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CD: Fountain of Youth Mithras Trio Linn Records, CKD781

25.05.2026 | Allgemein, cd

Jungbrunnen mit Tiefgang und Dreivierteltakt

youth

Die Vorstellung, musikalische Genialität brauche unbedingt Jahrzehnte des Leidens und graue Haare, gehört ins Reich der hartnäckigen Legenden. Die neue Veröffentlichung des Mithras Trio bei Linn Records räumt mit diesem Irrtum gründlich auf. Unter dem programmatischen Titel „Fountain of Youth“ präsentieren Ionel Manciu, Leo Popplewell und Dominic Degavino ein Programm, das die ungestüme Kraft der Jugend feiert – eine Zusammenstellung von Klaviertrios, die allesamt entstanden, als ihre Schöpfer noch die Schulbank drückten oder gerade erst die Welt der Erwachsenen mit ihren Partituren zu erschüttern begannen.

Dass diese Werke weit mehr sind als bloße juvenile Fingerübungen, macht den besonderen Reiz dieser Einspielung aus. Das Ensemble begegnet ihnen mit einer Verve, die den Hörer sofort packt und in eine Welt entführt, in der Pathos noch nicht peinlich und Experimentierfreude keine intellektuelle Pose war.

Den Anfang macht Dmitri Schostakowitsch mit seinem ersten Klaviertrio op. 8 aus dem Jahr 1923. Der sechzehnjährige Dmitri kämpfte damals mit Tuberkulose und war unsterblich in eine Krankenschwester verliebt. Wer hier reines sentimentales Liebesgekräusel erwartet, kennt ihn schlecht. Schon in diesem einsätzigen Werk blitzt jene Doppelbödigkeit auf, die später sein Markenzeichen werden sollte. Das Mithras Trio meistert diese Gratwanderung zwischen spätromantischer Schwelgerei und den ersten Vorboten des Grotesken fabelhaft. Leo Popplewells Cello singt mit einer Wärme, die sibirischen Frost vergessen lässt, nur um kurz darauf von Dominic Degavinos nervös-hysterischem Klavierpart jäh unterbrochen zu werden. Die drei Musiker agieren als absolut gleichberechtigte Partner – hier wird nicht begleitet, hier wird gestritten, geliebt und gejagt.

Eine Besonderheit der Aufnahme ist die Weltersteinspielung von „Petrichor“ der Cellistin und Komponistin Joy Lisney. Der Titel bezeichnet den erdigen Duft von Regen auf trockenem Boden – ein Phänomen, das Lisney auf faszinierende Weise in Töne übersetzt. Das Werk beginnt in lichten, hohen Registern, in denen Ionel Mancius Violine wie ein einsamer Vogel über einer noch stummen Landschaft kreist. Es entwickelt sich zu einem sprunghaften Scherzo voller rhythmischer Finesse und spielerischer Energie. Das Mithras Trio lotet die klanglichen Möglichkeiten des Trios bis an die Grenzen aus, ohne je akademisch oder trocken zu wirken. Das Stück atmet und verströmt genau jene Frische, die der Titel verspricht – eine Seltenheit in der zeitgenössischen Kammermusik.

Zurück zu einem der größten Wunderkinder der Musikgeschichte: Erich Wolfgang Korngold. Sein Klaviertrio D-Dur op. 1 schrieb er mit gerade einmal zwölf Jahren! Während andere Jungen in diesem Alter noch mit der Blockflöte kämpften, goss Korngold die ganze orchestrale Pracht des Fin de Siècle in ein Kammermusikwerk. Dass Gustav Mahler ihn als Genie bezeichnete, erscheint nach dieser Einspielung alles andere als übertrieben.

Das Mithras Trio kostet diese Opulenz voll aus. Der erste Satz besticht durch eine sinfonische Breite, das Scherzo swingt mit Wiener Kaffeehaus-Humor – leicht angeschickert, keck und charmant. Die Musiker treffen dabei genau den richtigen Ton: augenzwinkernd, ohne je ins Kitschige abzurutschen. Das Larghetto erlaubt dem Cello von Leo Popplewell, seine ganze erzählerische Wärme zu entfalten, während das Finale in einem stürmischen, atemlosen Vorwärtsdrang gipfelt. Man hört den Spaß, den die drei an dieser virtuosen Herausforderung haben – hochkonzentriert und dennoch mit beneidenswerter Leichtigkeit.

Die Aufnahmetechnik von Linn Records ist erstklassig: klar, natürlich und mit wunderbarer Präsenz.

„Fountain of Youth“ ist weit mehr als eine kuriose Zusammenstellung von Jugendwerken. Das Mithras Trio beweist mit technischer Brillanz und großer individueller Aussagekraft, dass es zu den spannendsten jungen Ensembles der Gegenwart gehört. Nach 55 Minuten bleibt vor allem ein Wunsch: das Rad der Zeit ein kleines Stück zurückzudrehen.

Dirk Schauß, im Mai 2026

Fountain of Youth

Mithras Trio

Linn Records, CKD781

 

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