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CD ANTONIO SACCHINI: L’ABBANDONO DELLE RICCHEZZE DI S. FILIPPO NERI – Azione sacra in due parti; NAXOS

24.09.2023 | Allgemein, cd

CD ANTONIO SACCHINI: L’ABBANDONO DELLE RICCHEZZE DI S. FILIPPO NERI – Azione sacra in due parti; NAXOS

Reizvolle Weltersteinspielung der kritischen Edition von Franz Hauk, Manfred Hößl und Diemut Hauk, basierend auf der „Bologna-Version“ 

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Bewusst wahrgenommen als außergewöhnlichen Komponisten habe ich Antonio Sacchini erst dieses Jahr anlässlich des Konzerts von Daniel Behle im markgräflichen Opernhaus im Rahmen von Bayreuth Baroque am 16.9., wo der heldische Tenor mit einem wolkenkratzerhohen Register die virtuose Arie „Mentre il cor con meste voci” aus der Oper „Artaserse“ zum Besten gab.

Antonio Sacchini, der Sohn eines neapolitanischen Kochs, durfte Violine, Gesang und bei keinem Geringeren als Francesco Durante Komposition lernen. Venedig, Padua, Rom, allerorts hinterließ der schöpferische Geist Spuren, sei es als begnadeter Gesangslehrer oder Komponist von beklatschten Werken der Gattung Opera Seria. Mit 42 Jahren ging er nach London, wo der als verschwenderisch und libertinär bekannte Musiker als Schuldenmacher keine bella figura machte.

Nach knapp zehnjähriger beruflicher Erfolgssträhne konnte sich der Luftikus nur durch Flucht nach Paris aus den finanziellen Kalamitäten und einer Verhaftung retten. Am französischen Hof wurde er sofort von Marie-Antoinette unterstützt, was ihm nicht nur Freundschaften eintrug. Als Gefolgsmann der Piccinisten hatte er zudem die Gluckisten am Hals. Intrigen, Neid und die Gicht plagten ihn zunehmend. Erst seine dritte Opera seria für die Pariser Oper „Œdipe à Colone“ brachte Sacchini den an der Seine-Metropole ersehnten Erfolg. Sie wurde bis 1844 unglaubliche 583-mal gespielt. Von dieser Oper existieren sogar zwei Studioaufnahmen.

Neben 60 Opern schrieb Antonio Sacchini geistliche Musik, darunter das hier erstmals vorgestellte Oratorium über den heiligen Filippo Neri. In der Fastenzeit 1765 am jesuitischen Collegium Germanicum in Rom uraufgeführt, handelt das zur christlichen Erbauung gedachte Stück vom bewussten Verzicht auf Reichtümer. Wie in der Biographie von Giacomo Baccio „Vita di S. Filippo Neri“ aus dem Jahr 1622 ausgeführt, hat Filippo ein großes Erbe ausgeschlagen („Abbandono delle Ricchezze“), um sich fortan ganz der tätigen Nächstenliebe und dem Gebet hinzugeben. Diese Episode aus dem Leben des Filippo nahm der namentlich nicht bekannte Librettist (war es ein Jesuitenpater?) zum Ausgangspunkt des theatralischen Geschehens. San Filippo, von Sacchini stimmlich einem Sopran zugeteilt, gerät durch seine Entscheidung, ein spirituelles, einfaches Leben zu führen, bald in Disput mit seinem Vater als auch dessen erbenlosen Cousin, dem Geschäftsmann Romolo.

Dieser irdische Bezug bildet aber nur den äußeren Rahmen des inneren Zwiespalts nach seiner Entscheidung. Es fiel dem Jüngling Filippo offenbar schwer, der Fasto (allem Prunk) zu entsagen und nicht dem Inganno (personifizierte Täuschung) auf den Leim zu gehen. Aber von der Povera als cara compagna geschützt, gelingt es Filippo, für seine Gottesliebe von allen „persönlichen Gemütsbewegungen und Willensbestrebungen“ im Sinne der exercitia spiritualia des hl. Ignaz von Loyola abzusehen. Inganno, Fasto und Poverta treten im Oratorium personifiziert auf und werden von Daniel Ochoa (Bass), Markus Schäfer (Tenor) und Ketevan Chuntishvili (Sopran) hervorragend gesungen. Die koreanische Sopranistin Yeree Suh, gleichermaßen bekannt für Alte Musik wie für Zeitgenössisches, in der Titelpartie, verleiht den Glaubenskämpfen und inneren Widerhaken auf dem Weg zur Tugend durchaus opernhafte Töne. Der virtuosen neapolitanischen Schule folgend, lässt sie die Melodien silbern aufblühen und gestaltet ihre Rolle herzzerreißend hingebungsvoll.

Franz Hauk dirigiert das 2014 von ihm und der georgischen Geigerin Theona Gubba-Chkheidze gegründete Orchester Concerto de Bassus, das sich aus Professoren und hervorragend Graduierten der Hochschule für Musik und Theater München rekrutiert. Es ist eine musikalisch homogene, dramaturgisch spannungsreiche und instrumental sowie vokal wunderschöne Aufnahme entstanden, die alle Freunde Alter Musik und im Besonderen der neapolitanisch-barocken Schule aufhorchen lassen wird. Außer Alessandro Scarlatti, Nicola Porpora, Giovanni Battista Pergolesi, Johann Adolph Hasse, Leonardo Leo oder Leonardo Vinci, um nur einige zu nennen, gibt es offenbar noch andere Komponisten der Zeit und geografischen Breite zu entdecken.

Unerschöpfliche italienische Vokalmusik, welch Wunder! Dank dieser in jeder Hinsicht hervorragenden Aufnahme ist die schon beachtliche neapolitanische Barockmusik-Diskographie um ein funkelndes Juwel reicher.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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