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BERLIN / Staatsoper: DIE SCHWEIGSAME FRAU

 

Kunterbuntes Strauss-Debut an der Staatsoper Berlin

Es ist kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich Opern von Richard Strauss, die bisher nie an der Berliner Staatsoper Linden gespielt wurden, obwohl er am Haus einst den Titel eines „Ersten Kapellmeisters“ innehatte. Schon immer stiefmütterlich behandelt, gelang es seiner „Schweigsamen Frau“, nun endlich auch „Unter den Linden“ zur Aufführung zu kommen. Das dies auf eine Initiative des neuen Generalmusikdirektors und Strauss-Experten Christian Thielemann zurückgeht, dürfte wohl niemanden wirklich überraschen.

Die Staatskapelle Berlin klingt ungewohnt feingliedrig und luftig. War man unter Barenboims behäbigen Armen oft einen breiten, verwobenen Klang gewöhnt, ist es nun ein Musizieren auf der Stuhlkante. Eine schöne Neuerung. Das goldene Rauschen der Sachsen wird Thielemann in Berlin jedoch vergeblich suchen. Wie so oft zwingt er seine Sänger zum ständigen Blickkontakt, was sie in Spiel und Bühnenfreiheit deutlich einschränkt. Doch auch diese Umstände ist man von ihm gewohnt.

Als Morosus glänzt Peter Rose, der sich in dieser Partie als Idealbesetzung entpuppt. Ergreifend singt er seinen Schlussmonolog, ist wortdeutlich und klangschön. Wer sich an die letzten Auftritte von Brenda Rae als Zerbinetta erinnert, wird nicht umherkommen festzustellen, dass sich die Stimme verändert hat. Nicht unbedingt zum Angenehmen. Als Aminta lässt sie deutliche Schärfen hören und auch das Vibrato hat eine Schwerfälligkeit bekommen, wie sie für leichte Stimmen unschön sind. Als kluge und gefällige Darstellerin gelingt es ihr dennoch, den Abend zu ihren Gunsten zu beenden. Rae steht „ihre Frau“, ist ganz Emanze und trotzt dem Libretto, welches wohl kaum einem heutigen Frauenbild entspricht.

Siyabonga Maqungo als Morosus Neffe Henry hat, wie bei Strauss so oft, eine eher undankbare Tenorpartie zu bewältigen. Er schlägt sich wacker, wenn auch viele Phrasen tremolieren und leider den Gesamteindruck schmälern. In der Vergangenheit man die Partie weniger mit einem Spieltenor als einer deutlich lyrischeren Stimme besetzt, wohl aus gutem Grund. D

afür ist es die Stunde von Samuel Hasselhorn als Barbier Schneidebart, dem man in seiner Partie wohl nur schwer das Wasser reichen kann und welcher an große deutsche Baritone der Vergangenheit erinnert. Seine durchs Lied geschulte Stumme kommt ihm bei dieser Parlando-Partie besonders zu Gute. Weniger geglückt ist die Besetzung der Isotta durch Serafina Starke, Mitglied des Opernstudios. Ihre wenig farbenreiche Stimme ist für ein Haus wie die Staatsoper zu klein und auch darstellerisch fällt es ihr schwer, neben den großen Kollegen zu bestehen. Hier hätte man sich eine dem Rest ebenbürtigere Besetzung gewünscht. Rebecka Wallroth als Carlotta kommt köstlich daher und bestätigt den positiven Eindruck, den sie jüngst als Cherubino am Haus hinterlassen hatte. Bei den kleineren Partien, die erstaunlicherweise fast allesamt mit Mitgliedern des Opernstudios besetzt wurden, ist noch vor allem Manuel Winckhler als Vanuzzi auf der Habenseite. Ausdrucklos und mulmig-behäbig kommt hingegen der Bass von Friedrich Hamel als Farfallo daher.

Die Inszenierung von Jan Philipp Gloger flüchtet sich, wie es jedoch Gang und Gäbe ist, ins Klamaukige. Der Zuschauer findet sich im heutigen Berlin wieder, in Morosus Altbauwohnung, die von einer allzu bunten und schrillen Truppe gestürmt wird. Das gefällt nicht jedem, unter den frenetischen Applaus mischen sich auch etliche Buhs.

Karsten Meyer

 

 

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