Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BERLIN/ Philharmonie: Am 13.9.hat Vladimir Jurowski die Saison in der Philharmonie eröffnet

Am 13.09 hat Vladimir Jurowski die Saison in der Philharmonie eröffnet

dera
Vladinir Jurowski. Copyright: Dera

Welch neue Wege wird das Rundfunk-Sinfonieorchester unter Jurowski wohl diesmal gehen, fragt sich vielleicht das Publikum. Die meisten werden es wissen, ist es doch auch ein Abo-Programm. Die das gebucht haben, brauchen also kaum zu grübeln. Oder doch? Denn das bunt-blumige Programm-Deckblatt fällt durchaus auf. Ist also ein Maler am Werk?

Tatsächlich ist das so. Denn Edison Denissow (1929-1996) hatte sein Werk, entstanden in Wien, „Peinture“ d.h. Malerei genannt. Nur 12 Minuten war es lang. Dennoch beschäftigte Denissow auch noch ein reich besetztes Orchester.

Angeblich hatte Denissow auch ein mathematisches Denken, ist im Programmheft zu lesen. Also Musik und Malerei gemeinsam, und seine Kollegen haben wohl Ähnliches gemacht. Er, geboren 1929 in Tomsk (Sibirien), musste jedoch nach dem Tod des Vaters schon als Elfjähriger um die kranke Großmutter und seine beiden jüngeren Schwestern sorgen.

Dennoch lernte er mehrere Instrumente zu spielen und studierte 5 Jahre lang am Moskauer Konservatorium. 1964 erregte er dann mit seiner Solokantate „Die Sonne der Inkas“ internationales Aufsehen. 

Wegen seiner Verdienste um die Neue Musik wurde Dennissow 1986 zum Mitglied der französischen  Ehrenlegion für Kunst und Literatur erhoben, und seit 1988 unternahm er auch lange Konzertreisen besonders in Westeuropa (Deutschland und Frankreich) und den USA. 1992 lehrte er sogar als Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium, wurde aber auch in Westeuropa sehr beschäftigt und starb 1996 in Paris.

Bei den Malern hätte er sehr viel mehr gelernt als bei den Komponisten, hatte er gesagt und ein muskalisches Farbenspiel geschaffen. Der Ton „d“ stand bei ihm im Alter für Deus bzw.Dieu, also für Gott, und seine Musik suchte das Licht. Aber haben wir in der Philharmonie das auch begriffen?

Weiter ging es dann mit dem Rumänen Anatol Vieru (geb. 1926) und seiner Sinfonie Nr. 2, entstanden 1973 und uraufgeführt am 21. März 1974 in West-Berlin. Herzrasen, Psalm und Befreite Melodie heißen die Sätze. Es geht dabei um Modaltonarten der Kirchenmusik und der osteuropäischen Folklore.

Auch Vieru hielt sich gerne im Westen auf, und wollte sich ständig verändern und erneuern. Er hat aber auch die große osteuropäische Tradition fortgeführt, die immer wieder die Weltmusikkultur entscheidend beeinflusst hat, meinen die Kenner.  

Danach ist Pause, und nun ist Sergei Rachmaninow zu hören, auf dessen Musik wohl alle warten. Vradimir Jurowski, der Dirigent, hebt den Stab. Jeder Finger zeigt genau, welche Töne nun an der Reihe sind. Sein ganzer Körper ist ständig auf Tour. 

Die Glocken“ heißt das Stück und führt die Menschen durchs russische Leben, von der Geburt, der Freude in jungen Jahren bei der Hochzeit, danach wird’s eher alltäglich und zuletzt kommt der Tod. So lebten die Russen. Und diese Liebe zu den Glocken wohnt wohl jedem Russen inne, zumindest früher . „Und wenn es mir überhaupt gelungen ist, in meinen Werken Glocken gleichsam mit menschlichen Empfindungen vibrieren zu lassen, so ist das vor allem dem Umstand zu verdanken, dass ich den größten Teil meines Lebens inmitten der Schwingungen der Glocken von Moskau verbracht habe,“ äußerte Rachmaninow.

Es sind aber auch teilweise Nachdichtungen, z.B. „The Bells“ von Edgar Allan Poe (1848), und auch eine junge Verehrerin hat ihn gebeten, ihr Stück zu vertonen, was auch geschah. Rachmaninow meinte sogar, nicht an sich selbst zu glauben. „Bringen Sie mir bei, an mich zu glauben, liebe Re! bat er eine Frau.

Als nun alle am 13.09. im Saal Rachmaninows Versen unter den Händen von Jurowski hörten, waren wohl alle bei der Sache. Dem Publikum wurde auch geholfen. Sie hörten die Gesänge übersetzt auf Deutsch. Der Text stammte von Konstantin Balmont nach Edgar Allan Poe, und gesungen wurde fabelhaft, von der Geburt bis zur Hochzeit und von der heulenden Feuerglocke bis zur Totenglocke.

Galina Cheplakova sang den Sopran, Anton Rositskii den Tenor und Alexey Markov als Einspringer den Bariton. Auch das gelang sehr gut. Zur Stelle war bestens auch der Rundfunkchor Berlin, einstudiert von Gijs Leenaars mitsamt dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin mit Rals Sochaczewsky. 

Der Applaus war nun kräftig, und vielleicht denken nicht alle daran, dass Sergei Rachmaninow Russland verlassen musste. In den USA war er ein erfolgreicher Pianist, doch stets hat er seine Heimat vermisst.  „Die Musik  eines Komponisten sollte sein Geburtsland ausdrücken, seine Liebesaffären. seine Religion, die Bücher die er liebt. Sie sollte das gesamte Produkt der Erfahrungen des Komponisten sein.“  Die Sehnsucht nach seiner Heimat hat ihn nie verlassen.  

Ursula Wiegand

 

 

 

Diese Seite drucken