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BUCH / Battschart; VON MIRAMARE NACH MEXIKO

Der kurze Traum vom Kaisertum

02.11.2026 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

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Birgit Kofler-Bettschart / Roland Bettschart
VON MIRAMARE NACH MEXIKO:
MAXIMILIAN VON HABSBURG UND CHARLOTTE VON BELGIEN
 216 Seiten, Carl Ueberreuter Verlag , 2026

Der kurze Traum vom Kaisertum

Regierende Herrscherhäuser benötigten für die Nachfolge mindestens zwei Söhne. Die Briten nennen das „The Heir and the Spare“ – also der Thronerbe und der „Reserve“-Prinz, falls dem ersten etwas zustößt (bei den Habsburgern sind einige Male jüngere Brüder zur Herrschaft gekommen). War der „Zweite“ aber unterbeschäftigt, weil der Erste sich bester Gesundheit erfreute, konnte das allerlei Frust auslösen. In unserer Welt macht es uns der englische Prinz Harry vor, der alles tut, um Aufmerksamkeit zu erregen…

Die bayerische Prinzessin Sophie hatte in ihrer Ehe mit dem langweiligen Erzherzog Franz Karl ihre Pflicht mehr als erfüllt und vier Söhne geboren (es wären sogar sechs Kinder gewesen, wäre eine Tochter nicht fünfjährig gestorben und ein weiterer Sohn tot geboren worden).

Jeweils zwei waren ganz verschiedene Temperamente: Franz Joseph, der gehorsame Sohn, leistet der Mutter nur einmal Widerstand, als er darauf bestand, Cousine Elisabeth und nicht Cousine Helene zu heiraten. Im übrigen verwaltete er über Jahrzehnte das Habsburgische Reich und hielt es als Integrationsfigur zusammen.

Bruder Nr.3, Karl Ludwig, sorgte in drei standesgemäßen Ehen dafür, dass es nach Franz Joseph noch einen letzten Habsburgischen Kaiser gab. Bruder Nr. 4, . Ludwig Viktor, war das schwarze Schaf der Familie, lebte ein offen homosexuelles Playboy-Leben und wurde als Peinlichkeit nach Salzburg abgeschoben.

Der zweite Sohn von Sophie und Franz Karl, Ferdinand Maximilian (1832–1867), war jener Bruder, der Franz Josph mit seinem Charme die Show stahlt („Maxi aber gewann alle Herzen“, notierte Erzherzogin Sophie),  er war auch der einzige der Brüder, von dem eine Art Konkurrenzverhalten ausging. Kein Wunder, dass der Kaiser ihn immer möglichst von Wien fern hielt.

Dass ein unzufriedener Kaiserbruder für das lebensgefährliche Mexiko-Abenteuer zu gewinnen war – das erkannte Frankreichs Kaiser Napoleon III. wohl, der hoffte, mit einem Kaiserreich Mexiko die Lage in dem wild zerrütteten Land, wo die europäische Adels-, Klerus- und Großgrundbesitzerkaste nicht zur Ruhe kam, zu konsolidieren. Im Grunde war Maximilian ein Opfer. Doch zweifellos spielte bei ihm das Gefühl mit: Auch Kaiser zu sein, wie der Bruder…

Stets hat man die Rolle seiner Frau, Charlotte von Belgien, betont, aber das Autoren-Ehepaar Birgit Kofler-Bettschart und Roland Bettschart stellt die beiden nun gleichwertig nebeneinander, schafft die Doppelbiographie des Paares, das höchste Träume hegte und den schlimmsten Preis dafür bezahlte. Er mit dem Tod durch Erschießen im fremden Land, sie in einem gut halben Jahrhundert Wahnsinn, eingesperrt erst in Miramare, dem Traumschloß von einst. Dann in einem Schloß ihres nun königlichen Bruders Leopold II. in Belgien…

Die Autoren beginnen ihre Geschichte mit der Ankunft in Triest nach der Hochzeit in Brüssel, und sie blenden zurück in beider Geschichte. Maximilian, als Mitglied des so mächtigen Hauses Habsburg, und Charlotte, als überaus reiche Tochter des belgischen Königs Leopold I., waren zwei hoch begehrte Königskinder und konnten sich jeden Partner allerersten Ranges aussuchen. Charlotte zeigte sich von Maximilian bezaubert und schrieb „Ich schwimme im Glück.“ Er schrieb: „Sie ist sehr gescheit, das ist wohl etwas bedenklich, allein, ich werde mich schon dareinfinden.“

Sie war nicht nur gescheiter, sondern auch willensstärker als er (nicht der erste Fall in der Geschichte, wo eine Frau eine Partnerschaft dominiert), und man hat ihr unterstellt, Maximilian aus ihrem eigenen Ehrgeiz heraus in das mexikanische Kaiser-Abenteuer gehetzt zu haben, das gerade drei Jahre währte, schwierige, für Maximilian chancenlose Jahre, in denen er nur auf (aus unserer Sicht verständlichen) Widerstand der Einheimischen traf…

Die Autoren schreiben flüssig, denken heutig, gehen auch vielen Mythen und Gerüchten um das Paar nach, etwa, dass es sich nur um eine Scheinhinrichtung gehandelt habe. Aber es gibt Fotos des toten Maximilian, den die k.u.k. Marine wieder heim brachte, wie er im Sarg liegt – und damals gab es keine KI, die so etwas hätte mühelos herstellen können…

Am Ende liefern die Autoren, die Triest so verbunden sind, noch einen Erinnerungsspaziergang an das unglückliche Paar in der Stadt, in der heute mehr „Habsburg“ schwebt und webt als anderswo. Natürlich geht es auch nach Miramare, und wer dieses „Märchenschloß“ je besucht hat, hat sich seinem Zauber wohl nicht entziehen können. Und wird daran denken, dass Maximilian und Charlotte, die eigentlich so wenig Glück hatten, hier glücklich waren.

Renate Wagner

 

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