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BUDAPEST/Staatsoper: IVÁN NAGY INTERNATIONALE BALLETTGALA. – glanzvolle Tanzhommage

08.03.2015 | Allgemein, Ballett/Tanz

BUDAPEST – 7.3.2015: IVÁN NAGY INTERNATIONALE BALLETTGALA. – glanzvolle Tanzhommage

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Daria Klimentová und Vadim Muntagirov im „Duett“ in wunderschöner Harmonie  Copyright: Attila Nagy

Vor knapp einem Jahr verstarb überraschend Iván Nagy, seines Zeichens einer der populärsten ungarischen Tänzer mit internationalem Ruhm. 1943 in Debrecen geboren, erhielt er seine Ballettausbildung an der ungarischen Ballettakademie. Bereits als Solotänzer im Ungarischen Nationalballett engagiert gewesen, errang er 1965 beim Ballettwettbewerb von Varna die Silbermedaille. Dort von Frederic Franklin entdeckt, ging Nagy in einer politisch schwierigen Zeit dennoch in die USA und tanzte zunächst in Washington, später beim New York City Ballet und beim American Ballet Theater. In letzterer Compagnie war er in den 70er Jahren der allseits sehr geschätzte Partner von Weltstars wie Natalia Makarova, Gelsey Kirkland, Cynthia Gregory oder Carla Fracci; mit Dame Margot Fonteyun tanzte er auf ihren Tourneen.  Bereits mit 35 Jahren zog er sich bei ABT zurück und beschränkte sich auf Gastauftritte in verschiedenen Ensembles. Er wirkte als künstlerischer Ballettdirektor in Santiago de Chile, beim Cincinnati/New Orleans Ballet und vom English National Ballet, weiters studierte er auch zahlreiche Ballette in verschiedenen Ensembles ein. 2012 wurde Ivan Nagy von Ballettchef Tamás Solymosi als künstlerischer Berater ins ungarische Nationalballett zurückgeholt. Während der Vorbereitungen für die „La Sylphide“-Premiere im Vorjahr verstarb Iván Nagy im Alter von 70 Jahren überraschend am 22.Februar in Budapest.

Iván Nagy wird für seine Verdienste um das Ballett in Ungarn nun mit einer international besetzten Ballettgala gewürdigt. Die Ehrung in dieser Form fand heuer erstmals statt und wird nun künftig einmal pro Spielzeit ein Fixum sein. Szilveszter Ókovács, der Direktor der ungarischen Staatsoper und Tamás Solymosi sprachen in ihren einleitenden Worten über das Leben und Wirken von Iván Nagy. Als charmante Moderatorin des Abends führte Noémi Morvai mit kurzen Erklärungen zu den einzelnen Beiträgen durch das Programm. Zur Einstimmung wurde ein Kurzfilm über Iván Nagy gezeigt. In Überblendungen waren einige Fotos mit ihm und seinen berühmten Partnerinnen zu sehen, eingebettet in den  Pas de deux-Ausschnitt aus „Schwanensee“ mit Natalia Makarova.

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 Igone de Jongh und Marijn Rademaker im spannungsgeladenen Beziehungsstück  „Trois gnosiennes“. Copyright: Attila Nagy

