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BUCH / Marilyn Monroe liegt auf der Couch und spricht über Sex

Zwischen Realität und Fiktion

30.05.2026 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

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Hektor Haarkötter:
MARILYN MONROE LIEGT AUF DER COUCH UND SPRICHT ÜBER SEX
Sieben außergewöhnliche Tage mit Anna Freud
214 Seiten, Verlag Ueberreuter, 2026

Zwischen Realität und Fiktion

Marilyn Monroe, hundert Jahre alt?
So undenkbar wie auch nur eine „ältere“ Marilyn, obwohl sie in dem „Misfits“-Film schon ein wenig daran gearbeitet hat. Nein, sie bleibt jung und schön und sexy, und nicht alle Menschen, die seit 64 (!) Jahren tot sind, erfreuen sich dermaßen ungebrochenen Interesses der Nachwelt.

Logisch, dass rund um den 100. Geburtstag am 1. Juni 2026 nun auch der Buchmarkt sich bewegt, obwohl es nicht einfach ist, zu einem so abgearbeiteten Thema wie Marilyn noch neue Aspekte zu finden.    Man ist Marilyn schon unter jede Rockfalte gekrochen. Dass sich dennoch immer wieder Neues ergibt, zeigt das Buch darüber, MM „liegt auf der Couch und spricht über Sex“, was ein ziemlich reißerischer Titel für eine an sich seriös recherchierte, wenn auch inhaltlich weitgehend freizügige Betrachtung ist.

Für uns Österreicher ist die Woche im Jahr 1956, als Marilyn in London für „Der Prinz und die Tänzerin“ mit Laurence Olivier vor der Kamera stand, besonders interessant. Denn die zweite Protagonistin des Buches ist keine Geringere als Anna Freud, Sigmunds Tochter, Psychoanalytikerin, nach der Flucht vor den Nazis in London geblieben. die die Praxis ihres berühmten Vaters in 20 Maresfield Gardens in Hampstead weiterführend.

Zwei extrem große Namen. Zweifellos eine Begegnung, die Neugierde erregt.

Nur, was macht ein Autor – Hektor Haarkötter ist seines Zeichens Professor für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt politische Kommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. also nicht gerade Fachmann für Stars und Psychologie – mit solch einer Begegnung, über die natürlich – es gibt ein Patienten-Geheimnis – nicht gesprochen wurde und zu der auch keine medizinischen Unterlagen existieren? Wobei der Autor selbst im ersten Kapitel gesteht: „Was sich zwischen den beiden Frauen in dieser einen Woche ereignet hat, ist bis heute ein Geheimnis“?

Nun, man erfindet. Tatsächlich hat Haarkötter die Sitzungen „nach der Wahrscheinlichkeit“ nachgestellt. Und im übrigen recherchiert, recherchiert, recherchiert und das Buch mit Faktenmaterial vollgestopft. Eine Gratwanderung, eine der weiteren Spekulationen über die Monroe. Marilyn macht das, nach allem, was über sie schon geschrieben wurde, sicher nichts mehr aus.

Der Autor liefert eine halbfiktionale Parallelbiographie zweier bedeutender Frauen, und er erzählt von Anfang an im Stil eines Romans. Marilyn, damals herrliche 30 Jahre jung und schon mit drei gescheiterten Ehen belastet (die dritte mit Arthur Miller zerbröckelte gerade), Anna Freud, um 31 Jahre älter, also Anfang 60. legendenhaft durch den Vater und die Arbeit, die sie fortführt.

Jenseits seiner erfundenen Couch-Gespräche erzählt der Autor über die beiden Frauen, durchaus genau und auch witzig („Marilyn Monroes unverwechselbarer Gang mit dem unnachahmlichen Kreisen der Pobacken war seit dem Film Niagara eines ihrer Markenzeichen.“).

Die Ausführlichkeit der Recherche erinnert an die großen Zeitungsserien der fünfziger Jahre, wo man den Stars auf Schritt und Tritt folgte. Das wird von Marilyn Fans (gibt es diese wirklich noch?) vermutlich noch immer gern gelesen. Etwa, wie unglaublich peinlich und tragisch die Dreharbeiten zu „Der Prinz und die Tänzerin“ für Marilyn Monroe, damals in London, ausfielen.

Ähnlich penibel wendet sich der Autor dann Anna Freuds Welt zu, wobei man zuerst bei der Begegnung der beiden Frauen schon auf dem unsicheren Boden der Spekulation schreitet. Aber es könnte so gewesen sein? Oder anders? „Marilyn nimmt die Sonnenbrille ab. Aus ihren todmüden Augen sieht sie den wachen Blick der Therapeutin. Anna Freud hingegen sieht nicht nur den übernächtigten Gesichtsausdruck ihrer neuen Patientin. Sie sieht eine andere Welt in ihr Behandlungsatelier eintreten. Denn mit der Schauspielerin betritt ganz Hollywood den Raum.“ Das ist dann schon der Roman des Autors, faktisch und fiktional zugleich. Denn wir haben keine Ahnung, was Anna Freud dachte…

Das Buch ist besonders interessant für Leser, die sich für „Umstände“ interessieren – denn der Autor muss, um das Buch zu füllen, die ganze Umwelt, die Zeitgeschichte ausmalen, und das liest sich wirklich gut. So spinnt er detailreich die Doppelbiographie zweier interessanter Frauen aus, und welcher Biograph muss nicht letztendlich spekulieren, weil Menschen selbst nicht alles über sich sagen und Fakten eben interpretierbar sind?

Bedauerlich, wie schmal der Bildanteil des Buches im Grund ausgefallen ist. Ausführlich die Bibliographie, da kann man in der Sekundärliteratur Anregungen aller Art finden, wenn man über Marilyn noch mehr erfahren wollte… Aber am besten sieht man sich wohl „Manche mögen’s heiß“ an. Da ist alles drin, was an ihr wunderbar war. Und was ein so armer, gequälter, unsicherer Mensch dennoch leisten konnte. Und selbst Laurence Olivier hat Jahrzehnte später in seinen Memoiren gestanden, nachdem er sie so drangsaliert hatte, wie hinreißend Marilyn in „Der Prinz und die Tänzerin“ war…

Renate Wagner

 

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