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Boiko ZVETANOV – von „Andrea Chenier bis Orpheus“

27.08.2014 | INTERVIEWS, Sänger

Von “Andrea Chenier” bis “Orpheus” mit Boiko Zvetanov


Boiko Zvetanov. Foto: Zvetanov.com

Boiko Zvetanov – einer der besten Tenöre unserer Zeit, absolvierte das Konservatorium in Sofia und machte Meisterkurse bei Margarita Lilova in Wien, Boris Christoff in Rom, Carlo Bergonzi in Busseto und bei Franco Corelli. Der große Boris Christoff nannte seinen Schüler “Mein Sohn, Don Carlo meiner Träume”, in Anspielung auf die Verdi Oper. Er wollte sogar Boiko sein Geburtshaus überlassen, stieß jedoch auf Ablehnung, denn – wie Boiko Zvetanov selbst unterstreicht, “das Haus eines so namhaften Bulgaren wie Boris Christoff darf nicht ein einziger Mensch erben – das gehört ganz Bulgarien”.

Die erfolgreiche internationale Berufslaufbahn von Boiko Zvetanov begann in der Sofioter Oper und führte ihn auf die größten Bühnen. Sein Repertoire umfasst mehr als 60 Hauptrollen. 22 Jahre lang war er als erster Tenor an der Züricher Oper in der Schweiz engagiert, wo er die zentralen Tenorpartien sang und manchmal an 75 Vorstellungen im Jahr teilgenommen hatte. Nach dieser riesigen Belastung erlaubt er sich in den letzten 2 Jahren mehr Freiheit und sucht sich vorsichtig seine Bühnenauftritte aus.

Maestro, Sie stellten Andrea Chénier mit einer solchen Leidenschaft dar, man könnte fast denken, Sie hätten eine spezielle Einstellung zu dieser Gestalt.

Ja, ist auch wirklich so. “Andrea Chénier” ist meine Lieblingsoper und der Dichter ist mein Lieblingsheld.  In seiner Gestalt ist eine breite Palette von stürmischen Gefühlen und Leidenschaften zu erkennen, die dem Künstler hervorragende Interpretationsmöglichkeiten bietet. Obwohl die Emotionen wörtlich aus jedem Takt hervorquellen, strebe ich eine sehr klare und konsequente Umsetzung an, ohne dabei zu vergessen, dass der Protagonist eine reale geschichtliche Persönlichkeit war, gegenüber deren künstlerischen Darstellung ich mich verantwortlich fühle. Auf der Bühne lebe ich voll und ganz mit meinem Helden, und bin glücklich, dass dies dem Publikum imponiert hat.

Welche Vorstellungen in letzter Zeit haben Sie besonders glücklich gemacht?

Es war in Catania – dem Heimatort von Bellini, wo man mich 10 mal auf die Buhne zurückhaben wollte, ich sah sogar Tränen in manchen Gesichtern. Es war rührend und erinnerte mich an meinen ersten Auftritt vor Jahren in der Wiener Staatsoper. Ich sang “Nessun Dorma”. Der Applaus dauerte ganze 15 Minuten an, und der offensichtlich erstaunte Direktor Ioan Holender kam zu mir mit der Frage: “Wer ist denn der, der so singen kann!”

Was steht Ihnen nach Varna bevor, was sind Ihre nächsten Pläne?

Nach der Vorstellung in Varna fahre ich nach Russe, wo ich eine Internationale Sommerakademie mit jungen Operntalenten durchführen werde. Gleichzeitig widme ich viel Zeit der von mir gegründeten Stiftung “Boris Christoff”. Sehr wichtig für mich war das Boris Christoff-Konzert in diesem Jahr in Sofia, das ich zu Ehren des 100. Geburtstages von meinem Lehrer, dem großartigsten Bass des Planeten, Boris Christoff, veranstaltete.

Und im kommenden Jahr, am 14. Januar 2015, sind es volle 35 Jahre seit meinem ersten Bühnenauftritt. Ich hoffe, dass aus diesem Anlass die Oper “Sirene” uraufgeführt wird. Das Werk hat der kroatische Komponist und Dirigent der Philharmonie in Dubrovnik Pero Sisa extra für mich geschrieben.

 Gratulationen! Nicht für jeden Sänger werden extra Werke komponiert.

Stimmt. Ich bin auch sehr dankbar. Es gibt noch 2 Werke, die für mich geschaffen worden sind. Der bulgarische Theater-und Opernregisseur Boiko Bogdanov hat mir seine Oper “Algara” gewidmet. Ebenso hat der amerikanische Komponist und Dirigent mit bulgarischer Herkunft Alex Zografov seine Oper “Orpheus” für mich komponiert, und ich hoffe mit deren Inszenierung meinen 60. Geburtstag begehen zu können.  Mit Alex, der sich am Broadway an Produktionen mit Künstlern wie A. L. Weber, Duc Ellington, Nana Mouskori, Joe Cocker beteiligte, erlebten wir schöne Jazz Konzerte im bulgarischen Bansko. Ich liebe den reinen Jazz, aber die Oper bleibt für mich nach wie vor die allergrößte und mit nichts zu vergleichende Kunst.

Violetta Toncheva, Varna, den 22. August 2014

 

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