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CD: David Bergmüller (Laute) bei Berlin Classics als neue CD

02.08.2023 | Allgemein, cd

David Bergmüller (Laute) bei Berlin Classics als neue CD

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Leise Töne nahe der Stille

Der Tiroler Lautenist David Bergmüller hat beim Label Berlin Classics eine interessante CD mit französischer Lautenmusik veröffentlicht. Als er das erste Mal eine Laute in der Hand gehabt hätte, hätte er sich sofort in den Klang verliebt, so Bergmüller. Vom „leere Saiten“ spielen habe er Gänsehaut bekommen und hätte nicht genug davon bekommen können. Auf der CD befinden sich Werke von Komponisten, die zwischen 1568 und 1732 gelebt haben. Es handelt sich dabei um relativ unbekannte Meister. Ennemond Gaultier, Jacques Gallot oder Rene Mezangeau sind weitgehend ausgefallene Tonschöpfer. Der Reiz liege in den leisen Tönen nahe der Stille, im meditativen Grundcharakter. Gerade deshalb fasziniere dieser Werkkanon heute noch und bilde einen wohltuenden Kontrapunkt zur reizüberfluteten Welt, so Bergmüller weiter. Das Album trägt in diesem Zusammenhang den Titel „Rhetorique du Silence“. Er kenne keine andere Musik, die so idiomatisch mit Klang, Rhetorik und der Stille zwischen den Phrasen umgehe, wie die französische Lautenmusik. In einer einsamen Berghütte hat sich Bergmüller damit ausgiebig beschäftigt, was man der Aufnahme irgendwie anhört. Außer dem Knacken des Holzes im Kamin und dem Rauschen der umliegenden Bäume im Wind sei es still dort: „Ist es nicht genau diese Qualität der Stille, die es uns erst ermöglicht zu hören?“ So befindet sich auf dieser CD eine Ersteinspielung – nämlich eine ausgesprochen filigran musizierte Allemande von Francois Dufault. Aber auch die Kompositionen von Charles Mouton und Robert de Visee beeindrucken in dieser klanglich differenzierten Einspielung mit kontrapunktischer Raffinesse und feinen dynamischen Nuancen. Hier werden geheimnisvolle Geschichten und Mythen erzählt. Einzelne Nummern wie „Narcisse“, „Psyche“, „La Belle Homicide“, „Tombeau de l’enclos“ oder „Chaconne en sol majeur“ fesseln mit harmonischem und thematischem Reichtum und stilistischer Vielgliedrigkeit. Weitere Werke wie „Carillon“, „La Superbe“, „Sarabande de mesangeau“, „La Poste“, „La Royalle“, „Gavotte“ oder  „Courante“ werden auch in rhythmischer und stilistischer Hinsicht mit ausserordentlicher Präzision  musiziert. Ein reizvolles Klangfarbenspiel ergibt sich ferner bei „La Mascarade“. So entsteht hier Musik, die tatsächlich an innere Werte appelliert, die in die Zukunft weist und gleichzeitig einen bewegenden Blick zurück wirft. Die Versponnenheit dieser sorgfältig gearbeiteten Werke kommt bei der subtilen Wiedergabe mit David Bergmüller jedenfalls nicht zu kurz, der eine Professur für Alte Musik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln besitzt. 

Alexander Walther

 

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