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BERN/ Konzert Theater: JENUFA. Das Dorfleben in Böhmen und Mähren. Premiere

Leoš Janáček: Jenůfa, Konzert Theater Bern, Stadttheater, Premiere: 04.06.2021

 Das Dorfleben in Böhmen und Mähren

Das Dorfleben in Böhmen und Mähren bildet in dieser Saison die Klammer der Musiktheater-Produktionen von Konzert Theater Bern. Begonnen wurde die Saison mit der Wiederaufnahme von Smetanas «Verkaufter Braut», abgeschlossen mit Janáčeks «Jenufa».

Jenůfa | Konzert Theater Bern
© Florian Spring

Um den momentan gültigen Vorschriften zu entsprechen hat Matthew Toogood, 1. Kapellmeister und Musikalischer Leiter des Musiktheaters ad interim bei Konzert Theater Bern, basierend auf der Brünner Fassung von 1908 mit freundlicher Erlaubnis des Rechte-Inhabers, der Wiener Universal-Edition, eine reduzierte Orchesterfassung für Konzert Theater Bern geschaffen. In Zusammenhang mit den Corona-Einschränkungen bleibt hier festzustellen: Auch wenn die «reduzierten Fassungen» von den Komponisten so nicht gewollt sind, treten die Charakteristika der Personal-Stile hier manchmal besser zu Tage als mit den originalen Besetzungen. Toogood ist die erarbeitete Orchesterfassung ganz im Sinne des Komponisten gelungen: Die Farben und der typische Janáček-Klang bleiben mit den 16 Orchestermusikern erhalten. Das Berner Symphonieorchester setzt unter Toogoods Leitung die Partitur höchst konzentriert und gespannt um und legt damit einen Grundstein für den grossen Erfolg des Abends.

Jenůfa | Konzert Theater Bern
© Florian Spring

 

Beau Gibson gibt einen hervorragenden Laca. Mit seinem bestens geführten Tenor gelingt es ihm hervorragend die äusserlich wenig attraktive, emotional aber umso bedeutsamere Zuverlässigkeit seiner Rolle umzusetzen. Števa, die Unzuverlässigkeit in Person, der Jenůfa mit dem Kind sitzen lässt und mit Karolka (Eleonora Vacchi), der Tochter des Dorfrichters, den sozialen Aufstieg versucht, ist Nazariy Sadivskyy heldisch kräftigem Tenor in besten Händen. Im Zentrum des Abend stehen zwei Frauen, die Küsterin Buryja und ihre Ziehtochter Jenůfa, und den Interpretinnen dieser Rollen gebührt die Krone des Abends. Claude Eichenberger singt die Küsterin Buryja nicht nur, sie hat die Rolle bis in die letzte Faser durchdrungen und ist die Küsterin Buryja und das mit einer erschütternden Intensität. Kein bisschen weniger intensiv und damit absolut auf Augenhöhe ist Johanni van Oostrum als Jenůfa.

Ursula Füri-Bernhard als Die alte Buryja, Philipp Mayer als Altgesell und zweite Stimme, Young Kwon als Dorfrichter, Sarah Mehnert als seine Frau, Evgenia Grekova als Barena, Réka Szabó als Jano und 1. Stimme, Ulrike Schneider als Die Tante und Kate McNamara als Eine Schäferin ergänzen das Ensemble, das diesen Abend zum Ereignis werden lässt.

Jenůfa | Konzert Theater Bern

© Florian Spring

Schält man das Gerüst von Janáčeks Oper heraus, so bleibt die archaische Tragödie der Küsterin und ihrer Ziehtochter Jenůfa. Genau auf diese Archaik, letztlich die Theatergeschichte, greift Eva-Maria Höckmayr in ihrer Inszenierung zurück. Entsprechend tragen die Figuren Masken, die sie nur abnehmen, wenn sie als Individuum hervortreten. Julia Rösler (Bühne & Kostüme) hat Höckmayr dazu einen neutralen Bühnenraum geschaffen, der die Fokussierung auf die Figuren und ihre Tragödie fördert. Die eindrückliche Beleuchtung stammt von Christian Aufderstroth.

Am Premierenabend unterstützt die Natur die höchst intensive, eindringliche Inszenierung: draussen dräuen schwarze Wolken am Himmel und die Blitze zucken taghell. Das Gewitter bricht mit dem Schluss der Oper los.

So kann Oper auch sein: Ganz direkt und ganz intensiv!

Weitere Aufführungen:

So, 06. Juni 2021, 16:00, Stadttheater, Sa, 12. Juni 2021, 19:30, Stadttheater;

Di, 15. Juni 2021, 19:30, Stadttheater, Sa, 19. Juni 2021, 19:30, Stadttheater.

14-teilige Podcast-Reihe des Romans von Gabriela Preissová «Jenůfa, ihre Ziehtochter»: http://www.konzerttheaterbern.ch/konzert-theater/musiktheater/jenufa-ihre-ziehtochter/

05.06.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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