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CD „DIE BACH-ABEL-KONZERTE“ – LES OMBRES mit Musik von J.C Bach, Abel, Haydn und Schröter; Mirare

24.11.2022 | Allgemein, cd

CD „DIE BACH-ABEL-KONZERTE“ – LES OMBRES mit Musik von J.C Bach, Abel, Haydn und Schröter; Mirare

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Es ist eine jener Alben, die der Frage „Wie hätte es sein können?“ nachgeht. Hier geht es um Musik im galanten Sill, den die beiden Stars unserer CD, Carl Friedrich Abel und Johann Christian Bach in den 1760-er Jahren nach London brachten und dort an die zwei Jahrzehnte hindurch unangefochten pflegten.

Die beiden Musiker konzertierten erstmals anlässlich eines Benefizkonzerts in Spring Gardens 1764 miteinander. Schon 1765 begründeten sie die sog. Mittwochskonzerte, die über 17 Jahre lang während der Konzertsaison zunächst im Carlisle House am Soho Square, später im Almack’s Room in der King Street und in den Hanover Square Rooms stattfanden. Erst das Ableben von J.C. Bach am 1.1.1782 brachte auch das Ende der exklusiven Konzertreihe mit sich.

Wer etwas gelten wollte in London, war Abonnent der prestigeträchtigen „Bach-Abel-Konzerte“. Damit war der Hochadel gemeint, denn der Preis von fünf Guineen wirkte damals prohibitiv auf die Geldbörsen bürgerliche Kreise. Außerdem wurde die Abonnentenliste von einer Gruppe Adeliger erstellt, die genau darauf achtete, dass man unter seinesgleichen blieb. Ähnlich wie beim 1918 in Mödling von Arnold Schoenberg ins Leben gerufenen Verein für musikalische Privataufführungen wurden vor den Konzerten weder die Namen der auftretenden Künstler noch die aufgeführten Werke bekannt gegeben.

Entsprechende Zeitungsanzeigen im The Public Advertiser (z.B. Ankündigung für den nächsten Tag, die Stunde „zwischen sieben und acht“) dienten lediglich als Erinnerungsmarke für den exklusiven Kreis der glücklichen Mitglieder. Natürlich war das Teuerste gerade gut genug und Bach/Abel konnten die besten kontinentaleuropäischen Künstler für ihre Konzerte engagieren. Bach stellte sich sogar als Scout zur Verfügung, reiste nach Europa, um Interpreten „unter großem Kostenaufwand“ anzuwerben. Klar, dass auch die neueste Musik von J.C. Bach und von Abel gespielt wurde und die beiden Meister selbst auftraten. Auch innenarchitektonisch herrschten Prunk und Luxus. Die Hanover Square Rooms zierten Öl- auf Glas-Gemälde von Gainsborough, die von hinten beleuchtet waren und alleine den Raum erhellten, ohne weitere Lüster oder Kerzen. Die Illuminationen hatten laut Zeitzeugen eine „brillante und eindrucksvolle Wirkung.

Das Fehlen der Einzelheiten zu Programmen und Interpreten bedeutet, dass wir heute nicht wissen, was in den 17 Jahren der Konzertreihe tatsächlich aufgeführt wurde. Die Macher der CD wählten Werke, die für den Hausmusik-Gebrauch (begleitende Sonaten von J.C. Bach und Haydns drei schottische Lieder) oder für Privatveranstaltungen in den Palais des Adels oder bei Hofe (Abels Präludien für Viola da Gamba) komponiert wurden.

Laut Ann van Allen-Russell soll die vorgestellte Sammlung „einen Eindruck von der Vielfalt und Neuartigkeit der Kammermusik (Lieder, Quartette, und Klaviersonaten), die bei den Bach-Abel-Konzerten neben großformatigen Ensemblestücken wie Sinfonien und Instrumentalkonzerte sowie Opernarien zu vernehmen gewesen sein könnten.“ Dass es sich nicht genau so zugetragen haben kann wie auf dem Album, belegt schon die Tatsache, dass etwa die drei schottischen Lieder von Joseph Haydn „Mary’s dream“, „John Anderson“ und „O love my love in secret“ erst nach dem Ende der Bach-Abel-Konzerte entstanden sind. Aber es könnten dort ähnliche Volkslieder erklungen sein.

Für viele kaum bekannt wird der Komponist Johann Samuel Schröter sein, der mit dem „Cembalo-Quintett Op. 1“ in C-Dur und der Sonate VI aus den „Six sonates d’air choisis Op. 7“ vertreten ist. Schröter, aus einer sächsischen Musikerfamilie stammend, gab mit seiner Schwester Corona am 2.5.1772 das London-Debüt bei den Bach-Abel-Konzerten. Der junge Musikus blieb in London, wo er als Organist an der Deutschen Kirche arbeitete. Er blieb ein Protegée des J.C. Bach und übernahm 1782 Bachs Stelle als Musiklehrer der Königin Sophie Charlotte.

Einen kleineren Anteil des Albums macht Musik von Johann Christian Bach (Quartett Nr. 2 in D-Dur aus den 6 Quartetten Op. 8, Sonate Nr. 3 in C-Dur aus den Six violin sonatas Op. 16) und den größten Beitrag die hier eingespielten Werke des Carl Friedrich Abel aus: Prélude in D-Dur aus den 27 Pièces für Bassviola, die Sonata in c-Moll aus den 10 Sonaten für Viola da Gamba und basso continuo, das Prélude in d-Moll aus den 27 Pièces für Bassviola und das Quartett in G-Dur.

Das Ensemble Les Ombres ist aus der engen künstlerischen Zusammenarbeit von Margaux Blanchard (Viola da Gamba) und Sylvain Sartre (Flöte) an der Schola Cantorum Basiliensis hervorgegangen. Ihm gehören neben den zwei Genannten für dieses Album noch Fiona McGown (Mezzosopran), Théotime Langlois de Swarte (Violine), Justin Taylor (Hammerklavier) und Hanna Salzenstein (Cello) an. Ihr brillantes wie sensitives Spiel scheint aus poetischen Lichtakkorden gestickt. Die mitteilsame Artikulation und der natürliche Vortrag von Fiona McGown tragen das ihre dazu bei, dass sich alsbald ungetrübte Hörfreuden einstellt. Stimmungsaufhellend!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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