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BERLIN/ Staatsballett: ROMEO UND JULIA – nun in Starbesetzung

03.03.2012 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Berlin, Staatsballett: „ROMEO UND JULIA“ nun in Starbesetzung, 2.3.2012


Romeo und Julia mit Polina Semianova und Friedemann Vogel, Foto Bettina Stöß

 Nach der glanzvollen Premiere am 9. Februar mit Jana Salenko und Marian Walter treten nun die Stars Aktion: Polina Semianova, die Primaballerina des Staatsballetts Berlin, und als Gast Friedemann Vogel, der Startänzer vom Stuttgarter Ballett. Dort haben beide in „Schwanensee“ die Tanzfans kürzlich tief beeindruckt. 

Das gelingt ihnen hier in „Romeo und Julia“ gleichermaßen. Viele Besucher sind erneut gekommen, um zu erleben, wie diese zwei ihre Rollen gestalten. Aber ist solch ein Vergleich mit den Vorgängern überhaupt statthaft? Auf alle Fälle ist Fairness geboten, denn jede Tänzerin und jeder Tänzer hat – hohes Können vorausgesetzt – eine eigene Persönlichkeit und drückt der Rolle ihren/seinen eigenen Stempel auf.

Während bei der zierlichen Jana Salenko die zarte Mädchenhaftigkeit und ihr fast kindliches Spielvergnügen – so mit ihrer Amme (Charlotte Butler) – sehr berührten, punktet Polina Semianova mit größerer Reife und einem Mehr an dramatischen Facetten. Dass diese Liebe in die Katastrophe führt, ahnt man bei ihr sofort. Ihr biegsamer Körper, ihr Gesicht und jede Fingerspitze drücken all’ ihre Angst und Seelenpein deutlich aus.

Friedemann Vogel, charmant, lebendig und mit perfekter Beinarbeit, ist der adäquate Partner. Zu loben ist jedoch nicht nur seine großartige Technik, sondern auch sein schauspielerisches Talent. Wie sehr er seine Julia liebt, wird schnell klar. Die beiden bilden ein schönes, sich wunderbar abstimmendes und ausdrucksstarkes Paar.

Die Schluss-Szenen, bevor Julia ihre Scheintot-Tropfen schluckt und der verzweifelte Romeo seine Geliebte schließlich aus ihrem Grab hebt, geraten zum Höhepunkt. Doch waren Jana und Marian schlechter? Sie waren anders.

Sein Rollendebüt als Mercutio gestaltet Rainer Krenstetter. Er brilliert mit Witz, Temperament und gewohnt tänzerischem Können. Dass mich jedoch Dinu Tamazlacaru neulich noch mehr beeindruckt hat, kann ich nicht verhehlen.

Neu in der Rolle als Benvolio –  der Dritte von den lustigen Dreien aus dem Hause Montague – ist an diesem Abend der junge Taras Bilenko. Er macht seine Sache gut, genau wie Leonard Jakovina, der erstmals als Graf Paris agiert. An die Bühnenpräsenz eines Michael Banzhaf reicht Jakovina – der fabelhafte Prinz aus „Schneewittchen“ – in diesem kleinen Part aber nicht heran.

Den finsteren, streitsüchtigen Tybalt aus dem Hause Capulet gibt diesmal Ibrahim Önal, der vom Typ her bestens in diese Rolle passt. Und mit welcher Eleganz bewegt sich dieser Power-Typ beim großen Ball! 

Zuletzt ist der Jubel riesengroß und das zu Recht. Auch den zahlreichen Jugendlichen in der Aufführung hat dieses Ballett, gemessen an ihrem Beifall, offenkundig sehr gefallen. Mehrmals küsst Friedemann Polina. Am 6. und 9. April sind sie erneut als Romeo und Julia zu erleben.   

 Ursula Wiegand

 

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