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BIETIGHEIM/ BISSINGEN/ Kronenzentrum: GRAUZONE – Ticket ins Nichts von Harald Wieczorek

08.11.2018 | Allgemein, Theater

„Grauzone – Ticket ins Nichts“ mit der TAT Kreativ-Akademie (Spanien) am 8. November 2018 im Kronenzentrum/BIETIGHEIM-BISSINGEN

EIN UNFALL WIRFT SIE AUS DER BAHN

„Weiterleben oder Wiederleben?“ lautet die rhetorische Frage in Bernd Seidels Inszenierung von Harald Wieczoreks Stück „Grauzone – Ticket ins Nichts“. Zwei im Alter und Charakter unterschiedliche Männer treffen hier aufeinander und werden Opfer eines Verkehrsunfalls. Plötzlich befinden sie sich in einer seltsamen Zwischenwelt, werden mit Fragen konfrontiert: „Wie lebe ich? Wie will ich weiterleben? Muss ich vielleicht doch gehen?“

Das lässt auch beim Zuschauer tiefgründige Assoziationen entstehen. Bewegung, Tanz und Musik blühen bei dieser ungewöhnlichen Inszenierung auf. Und die Darsteller Patrick Gabriel, Manuel Castillo und Kevin Brand finden ganz zusammen. Im Live-Saxophon-Spiel von Laetitia Schwende (Preisträgerin von „Jugend musiziert“) kann sich vor allem der Derwisch-Dreher (facettenreich: Boris Kammin) bestens entfalten. Da kommt dann plötzlich orientalisches Flair auf. Und die Gemälde und Kostüme von Monique Kammin unterstreichen den surrealistischen und imaginären Charakter dieser seltsamen Handlung (Licht-Design: Sepp Hagn, Ferdinand Schuhbeck).

Nach dem frontalen Autounfall auf der Landstraße kommen die Männer in eine Grauzone – einem Wartezimmer ins Jenseits. Die Abbilder der Männer sind an dem merkwürdigen Gerüst zu sehen, das zunächst in Nebelschwaden gehüllt ist und von den Männern schließlich verlassen wird. Während Ärzte an der Unfallstelle versuchen, sie ins Leben zurückzuführen, will ein Wesen in der Zwischenwelt die beiden auf den Weg ins Jenseits vorbereiten. Doch den beiden Männern fehlt nicht nur der Glaube, sondern auch die Bereitschaft dazu: „Wie soll ich das verstehen?“ Hinzu kommt, dass sich noch ein Teil von ihnen an der Unfallstelle befindet. Aber sie erfahren auch, dass eine Seele wieder leben kann. Jetzt kämpfen sie darum, wer wieder ins Leben zurückkehren darf: „Wenn einer zurückkehren darf, dann bin ich das!“ Sie bekommen das Recht auf eine Laudatio, die eine verwandte Person halten kann. Und sie können ein Schluss-Plädoyer für sich halten. Der eine Mann spricht dem anderen das Recht ab, ihn zu verurteilen. Auf der anderen Seite wird klargestellt, dass jeder Mensch Fehler macht. „Ich will leben!“ lautet die Forderung. Aber die beiden Protagonisten denken auch intensiv über die Liebe nach.

So bleibt offen, wie sie schließlich wieder ins Leben zurückfinden: „Lieber ein Verlierer als ein Killer…“ Es ist eine Inszenierung, die zum Nachdenken anregt.       

Alexander Walther

 

 

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