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BRATISLAVA: JENUFA – 2. Premiere

25.03.2012 | KRITIKEN, Oper

Jenufa in Preßburg (Bratislava) am 24.3.2012 (2. Premiere)

 Meine private Liste „Beste Vorstellung der Saison“ hat einen neuen klaren Spitzenreiter: Janaceks Jenufa in Preßburg (Neues Opernhaus).

In einem kargen, aber gut funktionierendem Bühnenbild von Jan Zavarsky inszenierte Martin Otava eine mitreißende Jenufa-Produktion. Das intensives Spiel der Darsteller wird von ihm klug unterstützt. Wenn im letzten Akt das tote Kind Jenufas gefunden wird, senkt sich die Decke ab und erhöht den Druck, der auf der Situation liegt. Und ganz am Schluß öffnet sich die Rückwand des grauen Raumes und öffnet Jenufa und Laca den Weg in ein neues gemeinsames (farbiges) Leben.


Adriana Kohutkova

Adriana Kohutkova ist gesanglich und darstellerisch ein Traum von einer Jenufa. Sie ist an allen großen Saison-Premieren in Preßburg beteiligt (Otello, Fledermaus, Manon Lescaut) und ein Glücksfall für das Haus. In der Rolle der Küsterin zeigt Lubica Rybarska, daß man diese Rolle auch SINGEN (was man in Wien in den letzten Jahren nicht gehört hat). Ganz ohne das hysterische Gehabe von Frau Baltsa berührt ihre Darstellung zu tiefst. Eine große neue Rolle und ein großer Abend im Herbst ihrer Karriere.

Dazu zwei ausgezeichnete junge Tenöre: Tomas Juhas als der verwöhnte, leichtsinnige Steva und Peter Berger als der treu liebende Laca (am Vortag, in der 1. Premiere war er der Steva!).

Aus dem Orchestergraben hörte man Janacek in Vollendung. Spannend und mitreißend. Das fulminant spielende Orchester wurde von Jaroslav Kyzlink geleitet.

 Warum das Haus an diesem Tag bei weitem nicht ausverkauft war, versteh ich nicht. Die, die drin waren, haben die Vorstellung und die Darsteller mit vollem Recht bejubelt.

 Weitere Vorstellungen in dieser Saison: Dienstag 3.4. und Samstag 28.4.2012, jeweils 19 Uhr (www.snd.sk)

Ein Gastspiel beim Janacek-Festival in Brünn vom 16. – 25.11.2012 ist geplant (www.janacek-brno.cz)

 Operndirektor Peter Dvorsky hat seinen Wiener Kollegen Meyer zur Premierenserie eingeladen. Leider ist er nicht gekommen. Er hat auch vor, Herrn Meyer die Produktion für ein Gastspiel anzubieten. Mal schauen, ob da mehr Interesse besteht.

 Die Wiener Direktion hat ja einen klaren Janacek-Schwerpunkt geplant und begonnen.

Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller, die teils ausgezeichneten Produktionen aus Preßburg, Brünn und Prag zu Gastspielen einzuladen. Mit einem Orchester im Graben, einem Dirigenten am Pult und einem Ensemble auf der Bühne, das „seinen“ Janacek im kleinen Finger hat. Der Jubel des Wiener Publikums über die Eigenproduktionen ist für mich nur dadurch erklärbar, daß dort niemand weiß, wie Janacek klingen KANN.

 Auffallend noch, daß die Oper unter dem international üblichen Titel Jenufa gespielt wird und nicht unter dem Originaltitel Jeji Pastorkyna. Wie in Preßburg üblich, sind die Hauptrollen mehrfach besetzt und bei den Reprisen werden die Besetzungen „durcheinandergewürfelt“.

 Andreas Schnabl

 

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