
Hg. Wolfgang Paar / Johannes Rieder
WEINVIERTLER KELLERLEBEN
132 Seiten mit zahlreichen Abbildungen,
Verlag Edition Winkler-Hermaden, 2026
Bei einem Glas die Seele baumeln lasesn…
Das Weinviertel trägt seinen Namen nicht von ungefähr. Es geht um Wein. Und der ist in den Augen (und Kehlen) vieler Österreicher nicht nur Wonne, sondern auch Kulturgut. Er wird besungen und gepriesen, beschrieben und in tausend Bildern fest gehalten – Foto, Zeichnung, Malerei.
Im Zentrum des Buches über das Waldviertler Kellerleben stehen jene Kellergassen, deren an sich schmucklose Gebäude nicht von Architekten, sondern von den Weinbauern selbst quasi mit Augenmaß gebaut wurden, eine signifikante Architektur ganz besonderer, unverwechselbarer Qualität per se. Von diesen Kellergassen gibt es im Weinviertel über tausend, die so einzigartig sind, dass sie als Kulturlandschaft von der österreichischen UNESCO-Kommission in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen wurden. Ein Anlass für die Autoren Wolfgang Paar und Johannes Rieder, ihr bereits 2017 erschienenes Werk aus diesem Grund aktualisiert neu aufzulegen.
Wolfgang Paar, ehemaliger Professor an der HAK Mistelbach, befasst sich bereits die längste Zeit mit Kellergassen, die ihn begeistern, und Johannes Rieder entstammt einer legendären Poysdorfer Winzer- und Heurigenfamilie, trägt das Thema sozusagen in den Genen.
Gemeinsam haben sie ein ungemein einladendes Kompendium aus Bildern und Texten zusammen gestellt, deren Autoren vielleicht nicht allgemein bekannt, aber mit dem Thema zutiefst vertraut sind. Kennen wird man auf jeden Fall Hermann Nitsch, Peter Turrini, der in der Nähe von Retz lebt, also seit langem ein „Weinviertler“ ist, oder Alfred Komarek, der seinen Dorfpolizisten Polt (unvergeßlich in der Fernsehfassung: Erwin Steinhauer) genau in dieser Kellergassenwelt angesiedelt hat.
Man steigt mit den Autoren in die Welt der Preßhäuser und der Menschen, die sie aus ganzem Herzen betreiben und verwalten, man erfährt (manchmal mit einem Quentchen Pathos), dass „der Weinhauer eine uralte, heilige Arbeit“ vollbringt und wie viel Wissen dahinter steckt, bis der richtige Wein heraus kommt – da muss man Meteorologe, Botaniker und Önologe (sprich: Weinwissenschaftler) sein.
Um dann bei der Erkenntnis zu landen (denn das Buch sammelt auch alte Sprüche):
„Rotwein ist für alte Knaben /
Eine von den besten Gaben.“
Und dann kommen auch die genußsüchtigen Städter, vergessen in dieser seltsamen Welt die Zeit und lassen bei einem Glaserl die Seele baumeln…
Das ist das Schöne an den Büchern des Verlags Edition Winkler-Hermaden, dass sie in unserer immer uniformeren Welt jene Regionalia bewahren, die die Verbindung spezifisch heimischer Kultur und ihrer Menschen durch Bücher dokumentiert.
Renate Wagner

