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BRNO/ Janacek-Festival mit JENUFA u.a,


Jaroslav Brezina, Pavla Vykopalová. Copyright: Janacek Opera

BRNO: JANÁČEK FESTIVAL vom 1.- 5.10.2020

Alle zwei Jahre findet in Brünn das vom Nationaltheater organisierte, international renommierte JANÁČEK FESTIVAL statt. Trotz der bekannten widrigen Umstände wollte der künstlerische Leiter, Jiri Hermann, heroischerweise nicht von dieser Tradition lassen. Leider war er nicht gerade vom Glück begünstigt.

Halbwegs wie geplant ging nur die Eröffnungspremiere von Janáčeks Problemoper OSUD (Schicksal) in der spannenden Regie von Robert Carsen über die Bühne. Doch schon die zweite Produktion, das Gastspiel der Oper Liberec mit dem SCHLAUEN FÜCHSLEIN, musste wegen Covid 19 – Fällen im Ensemble ersatzlos gestrichen werden.


Karita Mattila. Copyright: Janacek Opera

Die mit Freude erwartete Neuinszenierung von JENUFA (aus Bremen und London) wurde zwar nicht total gecancelled, sondern durch eine „eigene“, alte Inszenierung von Generalintendant Martin Glaser ersetzt. Und ob das – trotz der Übernahme des für die Rolle bereits vorgesehenen Weltstars Karita Mattila als Küsterin – eine wirklich gute Idee war, sei dahingestellt. Denn abgesehen davon, dass Mattilas Stimme naturgemäß auch schon einmal frischer war (nicht ganz überraschend ließ sie sich bei der zweiten Vorstellung umbesetzen), erlebte man sowohl musikalisch an diesem Abend durch nur biedere Hausmannskost. Die Protagonisten (Pavla Vykopalová als Jenufa und Richard Samek als Števa) bewältigten ihre Partien zwar mehr als ordentlich, standen in der unbeholfenen, sich nicht recht zwischen Konvention und Modernität entscheiden könnenden Regie Glasers aber letztlich auf verlorenem Posten. Einzig Jaroslav Brezina vermochte als unglücklich liebender Bauernbursch Laca wirklich zu berühren.

Zum Ausgleich für derlei Enttäuschungen gab es glücklicherweise ein wie immer exzellent gestaltetes Rahmenprogramm.

Herausragend dabei das Konzert des ZEMLINSKY QUARTETTS. Beeindruckend schon der Spielort: die wunderschön renovierte Jugendstilvilla Löw-Beer (in der die Familie Tugendhat vor der Errichtung der viel berühmteren Villa lebte). Perfekt dargeboten natürlich die Quartette von Janáček und Zemlinsky, für den ausländischen Gast überraschender aber das Streichquartett Nr.1 von Josef Suk – einem bei uns ja nicht gerade oft gespielten Komponisten.

Der absolute Höhepunkt des am 6.10. durch eine Verordnung des Kultusministeriums abrupt abgebrochenen Festivals (SINGEN VERBOTEN! NOTSTAND! AUSNAHMEZUSTAND! UND ÜBERHAUPT ALLES VERBOTEN!) war jedoch zweifelsfrei die Aufführung von Janáčeks atypischem Liedzyklus „Tagebuch eines Verschollenen“ in der zauberhaften Reduta (in der das Werk auch ursprünglich seine Uraufführung erlebte). Die Präsentation war, sagen wir es vorsichtig, maximal viertelszenisch : Ein Mann in einem Fauteuil, eine Leselampe, ein Klavier.Und aus. Angeblich entspricht dieses Arrangement den Original-Regieanweisungen des Komponisten..Wie dem auch sei: während dieser dichten 30 Minuten blieben wirklich keine musikalischen Wünsche offen.Weder vom Pianisten (Robert Pechanec) noch vom Tenor (Pavol Breslik), der Zigeunerin (Štepanka Pučálkova) oder dem „Chor“ (Romana Kruziková, Kristina Kubová, Ivana Pavlu).

Zu guter Letzt doch noch Janáček-Glück. Kurz, aber intensiv.

Robert Quitta, Brno

 

 

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