
Freunde der Wiener Staatsoper:
JAHRBUCH
50 JAHRE GELEBTE OPERNFREUNDSCHAFT
Hg. Rainhard Wiesinger
Wien 2026
Zum Jubiläum!
Es gibt es glücklicherweise alle Jahre wieder, das Jahrbuch der Opernfreunde, aber nicht alle Jahre feiert man das Jubiläum eines halben Jahrhunderts: „50 Jahre gelebte Opernfreundschaft“ ist folglich der diesjährige Band (in Himmelblau, diesmal kein Sängerbild am Titel) benannt. Und diese Bücher sind wichtig, denn es gibt sonst keine jährliche Dokumentation über die Arbeit der Wiener Staatsoper. In der Ära Dominique Meyer setzte die Oper noch Ehrgeiz darein, einen eigenen Band mit Theaterzetteln und Fotos zu veröffentlichen, der das Geschehen der vorangegangenen Saison komplett abbildete.
Diese Ambition gibt es in der Ära Roscic nicht. Da muss man als Opernfreund schon die Hefte des gedruckten „Der neue Merker“ sammeln, dessen Existenz glücklicherweise gerettet wurde, um später nachschlagen zu können. Und sich auf das alljährliche Jahrbuch der Opernfreunde verlassen… Das Grußwort haben die Opernfreunde übrigens von Dominique Meyer erbeten, der ihnen stets weit besser gesinnt war als der gegenwärtige Operndirektor…
Das Buch bietet, das sei zu Beginn lebend erwähnt, die Chronik der Aufführungen wieder im Theaterzettel-Stil, d.h., die Rollen / Interpreten sind untereinander aufgelistet, die Aufführungen nebeneinander, so dass man übersichtlich sowohl Besetzungen wie auch Umbesetzungen sieht. Das mag Platz kosten, ist aber für die Benützer in hohem Maße nützlich. Schließlich will man ja schnell nachschlagen, wer da oder dort bei einer Vorstellung die oder jene Rolle gesungen hat – manchmal wettet man ja dann auch kühn, aber bekanntlich ist die blasseste Tinte besser als das beste Gedächtnis, wie ein chinesisches Sprichwort sagt. Danke an das Team, dem wieder Rainhard Wiesinger für die Gesamtredaktion vorsteht.
Wie stets gibt es tiefgründige Einführungen zu den bevorstehenden Premieren dieser Saison, für echte Opernfreunde, die mehr wissen wollen, als das (für erste Information schätzenswerte) Wikipedia-Portal bietet. Es handelt sich zwar dieses Jahr mit Ausnahme des Zemlinsky um durchaus bekannte Werke (offenbar kann sich die Direktion Ausflüge in die Moderne nicht mehr leisten), Außerdem gibt es eine Vorschau auf die Ballett-Saison, ganz ausführlich über „Nijinsky“, der Chancen hat, ein Kassenhit zu werden.
Die „Künstler am Wort“ sind diesmal magerer ausgefallen als zu anderen Zeiten, schön jedenfalls, dass man sich auch den „Has Beens“ widmet, denn in Wien vergißt man Lieblinge nicht allzu schnell. Beispielsweise Sona Ghazarian. Sie war zwischen den siebziger und den neunziger Jahren Konstanze und Zdenka. Pamina und Rosalinde, Zerlina (später Elvira), Nanetta (später Alice), Adina, Musetta (später Mimi), Susanna (später Gräfin), Gilda und Lui, Oscar und Lucia und zahllose Male die Vioiletta. Welch eine Karriere dieser Sängerin, ein Geschenk des Libanon an Wien. Sie denkt zurück an diese Jahre, besonders an das Publikum, das sie „umarmt“ hat.
Rolando Villazon ist der Mann, der nicht aufgibt, als seine Stimme nicht mehr sein „Fach“ bewältigte, suchte er sich andere Aufgaben und ist durch die Mozartwochen Österreich eng verbunden. Die Russin Maria Nazarova hat ihre nun auch schon zehn Jahre währende Karriere an der Wiener Staatsoper gemacht und oft positives Erstaunen erregt. An dunklen Stimmen sind Artus Rucinski und Ludovic Tezier, mittlerweile Weltstar, dabei. Dazu kommen „Opern Salon“-Gespräche vor Premieren. Reichlich Lesestoff.
Die Rubrik „Short Cuts“ blendet auf die Gala, die sich die Opernfreunde selbst gaben, und festliche Ereignisse zurück, gemeinsame Reisen haben Mitglieder bis Havanna geführt.
Besonders gern stöbert man allerdings in der Chronik: Wer hatte Geburtstag, an wen gedenkt man, was gab es in der Opernwelt, das auch Wien betraf, wer ist leider verstorben. Man merkt sich ja nicht alles – aber man kann es hier nachschlagen. „Denn, was man schwarz auf weiß besitzt, / Kann man getrost nach Hause tragen.“ Mit diesem Zitat aus Goethes „Faust“ weiß jeder Opernfreund, welches Buch alljährlich in das Musik-Regal seiner Bibliothek gehört
Renate Wagner

