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BUCH / Martin Czapka: WIENER WÜRSTEL STÄNDE

Knackiges Wien

06.11.2026 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

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Martin Czapka
WIENER WÜRSTEL STÄNDE
EIN LEXIKALES SAMMELSURIUM RUND UM DIE WIENER WÜRSTELSTÄNDE
224 Seiten, Amalthea Verlag, 2026

 Knackiges Wien

Martin Czapka hat einen eigenen Buchtyp kreiert, den manche Buchfreunde durchaus zu schätzen wissen – Wort und Bild (letzteres ebenfalls in Eigenproduktion), als alphabetisch übersichtlicher Weg durch ein Thema.
Mit der Monarchie, Wien um 1900 und Wiener Kaffeehäusern waren die Themen von eher nobler Natur.

Nun geht es dem Autor um die Wurst. Und er zeigt einem zweifellos staunenden Publikum die Variationen, wie ein Würstelstand aussehen kann. Sie wehen dem Wiener ja stets um die Nase, aber dass man sie genau angesehen hätte – wer kann das schon von sich behaupten? Und über die mögliche Vielfalt hat man sich schon gar nicht den Kopf zerbrochen. (Abgesehen davon, dass sich Würstel heutzutage oft den Stand mit Falafel, Kebab, Döner, chinesischen Noodles und Pizza teilen müssen…)

Das Interessante am Würstelstand ist sein demokratischer Zuschnitt. Dort steht der „feine Herr“, der eben aus der Oper kommt und sich rasch noch eine Käsekrainer hinein zieht. Und da holt sich auch der Sandler, wenn er ein paar Euro hat, seine Wurst.  Man hat die Würstelstände folglich als Ort des vorurteilslosen Schlemmens, als  immaterielles Kulturerbe der Stadt ausgezeichnet. Weil dieser Ort auch, wie es heißt, zur Identität der Stadt gehört: „Kein anderes Streetfood ist so identitätsstiftend für eine Stadt wie die Würstelstände für Wien.“

Über die Wurst erzählt der Autor: „Ausgesprochen wird es meist als Würschtl, oft auch als Wiaschdl. Nota bene: da Wiaschdlmau (Würstelmann) muass kane Wiaschdlfinga (dicke, plumpe Finger) håm, um an Wiaschdlstånd zu betreiben.“ Da wird schon mit Zangen agiert, um sich nicht besagte Finger zu verbrennen…

Die Klassiker am Standl sind natürlich die Käsekrainer, „Die Käsekrainer ist die Wurst, die genauso viel Umsatz bringt wie alle anderen zusammen. Das ist die prominenteste Wurst überhaupt.“. weiß der Autor. Wie man die Wurst mit dem Emmentaler versetzt, ist eine Wissenschaft für sich. Aber! Käsekrainer mit Ketchup und/oder Mayonnaise – ein absolutes No-Go!

Durchblättert man das Buch, so bleiben die Augen an den zahllosen, exzellenten Bildern von Würstelständen hängen, die der Autor gezeichnet und koloriert hat, witzig, ironisch, augenzwinkernd. Faktisch ist, das muss man allerdings zugeben, die Variationsbreite der „Standln“, in denen Würste angeboten werden, nicht besonders groß.

Also fragt man sich, was dem Autor alphabetisch für Texteinfälle gekommen sind. Er begibt sich ins tiefe Wienerisch, von „abbrennt“ und „angfressn“ über „baazwach“ und „bacherlwarm“ – man kann sicher sein, dass sich fast zu jedem Buchstaben Wienerisches (teils schon umgangssprachlich vergessen) zu finden ist.

Als Wien-Führer durch die Würstelwelt ist das Buch auch zu benützen, er identifiziert stolze „Etablissements“, die dann so sinnige Namen tragen wie „Eh scho wurscht“ (Simmeringer Hauptstraße)..

Aber es ist eben nicht wurscht, sprich: egal, wie die Zukunft der Würstelstände aussehen wird. Starbucks hat, zumindest in Wien, die Kaffeehäuser nicht gefährdet. Die Fast-Food-Ketten mit ihren Burger-Angeboten bedrohen die Würstelstände ernsthaft, und kein echter Wiener kann sich vorstellen, dass „vegane Würstel“ als alternatives Angebot den Kundenkreis wesentlich größer machen wird. Vielleicht ist es tatsächlich eine absterbende Welt.

Mit diesem Buch kann  man zumindest einen  bunten Spaziergang durch eine Gegenwart unternehmen, die es noch gibt.

Renate Wagner

 

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