Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

CD / FOLKLORE / Christoph Croisé und Ana Bakradze

Folklore in melancholischen Tönen

15.08.2026 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

cd croise cc v399~1

CD / FOLKLORE
Christoph Croisé und Ana Bakradze
Label: Avie
UPC: 822252283723
2026

Folklore in melancholischen Tönen

Der Cellist Christoph Croisé, der in seiner Herkunft Deutschland, Frankreich und die Schweiz vereinigt, legt immer wieder CDs vor, die sich entschieden von populären Mainstreamangeboten und Marktüberlegungen abheben. Es geht ihm stets um neue Gesichtspunkte, um Entdeckungen, um Überraschungen. Und das gelingt ihm mit „Folklore“ wieder, wo er erneut seine Kreativität im Zusammenstellen von Werken beweist. Und Klischees vermeidet.

Gerade weil das gängige Bild von „Folklore“ – volkstümlich, gefällig, ins Ohr gehend, letztendlich „leicht“ – mit dem von ihm geborenen Programm gänzlich unterwandert wird. Gemeinsam mit der aus Georgien gebürtigen Pianistin Ana Bakradze hat er „Lieblingsstücke“ von sich und von ihr ausgewählt, die den Begriff „Folklore“ auf eine ungleich höhere Ebene heben als gemeiniglich gedacht.

Dabei hatten die beiden jungen Künstler (Croisé blickt mit noch nicht 33 Jahren auf eine erstaunliche Karriere in Konzertsälen und auf dem CD-Markt zurück, den er reich bestückt) keine Scheu, sich Werke, die a priori gar nicht für Cello und Klavier gedacht waren, zu bearbeiten – ob Bartok (an sich für Solo-Klavier gedacht), ob Sarasate (ursprünglich ein Orchesterstück mit Violine). Im Zusammenspiel von Cello und Klavier gewinnen auch solche Werke eigenen Charakter.

Von der Nationalität her haben Croisé und Bakradze Spanien (de Falla, Sarasate). Ungarn (Bartok), Frankreich (Boulanger, Fauré) und Deutschland (Schumann) befragt, dazu – wohl am wenigsten bekannt – Sulchan Zinzadse, der georgische Komponist und Cellist, dessen „5 Pieces on Georgian Folk Themes“ die Pianistin seit ihren Kindheitstagen begleitet haben. Hier hört man auch Klänge, die wie von „Anatevka“ herüber wehen, die reiche Kultur des Ostens.

Auch wenn so gut wie alle Werke letztendlich in Technik und Gefühlsausdruck den Künstlern alles abverlangen und der herrliche Ton von Croisés Cello perfekt mit dem Klavier von Ana Bakradze harmoniert oder auch in Wettstreit tritt, wird „Spanisches“ oder „Ungarisches“ nicht in der Form bedient, wie man es erwarten würde. Tatsächlich scheint der Grundton der Musikstücke von einer Art Melancholie durchwirkt, die von der Traurigkeit der Völker erzählt.

Am ehesten würde man bei den berühmten  „Zigeunerweisen“ von Sarasate das erfüllt bekommen, was man an Lebhaftigkeit und Brillanz erwartet (und wo es das doch dunkler getönte Cello mit der originalen Violine aufnehmen kann). Aber wenn die CD dann mit Fauré geradezu träumerisch endet, hätte man sie ebenso gut „Melancholia“ wie „Folklore“ nennen können.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken