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Blu-ray/CD GUSTAV MAHLER: Symphonien Nr. 1-10, BERLINER PHILHARMONIKER; Berliner Philharmoniker Recordings

12.02.2021 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

Blu-ray/CD GUSTAV MAHLER: Symphonien Nr. 1-10, BERLINER PHILHARMONIKER; Berliner Philharmoniker Recordings

 

Film-Live-Mitschnitte der letzten 10 Jahre unter Kirill Petrenko, Sir Simon Rattle, Claudio Abbado, Bernard Haitink, Gustavo Dudamel, Daniel Harding, Andris Nelsons, Yannick Nézet-Séguin

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Gustav Mahler und die Berliner Philharmoniker verbindet eine lange Geschichte. Erster Höhepunkt war wohl die Uraufführung der erstmals gesamten Zweiten Symphonie durch Mahler selbst am 13. Dezember 1895. Seither haben die bedeutendsten und charismatischsten Pultstars Mahler-Programme der Berliner Philharmoniker dirigiert. Das hat sich auch am Tonträgermarkt niedergeschlagen, wo sich exzellente Interpretationen etwa der Dirigenten Giulini, Kempe, Barbirolli, Karajan, Bernstein Tennstedt oder Gielen nach wie vor größter Wertschätzung erfreuen.

 

Die vorliegende Edition geht der Frage nach, wie sich die Mahler-Rezeption in den letzten 10 Jahren entwickelt hat. Auf 10 CDs bzw. 4 Blu-rays kann je nach Geschmack nachgehört bzw. mit Bild und Ton nachverfolgt werden, was Daniel Harding (1. Symphonie), Andris Nelsons (2. Symphonie), Gustavo Dudamel (Symphonien Nr. 3 und 5), Yannick Nézet-Seguin (Symphonie Nr. 4), Kirill Petrenko (Symphonie Nr. 6), Sir Simon Rattle (Symphonien Nr. 7 und 8), Bernard Haitink (Symphonie Nr. 9) und Claudio Abbado (Adagio aus der Symphonie Nr. 10, entnommen aus einer Aufführung zum 100. Todestag Mahlers) aus den gewaltigen Partituren herausdestillieren und wie sie diese Erkenntnisse mit den technisch perfekten „Berlinern“ umsetzen.

 

Generell steht die Frage im Raum, ob eine Edition mit acht verschiedenen Dirigenten interpretatorisch zielführend/aufschlussreich sein kann? In diesem Fall wohl kaum, weil gerade die ersten Symphonien wenig profiliert und spannungsarm erklingen. Und auch die Solistinnen enttäuschen. Stehen bei den Interpretationen der Symphonien Nr. 1 bis 5 eher der kristallklare Sound des Orchesters in ihrer spezifischen Mahler-Pflege im Vordergrund, so läuft Mahlers „Sechste“ unter Kirill Petrenko wie ein stählerner Katastrophenfilm ab. Da mischt sich der panzerhart rhythmisierende Shostakovich in das Finale, erscheint die Ausweglosigkeit des Kommenden unbarmherzig und gnadenlos. Auf eine bestimmte Art faszinierend.

 

Die „Siebte“ und „Achte“ unter Sir Simon Rattle sind gediegene Lesarten, in denen der verletzliche Mensch im Vordergrund steht, Monumente humaner Gesinnung. Bei der „Symphonie der Tausend“ ist überdies der Aufnahmetechnik zu danken, dass sowohl das intim Deklamatorische als auch der spätromantische Klangrausch, das einleitende hymnische „Veni Creator Spiritus“ und die Schlusschorapotheose „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“ gleichermaßen transparent und in aller körperlichen Wucht rüberkommen. Alle beteiligten Vokalisten sind um die Umsetzung des Willens des Komponisten bemüht: Erika Sunnegårdh Sopran, Susan Bullock Sopran, Anna Prohaska Sopran, Lilli Paasikivi Mezzosopran, Nathalie Stutzmann Alt, Johan Botha Tenor, David Wilson-Johnson Bariton, John Relyea Bass, MDR-Rundfunkchor, Howard Arman Einstudierung, Knaben des Staats- und Domchors Berlin, Rundfunkchor Berlin, Simon Halsey Einstudierung. Am besten gefällt mir die „Neunte“ unter Bernard Haitink. Er wählt sehr breite Tempi, aber von einer typisch abgeklärten Alterssichtweise kann keine Rede sein. Eine enorme Innenspannung sorgt für genügend Energie, um mit Mahler gegen das Schicksal zu rebellieren, den ewigen Unwägbarkeiten des Lebens eines drüberzuwischen. 

 

Das Rundherum der Edition ist überragend. Wie immer ist das Design der Box von hoher Güte. Das Cover ziert das Bild „Untitled“ (Small Earth) des US-Künstlers, Filmemachers und Musikers Robert Longo. Außerdem gibt es Hintergrundinformationen von Stephen Johnson und Barbara Vinken.

 

In der Edition inkludiert sind 

ein Begleitbuch: Hardcover, 128 Seiten

ein Download-Code: Audio-Dateien des gesamten Albums in 24 Bit und 48 kHz

ein 7-Tage-Ticket zur Video-Streaming-Plattform der Berliner Philharmoniker

in der Digital Concert Hall. 

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Kein Wunder, dass die International Classical Music Awards (ICMA) dem Label Berliner Philharmoniker Records zwei Jahrespreise 2021 zuerkannt hat: „Label oft he Year“ und „Symphonic Recordings“. Ausgezeichnet wird das Label für die hochauflösenden Audioaufnahmen und die ausführlichen Dokumentationen. Die Verleihung der Preise erfolgt am 27. Juni 2021 in einer Award Ceremony mit anschließendem Gala-Konzert.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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