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Bibiana Zeller: BITTE LASST MICH MITSPIELEN!

19.07.2015 | buch, CD/DVD/BUCH/Apps

BuchCover Zeller, Bitte lasst mich mitspielen jp

Bibiana Zeller: 
BITTE LASST MICH MITSPIELEN!
Erinnerungen. Aufgezeichnet von Marina C. Watteck
224 Seiten, Amalthea Verlag, 2015 

Berühmt zu werden, ist gut und schön, kann aber auch seine Nachteile haben. Wenn man auch noch Jahrzehnte nach dem einstigen Fernsehruhm als „die Frau vom Kottan“ apostrophiert wird, obwohl man ein Künstlerleben am Burgtheater verbracht hat, ja, wenn die Nase gerümpft wird, als ob das „Kottan“-Hautgout verbieten würde, dass man im „Jedermann“ mitmacht – dann ist man gekränkt oder verärgert. Bibiana Zeller war beides oft, und sie hält in ihrem Buch, das überhaupt erst zwei Jahre nach dem „versäumten“ 85er kommt (man kann sich gar nicht vorstellen, dass die ewig Jugendliche so alt sein sollte), damit nicht hinter dem Berg.

Gemeinsam mit der Journalistin Martina C. Watteck hat sie ihre Erinnerungen aufgezeichnet, reichlich in den stets gewissenhaft geführten (und jährlich gebundenen, wie man erfährt) Tagebüchern nachgelesen und diese auch immer wieder im O-Ton eingebracht. Bibiana Zeller, eine Künstlerin, die gelegentlich etwas verkürzt, aber wohl nie beschönigend erzählt.

Jahrgang 1928, eines von fünf Kindern, war sie alt genug, um Vorkriegs- und Kriegszeit bewusst mitzuerleben und sich auch sehr den Kopf über das Schicksal ihrer jüdischen Freundinnen und Mitbürger zu zerbrechen. Mit 18 Jahren debutierte sie in einem heute unbekannten Stück von Gerhart Hauptmann, und theaterspielen wollte sie seitdem immer – „Bitte lasst mich mitspielen!“ nicht nur als Buchtitel, sondern als Lebensmotto. Das Tagebuch von damals (November 1946)  verzeichnet Suchtverhalten, regelrechte Qualen, „Überspanntheit“ (wie es die Mutter sieht), wenn sie spielen darf…

In die Neuanfänge nach dem Zweiten Weltkrieg, die so viele Persönlichkeiten hervorbracht haben, die dann über Jahrzehnte das Wiener Theater beherrschten, ist sie leicht hineingerutscht. Studiobühnen, Kleinbühnen und dann Winziges an der Josefstadt. Es gab damals schon prominente und auch später prominente Regisseure und Kollegen, und früh kreuzte der Mann ihren Weg, den sie dann heiraten und mit dem sie zwei Söhne haben sollte: Otto Anton Eder, dessen besonderer Ruhm dann mit dem Fernsehen kam.

In Bibiana Zeller war stets Unruhe, sie gab sich zwei Jahre in Bonn, bevor sie nach Wien zurückkehrte, und sie blühte auf in jenen Jahren, als sie zum Ensemble von Herbert Wochinz gehörte, der in Schloß Porcia einen damals wundersam elastisch, wie neu erscheinenden Komödienstil kreierte.

Und dann, von 1972 bis heute, kam das Burgtheater, erst als Einspringerin für Gusti Wolf, dann mit Fix-Engagement. Sie nennt das Haus in einem Atem mit Claus Peymann, obwohl ihre voran gegangenen Direktoren Klingenberg und Benning (den sie sehr schätzte) geheißen hatten. Und mit Thomas Bernhard, den sie von früher kannte und mit dem sie eine Beziehung verband, die man nur mit „Wellenlänge“ definieren kann – zwei, die stundenlang im Kaffeehaus sitzen und reden, ja, auch Klatsch austauschen konnten… In Bernhards „Theatermacher“ hat sie gespielt und jenen „Mut zur Hässlichkeit“ bewiesen, den man ihr oft attestierte, auch im „Heldenplatz“ war sie dabei, aber dass sie bei Peymann und auch danach die wirklich großen Rollen bekommen hätte, kann man nicht sagen.

Bibiana Zeller lässt an ihren Enttäuschungen teilhaben, aber die Freude an ihren Triumphen welcher Art auch immer scheint gering – unverständlich, dass ihr zweiter Mann, der grandiose Eugen Stark, der ihren beiden Söhnen ein Vater war, eine so kleine Rolle in dem Buch spielt (oder mochte er in seiner diskreten Art hier lieber nicht vorkommen?). Sie erzählt von den drei Kottans, die alle sie als Ehefrau hatten – Peter Vogel, Franz Buchrieser, Lukas Resetarits. Sie hat viel Fernsehen gemacht, oft wohl auch nur, um der Angst entgegen zu laufen, nicht mehr gebraucht zu werden.

Bibana Zeller war nicht immer der Star, und das hat sie natürlich geschmerzt. Aber man kann sie beruhigen: Wo sie war, hat man sie nicht übersehen.

Renate Wagner

 

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