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BERLIN/ Komische Oper: DAS BRONZENE PFERD von Daniel François Esprit Auber. Premiere

12.03.2012 | KRITIKEN, Oper

Berlin, Komische Oper: Premiere „DAS BRONZENE PFERD“, 11.03.2011


Erika Roos und Tom Erik Lie, Foto: Thomas M. Jauk/ Stage Picture

Die Komische Oper Berlin hat sich auf Schatzsuche begeben und ein Werk von Daniel François Esprit Auber (1782-1891) ausgegraben, das im 19. Jahrhundert zu seinen zahlreichen Erfolgsstücken zählte.

Maestro Maurizio Barbacini geht diese Opéra comique gleich mit gehörigem Tempo an und behält es während der dreistündigen Spieldauer bei. Das Orchester der Komischen Oper Berlin folgt ihm mit Schwung und Wohlklang. Das ist schon mal „die halbe Miete“.

Bereits während der Ouvertüre tummeln sich jedoch (verkleidete) Affen und Pandabären auf der Bühne. Die Affen stünden für die „ungehemmte Triebhaftigkeit“ der Chinesen,“ äußert Regisseur Frank Hilbrich im Programmheft. Das führen sie uns ohne Umschweife vor.

Das Panda-Pärchen knabbert dagegen lieber Bambus. Vor allem die Dame hat mit Sex nichts im Sinn, was die ersten Lacher erzeugt. Vergeblich hat der Berliner Zoo jahrelang auf Nachwuchs bei den Pandas gehofft.

Frank Hilbrich inszeniert erstmalig in unserer Stadt und hätte das und Ähnliches nicht  bieten müssen. So etwas und weit schärfere Sachen kennen wir zur Genüge. Weniger davon und mehr an Esprit und Erotik hätte diese Wiederentdeckung dank der flotten Musik zu einem echten Schmankerl machen können.

Immerhin hält Hilbrich die turbulent-skurrile Geschichte gut am Laufen. Auf der mit zwei Sesseln und manchmal mit Umzugskartons möblierten Bühne (Volker Thiele) agieren alle mit offensichtlichem Spaß und einige in bester Slapstick-Manier.

Netterweise nimmt sich niemand selbst ernst, alle überdrehen ihren Part ganz bewusst.  So haben es sich Auber und sein Librettist Eugène Scribe (deutsche Textfassung von Bettina Bartz und Werner Hintze) wohl auch gedacht. Die Story ist ohnehin hanebüchen, wobei mit den hier agierenden Chinesen durchaus wir alle gemeint sind.  

Da ist der alte Mandarin Tsing-Sing mit dem Schwabbelbauch (Tom Erik Lie), der noch eine 5. Frau freien will, die junge Pe-Ki (Annelie Sophie Müller). Ihrem Vater, dem Bauern Tschin-Kao (Juri Batukov mit kräftigem Bariton) kommt das gerade recht, bringt ihm doch das Verhökern seiner Tochter eine stattliche „Ablöse“.

Wie das aber meistens so ist, liebt das Girl einen anderen, den jungen Bauern  Yan-Ko (Stephan  Boving). Der aber hat keine Knete und daher auch (zunächst) keine Chance. Jedenfalls tun alle auch gesanglich ihr Möglichstes, wobei der klare Mezzo von Annelie Sophie Müller immer wieder aufhorchen lässt.

Allerdings hat im Harem des Mandarins seine 4. Frau Tao-Jin eindeutig das Sagen. Sie rebelliert gegen den Einzug der Konkurrentin und traktiert den alten Lüstlings, der sich auch schon mal in die Hose greift. Mit intensiver Körpersprache und gekonnt übersteigerten Koloraturen verleiht  Erika Roos dieser Rolle puren Pepp und wird zur Gewinnerin beim Schlussapplaus.  

Diese 4. Frau sorgt nun dafür, dass der alte Mandarin mit dem plötzlich auftauchenden kaiserlichen Prinzen Yang, vor dem alle auf den Knien rutschen, auf dem geheimnisvollen bronzenen Pferd zur Venus hinauf reiten muss. Die Prinzenrolle ist mit dem gewandten, eleganten Sung-Keun Park typmäßig gut besetzt. Sein sehr heller Tenor klingt jedoch belegt.

Er ist auf der Suche nach seiner Traumfrau Stella und findet sie nach dem Bronzepferd-Ritt  oben auf der Venus. Dort locken allerdings weitere Damen  – verkörpert vom Chor unter André Kellinghaus – in freizügigen Kostümen (Gabriele  Rupprecht). Wer ihren Reizen  nicht 24 Stunden lang widerstehen kann und dann auf Erden darüber plaudert, wird sofort zu Stein.


Julia Giebel und die Venus-Damen, Foto: Thomas M. Jauk/ Stage Picture

Das Treffen des Prinzen mit seiner Stella ist ein echter Gag. Schon vor seinem Erscheinen hat sie, Julia Giebel, mit gesundem Sopran und überkandidelter Spielweise Punkte gesammelt. Beim Zusammentreffen himmeln die beiden einander an, schauen aber ständig auf die Uhr. Kurz vor Ablauf der 24 Stunden berühren sie sich doch, und aus ist der Traum.

Der Prinz muss zur Erde zurück, und unten plappern sie alle – er, der Mandarin und auch der junge Bauer, der zuvor auf der Venus war.  Prompt werden sie zu Stein. Die 4. Frau des Mandarins heuchelt etwas Kummer, freut sich aber schnell auf das tête-à-tête  mit einem  knackigen Lover. Auber bietet dazu die psychologisch passende Musik. 

Die Versteinerten säßen da noch heute, gäbe es nicht die couragierte Pe-Ki. Als Mann verkleidet schwingt sie sich aufs Bronzepferd. Klar, dass sie den Avancen der Venus-Damen widersteht und Stella sogar das Zauberarmband entwendet. Mit dem erlöst sie die Steinmänner und darf nun auch ihren jungen Bauern heiraten.

„Macht’s Euch hübsch,“ ruft schließlich einer der Alten. Gesagt, getan. Das ganze kunterbunte Volk (der Chor) reißt sich einige Sachen vom Leibe und macht auf Gruppensex. 

 Den Besuchern gefällt das offenbar. Alle Beteiligten bekommen reichlich Beifall, selbst das Regieteam!   

Ursula Wiegand

Die nächsten Termine: 20. und 26. März, 7. und 27. April.      

  

 

 

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