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BERLIN/ Kammermusiksaal der Philharmonie: DAS FREIBURGER BAROCKORCHESTER FEIERT PURCELL

Berlin/ Kammermusiksaal der Philharmonie: Das Freiburger Barockorchester feiert Purcell, 12.02.2022

freiburger barockorchester, geigerin anne katharina schreiber, gemacht vom igor studio
Freiburger Barockorchester, Geigerin Anne-Katharina-Schreiber. Foto: Igor-Studio.jpg

Als „Orpheus Britannicus“ wird Henry Purcell (1659-1695) nach wie vor verehrt, nicht nur im heutigen Vereinigten Königreich. Nach Cromwells 11jährigem Kultur-Lockdown war vor allem er es, der am Hof von Charles II mit seinen zahlreichen Kompositionen das Musikleben wieder in Gang brachte. Nach wie vor hat er weltweit viele Bewunderer. Vielleicht steigt ihre Zahl weiter, zusammen mit dem wachsenden Interesse für die Barockmusik.

Bis zum Stimmbruch hatte Henry Purcell, ebenso wie sein Vater, in der Royal Chapel gesungen, sich dann aber und mit baldigem Erfolg ganz dem Musikschaffen gewidmet, so als ahnte er, dass seine Zeit begrenzt sein würde. So gesehen war er ein Vorläufer Mozarts, der rund hundert Jahre später in ebenfalls nur 36 Lebensjahren eine unglaubliche Schaffenskraft entwickelte.

Von Purcells Werken sind relativ viele erhalten und werden mitunter auch in Deutschland aufgeführt. An der Berliner Staatsoper stand „Hippolyte et Aricie“, produziert von getanzt von Sasha Waltz & Friends, immer wieder auf dem Spielplan.

Zu denen, die sich ebenfalls seinen Werken widmen, gehört zweifelsfrei das 1987 gegründete Freiburger Barockorchester, das am 12. Februar 2022 im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie zu Gast ist. Es ehrt nun diesen Künstler, der so zahlreiche Oden zu Ehren anderer komponierte, auf ähnliche Weise.

„Ode an Purcell“ lautet der Titel des Konzerts, doch niemand hat für diesen Großmeister ein neues Stück erdacht. Vielmehr wurde diese neue Ehrung aus Purcells eigenen Oden (auf Englisch Anthem) und anderen Werken sozusagen als „the best of Purcell“ zusammengestellt. Womöglich aus Bescheidenheit, da Purcell ohnehin nicht zu übertreffen ist.

Unter der temperamentvollen Leitung von Kristian Bezuidenhout am Cembalo und der Konzertmeisterin Cecilia Bernardini – nomen est omen – werden die Stücke mit Verve auf historischen Instrumenten und im Verlauf ohne störendes Nachstimmen gespielt. Acht Sängerinnen und Sänger bilden den beeindruckenden Chor, der mitunter von fünf weltweit erfolgreichen Solisten – darunter die Solistin Hilary Cronen – verstärkt wird. Alle werfen sich förmlich in diese Purcell-Feier.

Der erste, 20minütige Abschnitt des Abends zeigt sich als bunte Mischung von charakteristischen Orchesterstücken, darunter solche aus Purcells Theater- und Opernkompositionen. Gefühlvoll erklingt ein Air aus „The old Bachelor“ und ein naturnahes „How blest are shepherds“ aus „King Arthur“.

Deutlich länger und intensiver ausgemalt erweist sich jedoch ein „Birthday Song for Queen Mary“. Was er der Königin zu bieten hatte, wusste Purcell genau, doch zu schwierig sollte es auch nicht sein. Jedenfalls stehen nun die Singenden mit ihren Lobesversen im Mittelpunkt, noch mehr jedoch in Purcells bekannter Ode „Hail! Bright Cecilia“, sein Hymnus an die Hl. Cäcilia. Die, eine frühe Martyrerin, ist bekanntlich die Schutzpatronin der Musik und der sie Schaffenden. Noch heutzutage wird sie am 22. November in Italien gefeiert.
Auch für Purcell, der sich später vom Königshof entfernte und sich selbständig machte, war die Musik weitaus wichtiger als eine Königin. Also wirft er bei der Cäcilien-Ode all sein Können in die Waagschale und verlangt auch viel von den Interpreten.

Dem ALTO, hier dem Countertenor Alex Potter, der bereits von der Presse als aufsteigender Stern bezeichnet wird, verleiht Purcell eine gewisse Führungsposition, die dieser auch wahrnimmt. Die beiden britischen Tenöre Samuel Boden und Hugo Hymas überzeugen ebenfalls.

Einen sehr angenehmen Kontrast zum hellfarbigen Timbre von Potters Countertenor bildet jedoch der warme tiefe Bariton des Kanadiers Drew Santini, der eher die Bezeichnung Bass-Bariton verdient. Dieser jenseits und diesseits des Atlantik erfolgreiche Sänger hat bereits in Händels Messiah die Bassrollen gesungen. Einem BASS, so die damalige Einstufung, hat auch Purcell diese Partien anvertraut, die Santini nun klangreich und mitsamt den barocken Koloraturen durch den Kammermusiksaal strömen lässt.

Nach seinem Duett mit (laut Purcell) BASSO II, setzen schließlich der Chor zusammen mit den Solisten und begleitet vom jubelnd aufspielenden Orchester, der Musikpatronin Cäcilia quasi die Krone auf. Ebenso jubelt nach diesem berühmten und bestens gelungenem Werk auch das Publikum.

Die zahlreichen jungen Besucherinnen und Besucher kreischen vor Vergnügen. Purcell hat posthum vermutlich neue Fans gewonnen.

Auf das schon erwähnte steigende Interesse an der Barockmusik reagiert auch die Berliner Philharmonie. Nach den stets stark gefragten Barocktagen der Staatsoper im November wird nun hier ab 25. Februar und wieder Anfang März ein jeweils mehrtägiges Barock-Festival geboten. Am 27. Februar ist auch das Freiburger Barockorchester mit dabei, dann vor allem mit Werken von Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi.

Ursula Wiegand

 

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