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BERLIN/ Komische Oper: DON JUAN – Ballett von Giorgio Madia. Staatsballett Berlin

22.06.2014 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Berlin/ Staatsballett: Uraufführung „DON JUAN“ als sinnliches Barockfest in der Komischen Oper, 21.06.14

Don Juan, Michael Banzhaf, Diavolo,  Leonard Jakovina, Don Juan @Yan Revazov
Michael Banzhaf (Diavolo), Leonard Jakovina (Don Juan). Foto: Yan Revazov

Don Juan, der schillernde Verführer, ist offenbar unsterblich. Zu Lebzeiten hat er tausende Frauen betört, wie Leporello in Mozarts „Don Giovanni“ der empörten Donna Elvira genüsslich aufzählt. Und doch können sie ihm nicht gram sein, sind von ihm fasziniert und wollen von ihm nicht lassen.

Ähnlich geht es Kunstschaffenden jedweder Couleur. In Berlin porträtiert ihn nun der bekannte italienische Choreograph Giorgio Madia und lässt ihn zusammen mit dem Staatsballett Berlin in einer Uraufführung an der Komischen Oper erneut lebendig werden. Und mit ihm seine Zeit, in der hochfeines Genießen großgeschrieben wurde.

Hochfein sind auch die Kostüme (von Bruno Schwengl) und hocherotisch ebenfalls. Das Corps de Ballet trägt Gesichtmasken in Höhe der Geschlechtsteile, vorne aber nur die Nasen. Das wirkt, als hätten selbst die Frauen einen Penis. Auf den Popos ist das eigentliche Gesicht zu sehen, aber ohne Nase. Don Juan und seine Mitstreiter zeigen die prallen, anscheinend nackten Pobacken.

Untermalt durch die wunderbare Musik von Christoph Willibald Gluck – auf der Solo-Violine dargeboten von der Wiener Virtuosin Lidia Baich – ist diese opulente Inszenierung zugleich als Farce zu verstehen, aber auch als Wiederbelebung der freizügigen Vitalität der Commedia dell‘arte. Raffiniert ausstaffierte Nonnen, fürchterliche Furien und eine Ballgesellschaft runden das Geschehen zum sinnlichen Barock-Theater.

Auf der relativ schlicht gehaltenen Bühne (von Cornelia Matthes) sind die Türen die wichtigsten Accessoires, durch die die Solisten stets mit lautem Knall hineinkommen, weggehen oder flüchten. Ein Türenballett eigener Art.

In diesem Rahmen – und gelegentlich mitsamt der Violinistin vor geschlossenem Vorhang – agiert Don Juan. Mit Charme und Charisma, mit Schmeicheln, Streicheln und tiefen Blicken verführt er die Damen, die allzu gerne und ohne Skrupel seinen Künsten erliegen. Donna Isabella (Ilenia Montagnoli) sogar auf dem Friedhof, wo sie eigentlich um ihren, von Don Juan beim Duell erstochenen Vater trauern wollte!

Don Juan, Michael Banzhaf, Diavolo, Leonard Jakovina, Don Juan @Yan Revazov
Michael Banzhaf (Diavolo), Leonard Jakovina (Don Juan). Foto: Yan Revazov

Leonard Jakovina, ein hoch gewachsener athletischer Beau mit dunklen Augen tanzt ausdrucksstark und mit differenziertem Bewegungsvokabular diesen galanten Kurzzeit-Frauenversteher und –beglücker. Eine Idealbesetzung für diese Rolle.

Dem kann verständlicherweise keine widerstehen, weder die attraktive, schon mit Ottavio (Dominic Hodal) verlobte Donna Anna (Elena Pris), noch die feine, sittsam gewandete Donna Elvira (Nadja Saidakova) und schon gar nicht die spritzige Elisa (Iana Salenko).

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Iana Salenko (Elisa) und Leonard Jakovina (Don Juan). Foto: Yan Revazov

Die scheucht sogar ihren Carino (Marian Walter) weg, und es kümmert sie (auch in diesem Ballett) kaum, dass er sich mit Händen und Füßen gegen die Dienerschaft wehrt, die ihn rüde abtransportiert. Sie alle bieten tänzerische Glanzleistungen.  

Don Juans eigentlicher Diener heißt hier Zanni. Den bringt Vladislav Marinov mit viel Witz und artistischen Einlagen. Die Höhen und Tiefen seines Dienerdaseins lassen sich in jeder Bewegung und jedem Gesichtsmuskel ablesen. Ein Publikumsliebling auf Anhieb.   
Doch einer ist der eigentliche Herr des Geschehens: Diavolo, der Teufel, elegant und raumgreifend gestaltet von Michael Banzhaf. Als Don Juans Alter Ego ist er ihm stets auf den Fersen. Schließlich erscheint er ihm in persona, bedrängt, verführt und küsst ihn.

Nachdenklich geworden wischt sich Don Juan danach die Lippen. Einer, der sich – im Gegensatz zu dem vor Angst schlotternden und dann flüchtenden Zanni – nicht vor dem zu Tisch kommenden Geist des ermordeten Commandeurs (Oliver Wulff) zu fürchten scheint.

Doch sein Ende ist nahe, das spürt er. Vor einem Riesenkleid, unter dem viele seiner Geliebten Platz finden könnten, tanzt der Frauenheld seinen letzten müden Tanz.

Nach viel Zwischenbeifall schallt zuletzt frenetischer Jubel durch den ausverkauften Saal. Besonders gefeiert werden Leonard Jakovina, Vladislav Marinov und Iana Salenko. Einige Buhs für den Regisseur gehen im allgemeinen Beifall schnell unter.   Ursula Wiegand

 Weitere Aufführungen am 24., 26., 30 Juni, am 2. und 6. Juli, am 2., 9. und 29. Dezember sowie am 8. Januar 2015, sämtlich in der Komischen Oper Berlin
Ticketservice: 0049-(30) – 206092630 | tickets@staatsballett-berlin.de

 

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