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CD: „Classic Vienna“ mit Lena Belkina

13.11.2017 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

CD Cover  Belkina

„Classic Vienna“
Wolfgang Amadeus Mozart, Christoph Willibald Gluck, Joseph Haydn
Lena Belkina
ORF Radio-Symphonieorchester Wien Dirigent: Andrea Sanguineti
CD: Sony Classical (Sony Music)

Lena Belkina, geboren in Usbekistan, aufgewachsen in der Ukraine, erste Bühnenerfahrungen in Leipzig, letzten Sommer eine der drei „Carmen“ der Bregenzer Festspiele, war auch an der Wiener Staatsoper engagiert (wo sie u.a. als größte Rolle den Cherubin sang).

Eben gerade 30 Jahre jung, ist ihre Karriere umfangreich, sowohl was das Repertoire (von Rossini bis Tschaikowsky, von Mozart bis Bellini) wie auch ihre Auftritte anlangt. Ihr erstes CD-Album hat sie vor zwei Jahren herausgebracht, damals mit Werken von Rossini / Bellini / Donizetti, begleitet vom Münchner Rundfunkorchester unter Alessandro de Marchi. Die Kritiken waren hymnisch.

Nun liegt ihre zweite CD vor, „Classic Vienna“ benannt, mit Werken von Mozart, Gluck und Haydn – ein anspruchsvolles Programm, zumal so gut wie alle von ihr gewählten Arien einen dunkel-tragischen, oft dramatischen Unterton enthalten. Ein vollkommener Partner für sie ist ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter der Leitung von Andrea Sanguineti. Von den zehn Nummern der CD gehören drei dem Orchester allein, gespielt werden die Ouvertüren zu Mozarts „Cosi fan tutte“, zu Glucks „Armide“ und zu Haydns „Acide e Galatea“. Bemerkenswert die Biegsamkeit und Stringenz des Orchesters und die Qualität der Soloinstrumente, die die menschliche Stimme immer wieder umschmeicheln. In einer Mozart-Konzertarie wird der große Klavierpart (von Mozart bei der Uraufführung als Begleiter von Nancy Storace, der er das Stück gewidmet hat, vermutlich selbst gespielt) sensibel von Andrea Bacchetti interpretiert.

Dreimal Mozart also, Opera seria, einmal Sesto, einmal Idamante, dazu eine Konzertarie. Zweimal Gluck, wobei Lena Belkina nicht „die“ berühmte Orfeo-Arie singt, sondern „Che puro ciel“, der Eintritt des Helden in die Unterwelt. Nicht minder intensiv die Arie des Paris, der nach seiner Helena schmachtet – „Oh, del mio dolce ardor“ aus „Paride ed Elena“, einem weniger bekannten Gluck-Werk.

Und schließlich zweimal Haydn, und auch hier wurde Dramatisches gewählt, zuerst „Se non piange un‘ infelice“ aus „L’isola disabitata“, wo Constanza auf einer einsamen Insel um ihren Gatten weint, sowie die „Scena di Berenice“ (keine ganze Oper Haydns, sondern Szenen und Arien für ein Benefizkonzert): Die Heldin erleidet das Phädra-Schicksal, den Sohn des Gatten zu lieben…

Eine herausfordernde Mischung in vielen Facetten also, die Lena Belkina anderes abverlangt als ihre Belcanto-CD. Die Stimme ist leicht, ausgeglichen, gut durchgebildet mit perfekter Atemtechnik, durchläuft alle Register ohne Bruch, ist aber eher hell als extrem dunkel timbriert, was bei mancher Arie von Vorteil wäre.

Auch bei dramatischem Ausbruch hält sie ihren Mezzo schlank, ohne zu forcieren, holt den Ausdruck aus den Klangfarben, nicht aus aufgedrehter Lautstarke. Möglicherweise liegt ihr (noch) Lyrisches und Leichtergewichtiges besser in der Kehle, aber es ehrt die Sängerin, auf dieses anspruchsvolle „Wiener“ Repertoire nicht verzichten zu wollen. Mozart spielt in ihrem Bühnenrepertoire schon eine große Rolle, Gluck und Haydn begegnen Künstlerinnen seltener. Schön, dass sie sich diesen herausfordernden Komponisten stellt.

Renate Wagner

P.S. Vom Booklet, das ein wenig schmal ausgefallen ist, hätte man sich die Texte der Arien gewünscht, man beurteilt letztlich auch Ausdrucksmäßiges besser, wenn man immer exakt weiß, was gerade gesungen wird.

 

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