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BLINDENMARKT/ Herbsttage: DER ZAREWITSCH Premiere am Freitag, 2. Oktober 2026

„Der Zarewitsch“ .Premiere in Blindenmarkt am Freitag, 2. Oktober 2026

Frei nach Lehárs Operette „Der Zarewitsch“ in einer Musteraufführung in Blindenmarkt – Die 36. Saison mit Jubel aufgenommen und lange gefeiert

Die Liebe geht dort nicht so schnell vorbei

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Foto: Lukas Beck

 

Kann ein mädchenscheuer Kronprinz eine bürgerliche Tänzerin heiraten und auf den Thron verzichten? Wie das geht, zeigt man in Blindenmarkt in einer Aufführung von Lehárs Operette „Der Zarewitsch“ in der restlos besetzten Ybbsfeld-Halle, wo Intendant Michael Garschall die 36. Saison eröffnete. Wie immer in einer familiengleichen Atmosphäre, denn dort weiß es das Stammpublikum längst, dass die „Herbsttage Blindenmarkt“ als ein einzigartiges Operettenfestival in werkgerechten Einstudierungen geboten werden. Der mehrfach ausgebildete, in Blindenmarkt geborene Musiker Garschall mit spezieller Liebe zur Operette hat heuer wieder ein Werk aus der schwierigsten Sparte der Klassiker auf die Bühne gebracht. Lehárs „Der Zarewitsch“ ist ja nun nicht unbedingt schwierig zu inszenieren. Irgendwelche Regieversuche oder Textverwandlungen braucht man dazu nicht. Da wurde diesbezüglich schon an anderen Häusern genug experimentiert. Der Reiz der Operette liegt in der Partitur der Musik, reich an Gesangspartien und herrlichen Melodien. In Blindenmarkt sieht und hört man das Opus, das in Petersburg und Italien spielt und 1927 am Deutschen Künstlertheater in Berlin uraufgeführt wurde, in aller Rein- und Echtheit so, wie es sich Lehár vorgestellt hatte. Die Operettenliebe im kleinen Blindenmarkt geht zum Glück gar nicht so schnell vorbei, wo Unterhaltung pur garantiert ist, was natürlich nicht nur an der hochkarätigen Besetzung liegt. Die fantasiereiche Bühnenausstattung, der Wechsel der Szenerie von slawisch und italienisch erzeugt Klangfarben von einprägsamer Musik. Authentische Kostüme (Marcus Ganser, Julia Pschedezki) verführen gleich zu einem Eindruck russischer Ausstrahlung. Und die Choreografie von Monica Rusu-Radman mit den Tscherkessen verrät Schwünge, die eigentlich eine traurige Stimmung des unglücklichen Fürsten ausdrücken sollen. Wie eine versteckte Oper mutet manchmal die emotional stark berührende Umsetzung in der Regie von Wolfgang Dosch an, eine „Achterbahn der Gefühle“, wie Garschall in seiner Begrüßungsrede meinte. Sogar einen kurz konzipierten Chor hat Lehár hier eingebaut, dessen Leitung früher der anwesende Altmeister Kurt Dlouhy verantwortete. Mehr als dreizehn Jahre lang stand er in Blindenmarkt am Operettenpult, an dem jetzt Thomas Böttcher das Kammerorchester Ybbsfeld betreut, mit Routine und Flexibilität in großer Anpassung an die Bühnenaktivitäten.

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Maja Triler, Clemens Kerschbaumer. Foto: Lukas Beck

Dort agieren aus Erfahrung gewählte, facherprobte Operettenkräfte, die man sich sonst im Theater meist nur wünschen kann. Ihre Namen sind bestens bekannt aus Inszenierungen berühmter Bühnen. Nicht nur, was ihre Stimmen auf hohem Niveau betrifft, sondern auch ihr professioneller Einsatz schauspielerischer Künste, deren Wichtigkeit in der Operette eine große Rolle spielt. Mit einwandfreier Artikulation servieren die teils aus Wien stammenden Sänger die mit Pointen gewürzten Texte, und das ohne jede verstärkende Mikrohilfe! Auch das ist gar nicht selbstverständlich. In der Titelrolle glänzt Clemens Kerschbaumer als ein stattlicher Kronprinz, der durch seine Partnerin Maja Triler als Sonja zu einem leidenschaftlich entflammten Geliebten wird. Die Erfordernisse für Operette liegen ja auch in der Verwandlung der Darsteller zu Charakterrollen, was in den Interpretationen ganz deutlich wurde. Also auch dadurch Opernnähe? Nichts blieb unerfüllt. Aber das Liebespaar muss erst seine langsam aufflammende Beziehung prüfen. Der ahnungslose Kronprinz fordert Sonja zu einem Fechtduell, bis er ihre Verkleidung als Mädchen entdeckt. Darauf meinte Sonja schlagfertig, der Bart würde schon noch wachsen… Die Liebe zueinander nimmt ihren unaufhaltsamen Lauf, und man fährt nach Neapel, um dem Hofzeremoniell zu entkommen. Die Freude endet jedoch jäh, als die Nachricht vom Tod des amtierenden Zaren eintrifft. Großfürstin Ksch.in Marianne Nentwich ermahnt zur Einhaltung der Staatsräson, also zu einer Zwangsheirat, muss aber unverrichteter Dinge abtreten, weil der designierte Nachfolger auf den Thron verzichtet. Und schon wendet sich das Blatt. „Aljoscha“ lässt von Sonja nicht ab. Daher gibt es – wie es sich für die Operette gehört – das glückvolle Finale, in das auch Iwan (Andreas Sauerzapf) mit seiner Mascha (Katrin Fuchs), quasi als Buffo-Paar im Stück, und János Mischuretz als Ministerpräsident starke Leistungen einbringen. Fazit: Jährlich, wenn der Herbst ins Land zieht, macht Michael Garschall sein Festspiel in der Heimat zu einer konkurrenzlosen Hochburg der auflebenden Operette. 2027 lockt schon die Weiterpflege in Blindenmarkt mit Emmerich Kálmáns ungarischer „Csárdásfürstin“ mit einem Jubiläum des Hausherrn.

 Georgina Szeless
Kulturjournalistin

 

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