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BERLIN/Staatsoper/ Staatsballett: GISELLE

24.01.2015 | Allgemein, Ballett/Tanz

Berlin/ Staatsoper/Staatsballett Berlin: „GISELLE“, 22.01.15

Staatsballett, Giselle, Corps de ballet beim lustigen Tanz, Foto Yan Revazov

Corps de Ballet beim lustigen Tanz. Foto: Yan Revazov

„Giselle“ – das ist eine Traumrolle für jede Tänzerin, aber auch eine Herausforderung sondergleichen. In der ausverkauften Staatsoper im Schillertheater wird diese von einer Gastinterpretin aufs Trefflichste gemeistert: von Maria Eichwald, bis vor kurzem Erste Solistin des Stuttgarter Balletts.

Ab 1994 tanzte die damals 20jährige Schöne aus Kasachstan erstmals in Deutschland, am Theater Krefeld-Mönchengladbach, und wurde dort schnell Solisten. Seit der Spielzeit 1996/97 arbeitete sie beim Bayerischen Staatsballett, das sie 1999 zur Ersten Solistin beförderte. Tourneen in aller Welt folgten. Genau so war es während ihrer Jahre 2004-2014 am Stuttgarter Ballett, auch eines der besten in Deutschland. Ihre Abschiedsvorstellung dort wurde, wie zu hören war, ein festliches und hochemotionales Ereignis.

Seither arbeitet sie als freie Tänzerin und bezaubert an diesem Abend das Publikum in Berlin. Eine federleichte, mädchenhaft wirkende Giselle, die über die Bühne zu schweben scheint. Fast unhörbar setzt sie nach ihren zahlreichen Sprüngen auf, ihre Pirouetten gelingen ohne den kleinsten Wackler.

Alles scheint ganz einfach zu sein, und ist es doch keineswegs. Mit ihrer zarten, biegsamen Figur, dem Spiel der Arme und leuchtenden Augen verkörpert sie überzeugend das hübsche Landmädchen, das sich in den Fremdling Albrecht verliebt und er in sie. Mal neckische, mal zärtliche Pas de deux zeigen das deutlich.

Den Albrecht – Herzog von Schlesien inkognito – tanzt der athletische Mikhail Kaniskin. Der Ex-Stuttgarter, nun Erster Solist am Staatsballett Berlin, investiert Power, Eleganz und virilen Charme. Die beiden waren in „Giselle“ dort schon vor Jahren ein Paar. Diese Vertrautheit kommt der Gestaltung in Tanz und Ausdruck perfekt zugute.

Die beiden und all’ die anderen agieren in der Choreographie und Inszenierung von Patrice Bart sowie in der Ausstattung aus dem Jahr 2000 (Bühne und Kostüme: Peter Farmer). Dirigent Anton Grishanin bringt mit der Staatskapelle Berlin die Musik von Adolphe Adam mit Schwung und Schmelz zum Klingen und passt sie dem Tanzgeschehen einfühlsam an.

Den eifersüchtigen Wildhüter Hilarion, der Albrechts hohen Rang entdeckt, gibt – ebenfalls gekonnt – Dominic Hodal. Der um Giselles empfindliche Gesundheit besorgten Mutter verleiht Sebnem Güseker liebevolles Profil. Den Wilfried, Albrechts Knappen, stellt Alexander Korn auf fixe Füße.

Dass die Sorgen der Mutter um die fröhlich tanzende Giselle berechtigt waren, erweist sich bekanntlich beim Erscheinen des Prinzen von Kurland (Martin Szymanski) und seiner Tochter Bathilde (Elena Pris), die bereits mit Albrecht verlobt ist. Zwei in würdigen bzw. würdig-aufgebrachten Rollen, als Albrechts Flirt mit dem Dorfmädchen bekannt wird. Berührend tanzt nun Maria Eichwald dieses tief verstörte Unschuldslamm, das vor Schreck wahnsinnig wird und stirbt.

Zwei weitere haben zuvor beim Bauern-Pas-de-deux so richtig losgelegt und dafür auch begeisterten Zwischenapplaus erhalten: Marina Kanno und Ulian Topor, beide Demi-Solisten, die staunen lassen. Der schlanke, wendige Ulian Topor überrascht nicht nur mit weiten federnden Sprüngen, sondern mit Ganzkörper-Tanzbegabung.

Staatsballett, Giselle, die Wilis als Schemen, Foto Yan Revazov
Die Wilis als Schemen. Foto: Yan Revazov

Ansonsten glänzt die gesamte Ballett-Compagnie mit perfekt gebrachten Nummern, sei es im ersten Akt als fröhliches Bauernvolk oder im zweiten als Wilis, die als Schemenwesen untreue und andere Männer nächtens zu Tode tanzen. Deren gestrenge Königin Myrtha verkörpert eindrucksvoll Sarah Mestrovic, eine fitte und echt königliche Erscheinung.

Elegisch und mit inniger Intensität tanzt nun Maria Eichwald ihre Totenrolle. Ebenso nachhaltig gelingt Mikhail Kaniskin die Darstellung des reuig Trauernden. Der empfindsame Pas de Deux – in seiner Langsamkeit besondere Anforderungen stellend – ist das absolute Highlight im 2. Akt. Danach Riesenjubel für alle und außerdem verdiente Bravi für Maria und Mikhail, dieses großartige Liebes- und Tanzpaar.

Ursula Wiegand

Weitere Termine: 01.02., 3.2., 06.02.

 

 

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