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BERN/ Bühnen Bern: EVITA. Musical von Andrew Lloyd-Webber. Übernahme vom Stadttheater Klagenfur

 «Singt und betet Ihr Narren!»

13.09.2021 | Allgemein, Operette/Musical

Andrew Llyod Webber: Evita • Bühnen Bern • Vorstellung: 12.09.2021

 Übernahme vom Stadttheater Klagenfurt

 «Singt und betet Ihr Narren!»

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Foto © Janosch Abel

Aaron Stiehls Inszenierung von «Evita», vom Stadttheater Klagenfurt übernommen, bietet Florian Scholz einen fulminanten Start in seine Intendanz. Der Saisonstart am nunmehr «Bühnen Bern» heissenden Haus ist, dem Zuspruch des Publikums nach zu urteilen, mehr als geglückt.

Die Verwendung der Drehbühne ermöglicht es Aaron Stiehl (Regie) die Geschichte stringent und ohne Unterbrüche zu erzählen. Die Kritik der quasireligiösen Verehrung Evitas gestaltet er deutlich, ohne dabei zu provozieren. Ähnlich deutlich ist die Kritik an Peróns Nähe zum Faschismus (ein Schattenriss zum Beispiel erinnert deutlich an Hitler) und an Che Guevara, der hier die Tendenz zum Verrücktsein hat. Warum gleich im ersten Bild ein Kämpfer sein Gemächt bearbeiten muss, erschliesst sich nicht wirklich. Agustin Magaldi und Evita Perón erinnern in ihrer Gestaltung an die amerikanischen Stars der fünfziger und sechziger Jahre. Elvis und die Monroe lassen grüssen. Die Bühne, Säulenelemente rahmen die Drehbühne mit altarartigem Aufbau, die so als Einheitsbühnenbild dienen kann, und die farbenfrohen Kostüme stammen von Friedrich Eggert.

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Foto © Janosch Abel

Annemieke van Dam gibt eine zarte, aber völlig selbstbewusste Evita Perón. Sie weiss ganz genau, was sie will, und macht sich alle Männer, die nicht schnell genug weg sind, zunutze. Edward Hall gibt einen quirligen Che Guevara und setzt die von der Regie vorgegeben Überzeichnung zum Verrückten grandios um. Nigel Caseys Juan Perón punktet als Staatsmann. Der Aufsteiger kommt weniger stark zur Geltung. Michał Prószyński überzeugt als stimmgewaltiger Augustin Magaldi. Paulina Plucinski wird als Peróns Geliebte rücksichtslos von Evita vertrieben. Stiehl nutzt immer wieder das Ensemble der Damen (Elisabeth Blutsch, Bernadette Fröhlich, Paulina Plucinski und Anja Štruc) und das der Herren (Rudolf Andreas Giglberger, Albert-Jan Kingma, Robert Lankester und Salvatore Marchione) um eindrückliche Tableaux vivants zu gestalten. Die Choreographie, die das Ensemble schlicht grandios umsetzt, stammt von Otto Pichler.

Die Krone des Abends gebührt dem Chor der Bühnen Bern (Choreinstudierung: Zsolt Czetner) gestalt seinen Part stimmgewaltig und mit grosser, grosser Spielfreude. Ein wahes Vergnügen!

Das Berner Symphonieorchester unter musikalischer Leitung von Hans Christoph Bünger zeigt, dass es auch Musical kann. Und wie!

Ein fulminanter Saisonstart, wie er besser nicht gelingen könnte: Ein MUSS!

Weitere Aufführungen:

Mi 15. Sep 19:30, Do 16. Sep 19:30, Sa 18. Sep 19:30, Di 21. Sep 19:30, Mi 22. Sep 19:30,

Di 28. Dez 19:30, Do 30. Dez 19:30, Fr 31. Dez 19:00.

13.09.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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