
Simon Schwarz
GEHT’S NOCH?:
BETRACHTUNGEN EINES ÜBERFORDERTEN:
Aufgezeichnet von Ursel Nendzig
200 Seiten, Verlag Carl Ueberreuter, 2025
Die grüne Botschaft
Er spielt selten Hauptrollen, aber was wäre der etwas phlegmatische Eberhofer ohne seinen quirligen Freund Rudi Birkenberger? Und wie oft hat man sich in den Österreich-„Tatorten“ schon darauf gefreut, dass der „Inkasso-Heinzi“ als zwar moralisch nicht ganz astreiner, aber treuer Freund der Bibi Fellner auftaucht? Simon Schwarz ist der Schnittlauch auf der Suppe manches Films und mancher Fernsehproduktion, beliebt genug, dass auch er sich der langen, langen Reihe von Schauspielern zugesellen kann, die mit ihren Büchern hoffentlich ein interessiertes Publikum erreichen.
Also erwartet man das Übliche: Die Geschichte einer Karriere, Anekdoten, vielleicht die eine oder andere Bosheit über berühmte Kollegen… was halt in solchen Büchern drin steht.
Mitnichten. Wer etwas über den Schauspieler Simon Schwarz erfahren will, ist bei „Geht’s noch?“ grundfalsch. Und der Untertitel „Betrachtungen eines Überforderten“ bezieht sich nicht auf schwierige Rollen (wenn er zur Abwechslung „Böse“ spielt, ist Simon Schwarz oft hervorragend), sondern darauf, wie er unsere Welt erlebt. Kurz, was die Journalistin Ursel Nendzig hier für Schwarz aufgezeichnet hat, ist das Bekenntnisbuch eines linken Umweltschützers.
Man erfährt nur am Rande, warum er Schauspieler wurde: In der Schule, beeinträchtigt durch ADHS (Überaktivität und Konzentrationsschwäche), war er sehr schlecht. Was sollte aus ihm werden? Da hörte er, dass Sylvester Stallone auch keinerlei Ausbildung hatte und doch ein großer Filmstar wurde. Das erweckte den Wunsch: Schauspieler. Und das hat Simon Schwarz ja geschafft. Man wundert sich nur, woher er der Zeit nahm, wo doch in seinem Kopf offenbar ununterbrochen Umwelt-, Klima- und Polit-Fragen kreisen…
Er hat eine Mutter, die „Aktivistin“ war, die die Bewegung „Mütter gegen Atomkraft“ gründete und mit Flugzetteln in der Hand auf die Straße ging, um Menschen zu überzeugen. Sein Vater Gottfried Schwarz hat mit seinem rundlichen Gesicht aus mancher ORF-Sendung gelächelt (und nach Meinung des Sohnes keine große Karriere gemacht, weil er jedes Parteibuch verweigerte) und war treuer Gefährte der Gattin: Dass auf seinem Auto der „80 / 100 – dem Wald zuliebe“-Sticker klebte, hat den jungen Simon zwar genervt, aber geprägt – so wie die Mutter vor allen.
Also enthält sein Buch keine einzige Schauspieler-Geschichte und kein einziges Rollenfoto. Bestenfalls Bilder von Simon als Kind – und Szenen, die man in einer Schauspielerbiographie nicht erwartet: Demos gegen Atomkraft oder die Besetzung der Hainburger Au. So wird aus einem Kind ein Homo politicus.
Simon Schwarz hat (im Kaffeehaus und vermutlich in unendlichen Suaden) erzählt, was ihn bewegt – seine Sorge um Boden, Wetter und Ausbeutung der Erde. Manchmal mag er den Leser hier und da verlieren (wenn man etwa keine endlosen Überlegungen zum E-Auto nachvollziehen möchte). Aber meist bleibt man lesend bei der Stange – bei seinen Gedanken zu Feminismus, Verantwortung. Politik. Er predigt geradezu die richtige Ernährung und das richtige politische Denken, wobei er sich – dem Vater getreu – im Gegensatz zu vielen spekulativen Schauspielern, die den Vorteil suchten, nie für politische Parteien einspannen ließ. Und doch – welch ein Fressen wäre er für die Grünen und die Linken, wenn er dieses sein „Handbuch für vorbildliches Denken und Verhalten“ politisch ausbeuten ließe!
Tatsächlich hört sich Simon Schwarz in seinen fast fanatischen Überzeugungen wie ein Prediger an – einer in der Wüste, er weiß es selbst. Aber er weiß auch, dass es Leute wie ihn, wie seine Mutter, wie seine aktivistische Tochter, geben muss.
Über den Schauspieler Simon Schwarz erfährt man allerdings gar nichts. Und das ist auch schade.
Renate Wagner

