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BERN/ Konzert Theater: FIERRABRAS von Franz Schubert

Einer mag es laut. Viel zu laut.

26.02.2019 | Allgemein, Oper

Franz Schubert: Fierrabras, Konzert Theater Bern, Besuchte Vorstellung: 26.02.2019

 (4. Vorstellung seit der Premiere am 27.01.2019)

Einer mag es laut. Viel zu laut.

Wie vor sechs Jahren bei «Fidelio» hat sich Dirigent Mario Venzago eine eigene Version der Oper geschaffen. Auf dem Besetzungszettel wird diese nicht einmal ausgewiesen. Mit «gewissen Transformationen», sprich Kürzungen oder Straffung der Dialoge oder Umformung der Dialoge in Rezitative, hofft Venzago das Opernhafte hervorzuheben. Heute werde der hohe Ton der Deklamation nicht mehr beherrscht. Nun gut, die Sänger haben ihm durchs Band das Gegenteil bewiesen, denn in den Dialogen waren sie wesentlich besser verständlich als in Begleitung des Orchesters. Dieser eklatante Unterschied liegt daran, das Venzago mit dem Berner Symphonieorchester dermassen durch die Partitur gedröhnt ist, dass mehrfach Instrumental-Soli schrill und scharf wurden oder sich der Ton überschlagen hat.

Den ganzen Abend über mussten der Chor Konzert Theater Bern (vorbereitet von Zsolt Czetner) und Solisten gegen die schiere Lautstärke ansingen und waren so kaum verständlich. Der A cappella-Chor der Gefangenen und die wenigen, nicht im Fortissimo gespielten Stellen zeigten deutlich, dass es nicht an der Diktion lag. Andris Cloete scheint keine Idealbesetzung für die Rolle des Titelhelden Fierrabras zu sein. Seine normalerweise leichte, helle und agile Stimme klang ungewohnt spröde und schwer. Der Sopran von Elissa Huber als Emma wurde in den lauten Stellen, und das waren ja nicht wenige, schrill und scharf. Mit am besten gegen die Gewalt aus dem Graben durchsetzen konnten sich Todd Boyce als Roland und Kai Wegener als König Karl und konnten ihre Partien ansatzweise auch stimmlich gestalten. Erwartungsgemäss wenig Probleme hat Uwe Stickert als Eginhard und er schien auch am wenigsten durch das Orchester eingeschränkt. Evgenia Grekova als Florinda und Claude Eichenberger als Maragond schlugen sich trotz aller widrigen Umstände hervorragend. Nazariy Sadivskyy als Ogier, Young Kwon als mächtig orgelnder König Boland und György Antalffy als Brutamonte ergänzten das Ensemble.

Bildergebnis für bern fierrabras
Foto: Tanja Dorendorf

Der auf dem Besetzungszettel als verantwortlich für die Regie ausgewiesene Elmar Goerden bezeichnet seine Arbeit als «musikalisches Inszenieren». Es sei wichtig, dass nichts von aussen hinzuerfunden werden müsse, es kein Brimborium im Raum gebe. Hinzuerfunden hat er zum Glück nichts. Dass das Inszenieren in der Oper musikalisch sein sollte, ist eigentlich selbstverständlich. Brimborium auf der Szene, in Form von permanentem Heben und Senken der schwierig zu bestimmenden Ausstattungsteile (Bühne: Silvia Merlo und Ulf Stengl) hat es doch gegeben. War da, im Bestreben «möglichst viel in die Sänger, die Situationen und die Musik zu legen», ein Horror Vacui im Spiel? Ideen, wie zum Beispiel den in der Schlacht gefangenen Fierrabras überdeutlich als leidenden Christus darzustellen, sind nicht nachvollziehbar. Die Kostüme von Lydia Kirchleitner changieren zwischen mittelalterlicher Ordenstracht, wie man sie wohl auch in den Fünfzigern im Theater erleben konnte, und russischer Volkstracht für die Damen und langen Unterhosen oder Bodys in Kombination mit Lederstiefeln für die Herren (erinnert an den Westernheld, den der Sheriff bei der Regulierung des Hormonhaushalts gestellt hat).

Weitere Aufführungen:

Di, 26. Februar 2019, 19:30 – 22:30

Do, 07. März 2019, 19:30 – 22:30

So, 17. März 2019, 18:00 – 21:00

Do, 18. April 2019, 19:30 – 22:30

Sa, 27. April 2019, 19:30 – 22:30

Mi, 05. Juni 2019, 19:30 – 22:30

Di, 11. Juni 2019, 19:30 – 22:30

 

27.02.2019, Jan Krobot/Zürich

 

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