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BERLIN/ Deutsche Oper: TANNHÄUSER

17.12.2012 | KRITIKEN, Oper

Berlin: „TANNHÄUSER“ – Deutsche Oper 16.12.2012

Die erste von 2 vorweihnachtlichen Aufführungen der hier gespielten Dresdner Fassung gestaltete sich – trotz der v. a. im 3. Aufzug eigenartigen, im Gesamten aber gegenüber Wien doch besseren Inszenierung von Kirsten Harms (vgl. „Merker“ 1/09) – zu einem echten Wagner-Fest.

Dafür waren zwei nur als sensationell zu bezeichnende Leistungen maßgeblich. Zum Ersten Peter Seiffert, der sich in einer Traumform präsentierte, und vom ersten bis zum letzten Ton schonungslos einen strahlenden Tannhäuser sang. Selbst wenn man bei früheren Gelegenheiten gemeint hatte, dass er seine singuläre Leistung nicht mehr toppen könne, bei dieser Aufführung wurde man eines Besseren belehrt. Dass er ohne Ermüdung auch feine lyrische Abstufungen bot und darüberhinaus wie immer fast vor Intensität barst, machte das Glück vollkommen. Zum Zweiten gestaltete Christian Gerhaher mit gutem Auftreten, v. a. jedoch mit schönem, weichem Bariton einen Seiffert ebenbürtigen, grandiosen Wolfram, der sowohl im Ariosen (seine Soli im 1. und 2. Aufzug) als auch im Liedhaften (Gesang an den Abendstern im 3. Aufzug) einschränkungslos begeisterte. Trotz hochwertiger „Konkurrenz“ dürften beide Künstler in diesen Partien derzeit das Optimum darstellen.

Allerdings hatten auch die übrigen Sänger fast durchwegs sehr gutes Niveau. Ain Anger gab seinen bekannt kraftvoll sonoren Landgrafen, der ebenfalls zu den Stützen der Vorstellung zu zählen ist wie Petra-Maria Schnitzer in der Doppelrolle von Venus und Elisabeth. Sie bot ausdrucksvolle, gekonnt professionelle Interpretationen, wobei die Höhen der zweitgenannten Partie diesmal hie und da hart klangen. Ansonsten fiel vor allen der Hirt (eigentlich eine Hirtin) von Hila Fahima überaus angenehm auf, und fielen Clemens Bieber (Walther) sowie Seth Carico (Biterolf) nicht aus dem Rahmen.

Die Chöre der Deutschen Oper (Leitung: William Spaulding) sangen und agierten auf hohem Niveau, das Orchester präsentierte sich in exzellenter Form, und der junge Dirigent Constantin Trinks hatte nicht nur alles sicher im Griff, sondern garantierte, obwohl er im 2. Aufzug Manches etwas breit anlegte, auch vom Graben her starke Spannung. Dass er die Tempi mit großer Ruhe schwankungslos durchhielt, war ein weiteres Positivum.

Bleibt als Einziges, was den Rezensenten leicht irritierte, das Tannhäuser-Double am Beginn zu erwähnen, welches in der Person von Stefan Siedler nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem danach auf die Bühne hochgefahrenen Sänger aufwies.

Gerhard Ottinger

 

 

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