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BERLIN/ Komische Oper: MONTEVERDI-TRILOGIE – Premiere

18.09.2012 | KRITIKEN, Oper

Berlin/Komische Oper MONTEVERDI-TRILOGIE  am 16.9.2012 Premiere (Peter Sommeregger)

 Viel, fast zu viel hat sich Barrie Kosky, der neue Intendant der Komischen Oper in Berlin für seinen Einstand vorgenommen: alle drei erhaltenen Monteverdi-Opern an einem Tag, präsentiert in einer komplett neuen Instrumentierung, ein in großen Teilen erneuertes Ensemble, einen neuen Dirigenten. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: hoch gepokert, viel gewonnen ! Aber alles schön der Reihe nach :

 ORPHEUS lässt Kosky gleichsam in einem Garten Eden beginnen,in überbordender Blumen-Dekoration, mit Tanzeinlage und einem großartigen Debütanten: der charismatische Dominik Köninger bringt stimmlich und darstellerisch ein großes Potential mit, am Schluss danken es ihm Standing Ovations. Naturgemäß treten die anderen Figuren hinter dem Hauptdarsteller deutlich zurück, sind aber mit Julia Novikova (Eurydike), Theresa Kronthaler (Sylvia), Peter Renz (Amor),u. a. ausgezeichnet besetzt.

 ODYSSEUS hebt sich konzeptionell völlig von Orpheus ab, hier empfängt uns ein karges, mit Kunstrasen ausgelegtes Podium, auf dem die Handlung beinahe ohne Requisiten abläuft. Die Opulenz des Auftakt-Stückes wird hier eindrucksvoll konterkariert. Diesmal finden wir das Orchester auf der Bühne. Ezgi Kutlu als Penelope beeindruckt mit satter, aber durchaus modulationsfähiger Tiefe, Günther Papendell(Odysseus) ist ihr ein ausgezeichneter und ebenbürtiger Partner. In der Szene der Freier wird man plötzlich von Tango-Elementen musikalisch überrascht. Auch im Odysseus ist Peter Renz als Amor/Iros eingesetzt. Er wir uns auch im dritten Teil wieder begegnen.

 POPPEA schließlich huldigt inszenatorisch dem Zeitgeist, hier findet man alle Versatzstücke des heute üblichen „Regietheaters“ wieder. Peter Renz (Amor) erscheint nun in einer (gelungenen) Marlene-Dietrich-Kostümierung, die fliehende Ottavia (eindrucksvoll: Helene Schneidermann) wird nebst Otho und Drusilla von Nero erschossen, die Amme (mit Mut zur Selbstverleugnung : Tom Erik Lie) wird höchst realistisch vergewaltigt. Brigitte Geller (Poppea) und Roger Smeets (Nero) sind, stimmlich perfekt harmonierend, die sängerische Dominante der Aufführung, hervorgehoben sei noch die eindrucksvolle Studie des Seneca, die uns Jens Larsen, befremdlicherweise splitternackt, liefert, sowie die köstliche Arnalta (Thomas Michael Allen).

 Kosky hat klugerweise darauf verzichtet, die Inszenierungen direkt miteinander zu verknüpfen, als Konstante tritt nur der Amor des Peter Renz auf, der eine der stimmigsten Leistungen des langen Monteverdi-Tages liefert.

Die neue Instrumentierung, von Elena Kats-Chernin besorgt, muss man als höchst geglückt bezeichnen. Die Verwendung orientalischer Instrumente, aber auch einer E-Gitarre überraschen, aber erfreuen auch durchaus das Ohr.

Die wahrscheinlich größte Last dieses“ Marathons“ ist wohl dem Dirigenten Andre de Ridder aufgebürdet, Mit nie nachlassender Konzentration ist er seinen Musikern und den Gesangsolisten ein Fels in der Brandung. Man darf auf Zukünftiges gespannt sein !

Als Fazit kann gesagt werden, dass die traditionsreiche Komische Oper mit diesem Kraftakt eindrucksvoll ihre großen künstlerischen Potentiale unter Beweis gestellt hat.

Zur Nachahmung sei die Unternehmung trotzdem nicht empfohlen: gerade die Qualität der einzelnen Produktionen führt im Verlauf des langen Tages unausweichlich zu einer mentalen Erschöpfung. Es ist ein bisschen, als wollte man ein Kilo Kaviar am Stück essen…

 

 

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