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BREGENZ: GESCHICHTEN AUS DEM WIENERWALD / DIE ZAUBERFLÖTE

24.07.2014 | KRITIKEN, Oper

Bregenz  „Geschichten aus dem Wienerwald“ und „Die Zauberflöte“ – 23. und 24. Juli 2014

Wo viel Licht ist… Zum Eröffnungstag der diesjährigen Bregenzer Festspiele gab es eine Uraufführung besonderer Qualität: Heinz Karl Gruber komponierte nach Ödön von Horvaths Drama „Geschichten aus dem Wienerwald“ eine Oper, die es schaffen könnte, die Spielpläne der Opernhäuser zu bereichern, nicht als Alibiwerk für die Abteilung „zeitgenössische Musik“. Das Stück ist bekannt, es bedurfte vielleicht nicht der Vertonung, diese Fassung ist aber der traditionellen Fassung zumindest ebenbürtig. Gruber schrieb Musik, die streckenweise den Rosenkavalier ahnen ließ, typisch wienerische Klänge schuf, dann aber auch packende und dramatische Musik hören ließ. Ein bisschen Filmmusik, ein bisschen Musical, aber immer sehr professionell gestaltete er die Begleitung stets passend. Das Libretto stammt von Michael Sturminger, der auch die Regie führte. Seine Personenführung ist bewusst markant-hölzern, als stünden Marionetten auf der Bühne. Dazu kam ein Bühnenbild (Renate Martin und Andreas Donhauser), das durch klare und einfache Linien das geschehen kurz und knapp umrahmte.
Das Orchester der Wiener Symphoniker wurde dem gewaltigen Anspruch des Komponisten durchaus gerecht und konnte seine Klasse in allen Belangen ausspielen. Natürlich ist es von Vorteil, wenn der Komponist H.K. Gruber selbst am Pult steht und seine Intentionen direkt weitergeben kann, das war auch ein weiterer Pluspunkt dieser Aufführung. Auf der Bühne stand ein sehr ausgeglichenes Ensemble, aus dem zwei Sänger besonders hervorstachen: Ilse Eerens als Marianne bot eine hervorragende Leistung, ihr eigentlich eher lyrisch anmutender Sopran konnte auch die dramatischen Szenen bestens bewältigen. Jörg Schneider als Oskar ließ keinen Wunsch offen, glasklare Höhe, Ausdruckskraft und Durchhaltevermögen waren beeindruckend. Sehr gut – vor allem in der Rollengestaltung – auch Angelika Kirchschlager als Valerie und Daniel Schmutzhard als Alfred. Einhellige Zustimmung für die Produktion und großer, verdienter Applaus für alle Beteiligten.

Am nächsten Tag ließ schon ein drohendes Gewitter Böses ahnen. Das Gewitter blieb aus, das Unheil leider nicht. Die Produktion „Die Zauberflöte„, die im Vorjahr viel Zustimmung erntete, war heuer leider nur optisch ein Erfolg. Das bunte Spektakel, Lichteffekte, Akrobaten lassen das musikalische nur zum Teil vergessen. Das Orchester spielt gut, Patrick Summers ist ein aufmerksamer Dirigent, der Kontakt zu den Sängern ist aber durch räumliche Trennung einfach nicht gut genug. Zudem gab es auch technische Probleme mit der Tontechnik, sodass erst nach einiger Anlaufzeit so etwas wie fast-Gleichklang zu vernehmen war.
Die Sängerriege war nicht eben mit großer Sorgfalt gewählt, zu wenig Mozart, zu viel Technik. Am besten konnte noch Norman Reinhardt als Tamino reüssieren, sein kräftiger Tenor war für diese Bedingungen fast ideal zu nennen. Kathryn Lewek sang die Königin der Nacht mit martialischer Kraft, Bernarda Bobro wäre als Papagena besser eingesetzt gewesen.  Alfred Reiter sang den Sarastro mit brüchiger Stimme und wenig profunder Tiefe. Auch Markus Brück war als Papageno nur bedingt erfolgreich, ein junger Mann sollte auch so klingen. Alexander Kaimbacher war ein zumindest darstellerisch präsenter Monostatos. Die drei Damen dürften, nach ihrer Aussprache zu beurteilen, aus dem nördlichen deutschsprachigen Raum stammen. Das Publikum war gnädig und spendete nach 140 Minuten komprimierter Mozart-Musik freundlichen Applaus, dankbar, dass es nun wärmere Lokationen aufsuchen durfte.

Johannes Marksteiner

 

 

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