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BUCH / DIE VERDAMMT BLUTIGE GESCHICHTE DER ANTIKE

Nix edle Anmut, stille Größe...

13.07.2026 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

buch antike getimage

Michael Sommer, Stefan von der Lahr
DIE VERDAMMT BLUTIGE GESCHICHTE DER ANTIKE
OHNE DEN GANZEN LANGWEILIGEN KRAM
364 Seiten, Verlag C.H.Beck, 2025

Nix edle Anmut, stille Größe…

Die Griechen haben uns Philosophie gelehrt und die Römer Logistik, die als Grundlage für moderne Zivilisation gelten kann, und ja, mancher von uns liebt die Antike einfach. Ob man nicht dazu neigt, diese „Grundlage des Abendlandes“ zu beschönigen, haben sich nun zwei Autoren gefragt, die mit ihrem Buch offenbar vor allem die deutschen Althistoriker zu zausen scheinen, die vor langer, langer Zeit ergriffen auf die Vergangenheit und ihre großen Persönlichkeiten (wie sie Caesar und Alexander verstanden) geblickt haben. Und hämischer kann man gar nicht zurück blicken, wenn man unterstellt, die Amun-Priester in Siwa hätten sich tot gelacht, weil sie Alexander eingeredet haben, er sei ein Sohn des Gottes…

Unsere Autoren hingegen wollen in heutiger, flapsiger Jugendsprache auf die alte Geschichte zurück blicken. Schon der Titel sagt es – „Die verdammt blutige Geschichte der Antike: ohne den ganzen langweiligen Kram“. Enger kann man sich Teenies, die an ihren Smartphones hängen, nicht anbiedern. Und hämischer kann man gar nicht zurück blicken, wenn man meint, die Amun-Priester hätten sich tot gelacht, weil sie Alexander eingeredet hätten, er sei ein Sohn des Gottes…

 Michael Sommer ist Professor für Alte Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und hat schon einiges handfest Historisches abgeliefert, über die Ermordung Caesars, über römische Volkstribunen, römische Kriege und kleinasiatische Städte. Ein Fachmann also. Co-Autor Stefan von der Lahr hat lange Jahre das altertumswissenschaftliche Programm des  C.H.Beck Verlags verantwortet (also auch ein Fachmann) und eine Reihe unterhaltsamer Kriminalromane mit stark historischem Einschlag verfasst.

Da haben sich zwei gefunden… an einem Abend bei einem Italiener, wo sie über die Neudeutung der Antike in Buchform spekulierten. Sie fragten sich, ob es erlaubt sei, einen heiteren Ton anzuschlagen? Sie haben es sich erlaubt, Monty Python im Kopf (darum heißt es im Inhaltsverzeichnis dann auch beispielsweise  „High Noon in Athen“ oder  der „Alexanderzug als Mission Impossible“).

Nein, sie sind nicht in den „üblichen Sachbuch-Sound“ verfallen – bloß, sie erzählen nichts Neues. Dass die Antike eine extrem blutbefleckte Epoche war, haben zahllose Bücher festgestellt, die sich allerdings eines seriösen Tons bedient haben. Niemand verlangt „edle Anmut, stille Größe“, aber muss man den Zeitgeist so bedienen, dass literarische und historische „Helden“-Figuren, die wir heute (als Teil des woken Weltbilds) so gern hinterfragen und von den Sockeln stürzen, hier bloß lächerlich vorkommen?

Teilweise vielleicht zurecht. Teilweise zweifellos mutwillig („Und vergessen wir nicht, dass es noch einen gab, der sauer war: Achill, der schmollend in seinem Zelt saß und nicht mehr mitmachte.“ Es war ihm nämlich, wie die Autore meinen, alles schnuppe.)

So lernen wir also, dass der Trojanische Krieg ausbrach, weil Troja ein langweiliges Provinzkaff war, wo sich Königssohn Paris nur langweilen konnte, also ging er nach  Sparta, sah Helena … und  los ging’s. Die Autoren erzählen in 19 Kapiteln Bekanntes (die Odyssee, der Peloponnesische Krieg. Alexander, Caesar, Augustus bis zum Ende des Römischen Reichs und viele Kriege dazwischen) und auch weniger Bekanntes, immer im Hinblick auf die Blutorgien, die es zweifellos gab, aber nicht so ausschließlich, wie sie meinen.

Der arme Bildungsbürger, dem es mit der Antike ernst meint, fühlt sich nach der Lektüre heftig gebeutelt. Aber das Buch wurde ein Bestseller, und darauf kommt es an. Blood sells und flotte Sprüche auch. Sagt man heutzutage noch „Geil!“?

Renate Wagner

 

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