgültig klar, dass es so in London nicht mehr weitergehen kann. Also erfand sich Händel nach und nach neu und schrieb fortan auf meist alttestamentarische Sujets gewichtige Oratorien für Orchester, Chor und Solisten. Den „Messiah“ komponierte Händel aus Anlass einer Einladung zu einer Konzertreihe in Dublin, wo er vom November 1741 bis August 1742 bleiben sollte.

In Dublin fand am 13.4.1742 auch die Uraufführung des „Messiah“, eines dreiteiligen Werks auf Bibeltexte in einer englischsprachigen Kompilation von Charles Jennens mit lose verbundenen musikalischen Betrachtungen der christlichen Erlösungslehre statt.

In der brandneuen Konzerthalle in der Fishamble Street war das umjubelte Ereignis gemeinsam mit einigen Orgelkonzerten Händels als eine Charity-Matinee für Häftlinge und zur Unterstützung des Mercer’s Hospital in der Stephen’s Street sowie der Charitable Infirmary am Inns Quay konzipiert. Ein witziges, dem Raummangel geschuldetes Detail schildert Barra Boydell basierend auf Zeitungsnotizen der Konzertankündigung: Die Damen wurden um die Gunst gebeten, auf Reifröcke zu verzichten und die Herren, womöglich ohne ihre Degen zu erscheinen. Dublin war Mitte des 18. Jahrhunderts die zweitgrößte Stadt der britischen Inseln und die insgesamt elftgrößte City Europas. Auf jeden Fall war Dublin attraktiv für Musiker und Komponisten. So lebte etwa Francesco Geminiani von 1733 bis 1740 in Dublin.

In London kam der „Messiah“ erst ab 23.3.1743 auf die Bühne des Covent Garden Theatre als „A New Sacred Oratorio“. Von Teilen des Publikums wurde der profane Ort der Aufführung als blasphemisch empfunden. Erst Ende des Jahrzehnts etablierte sich eine Art „Londoner Messiah-Tradition“, da Händel das Stück hartnäckig in der Fasten- und Osterzeit programmierte. Eine Vorstellung in der Kapelle des Foundling Hospital kam dabei stets direkt den dort betreuten Findelkindern und Waisen zugute.

Die vorliegende Aufnahme ist die erste in Originalklangmanier aus Irland. Peter Whelan, Solofagottist, Cembalist und künstlerischer Leiter des Irish Baroque Orchestra legt Wert auf eine duftig kammermusikalisch durchhörte Wiedergabe. Der Messiah klingt unter seinen wachsamen Händen wirklich anders als viele andere Ensembles, die mit wesentlich mehr vordergründiger Theatralik an die Passionsleiden und Auferstehungsverherrlichung gingen. Mit durchgängig hellem Klang bevorzugt Whelan flüssige Tempi und einen wunderbar federnd swingenden Barocksound.

Aus der vorzüglichen Solistinnen- und Solistenriege ragen insbesondere der luxuriös timbrierte, instrumental geführte Sopran von Hilary Cronin und der purpurleuchtende Alt von Helen Charlston heraus. Aber auch die Countertenöre Alexander Chance und Nathan Mercieca, der Tenor Guy Cuttin und die viril charaktervollen Bässe von Frederick Long und Edward Grint bringen zahlreiche Attribute für ein intensives musikalisches Erleben mit. Sie alle wirken auch im nur 13-stimmigen Irish Baroque Choir mit, der so eine unglaubliche Transparenz und gleichzeitig intimste vokale Abschattierung erzielen kann. Die profunde Spiritualität der Musik kommt so besonders anrührend zu ihrem Recht.

Die musikalisch subtil-feingeistig gestaltete Aufnahme, im Oktober 2024 im Dubliner Konservatorium erarbeitet, überzeugt dazu durch einen runden, natürlichen Klang und eine exquisite audiophile Tonqualität.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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