Für diesen ersten Galaabend waren einige außerordentliche „Sterne des Balletts“ versammelt.  Als glanzvoller Höhepunkt unter den Gästen erwiesen sich Daria Klimentová und Vadim Muntagirov  vom English National Ballet. Sie berührten mit dem stimmungsvollen Pas de deux „Duett“ von Wayne Eagling zu Musik von Richard Wagner. Hier erlebte man ein Paar in wunderbarer Harmonie – in vollkommener tänzerischer Übereinstimmung, seelischem Gleichklang und inniger Stimmigkeit. Die beiden exzeptionellen Tänzer reüssierten dann noch im 2. Teil mit dem Pas de deux aus „Nussknacker“ von Christopher Hampson  nach Ben Stevenson mit formvollendeter klassischer Eleganz und gereifter Präsentation zu Peter Iljitsch Tschaikowskys Komposition. Das Publikum war hingerissen und jubelte gebührend. Vom Dutch National Ballet kamen Igone de Jongh und Marijn Rademaker (er hatte mit Jahresende von Stuttgart in seine Heimat Niederlande gewechselt). Mit „Trois gnosiennes“ (Musik: Eric Satie) gefielen die beiden in der Hans van Manen Kreation durch klare Linien und spannende Auseinandersetzung im ewigen Beziehungsthema Frau – Mann. Zuvor gelang der Pas de deux aus „Kameliendame“ von John Neumeier zu Frederic Chopins Klavier (Pianist: József Balog) zwar tänzerisch; die emotionale Verstrickung im gegenseitigen Dialog schien jedoch aufgesetzt und nicht aus einem inneren Gefühlsvulkan heraus zu kommen. Mit Anna Tikhomirova und Alexander Volchkov waren auch Gäste vom Bolshoi Ballet vertreten. Zunächst beeindruckten sie durch Esprit mit dem Tango aus „Das Goldene Zeitalter“ von Jury Grigorowitsch zur gleichnamigen Komposition von Dmitri Shostakowitsch; beim abschließenden Pas de deux aus „Le Corsaire“ (Choreografie: Marius Petipa, Musik: Ricardo Drigo) setzte man hingegen auf schöne Posen und große Allüre, tänzerisch eher auf solide Sicherheit als auf aufregende circensische Kunst.

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Sensationell und souverän: Shoko Nakamura mit Gergely Leblanc in „Don Quijote“ Copyright: Attila Nagy

Stupende Technik zelebrierte Shoko Nakamura mit ihrem Auftritt im Pas de deux aus „Don Quijote“. In der Choreografie von Marius Petipa zu den schmissigen Klängen von Ludwig Minkus stellte sie mit feurigem Temperament ihre Extraklasse unter Beweis: sie zirkelte  perfekte Fouettés (mitgeklatscht vom begeisterten Publikum) und bewies endlose Balance. Tosender Jubel! Die Zuschauer – darunter  auch aus Wien angereiste Ballettfans – huldigten der wunderbaren Tänzerin, die am nächsten Abend wieder als Manon angesetzt war. Als Ihr Partner gefiel der Solotänzer Gergely Leblanc – sehr jung und mit viel Potenzial – vielleicht noch ein wenig ungestüm, aber sprungstark und sehr leidenschaftlich. Mit Aliya Tanikpayeva gibt es eine weitere grandiose Ballerina im Ungarischen Nationalballett. Die zarte Kasachin überzeugte sowohl im Pas de deux aus „Manon“ (Choreografie: Sir Kenneth MacMillan; Musik: Jules Massenet) als auch nach der Pause im Pas d´sclaves aus „Le Corsaire“ tänzerisch wie im Ausdruck. Beide Male war Dmitry Timofeev ihr Partner – zuerst in glückstrahlender Liebe vereint, zeigte er sich beim 2. Auftritt als lässig-machohafter Sklavenhändler und ließ in diesem beliebten Gustostückerl klassischer Tanzkunst sprungtechnisch sein Können aufblitzen. Als direkte Referenz an Iván Nagy ist der erste Beitrag des Abends zu sehen – als Anknüpfungspunkt an eine seiner Paraderollen und seine letzte Einstudierung für Budapest: Lili Felméry entzückte als ätherisch-fragile Sylphide; Zoltán Ólah blieb dabei ein wenig blass im Pas de deux in der Version von August Bournonville zur Musik von Herman Severin Løvenskiold.

Eine glanzvolle Gala mit genau der richtigen Länge und vielen edlen Beiträgen an exquisitem klassischem Tanz; großteils mit live-Orchesterbegleitung unter Dirigent István Silló. Genuss pur und sehr viel Beifall!

Im Foyer der Staatsoper finden sich seit neuestem die phantasievoll gestalteten Fotos von Tänzern und Sängern (Stylist: Ali Tóth) als roll ups zum Programm der Spielzeit 2015/16 – unter dem Motto „elsősorban“ – übersetzbar mit „in erster Linie“ – machen sie neugierig auf  Kommendes, wie man sich auch auf der neu gestalteten website www.opera.hu überzeugen kann.

Ira Werbowsky

 

 

 

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