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BERLIN / Deutsche Oper: TANNHÄUSER UND DER SÄNGERKRIEG AUF WARTBURG mit Seiffert-Ehrung

08.12.2014 | Allgemein, Oper

Berlin/ Deutsche Oper: „TANNHÄUSER und der Sängerkrieg auf  Wartburg“ mit Kammersänger Peter Seiffert, 07.12.2014

Petra Maria Schnitzer als Venus-Elisabeth, Peter Seiffert als Tannhäuser. Foto Bettina Stoess
Petra Maria Schnitzer als Venus-Elisabeth, Peter Seiffert als Tannhäuser. Foto Bettina Stoess

Auch einem Peter Seiffert bleibt mal die Stimme weg. Nein, nicht beim Singen, sondern bei der Ernennung zum Kammersänger Berlins direkt nach der „Tannhäuser“-Aufführung in der Deutschen Oper Berlin.

Schon der Schluss dieser Wagner-Oper ist ja höchst emotional. Da kehrt Tannhäuser maßlos enttäuscht als unbegnadigter Pilger aus Rom zurück und bleibt ein Verfluchter, weil er sich für die sexuelle Liebe einsetzt, damals Venusberg genannt. Peter Seiffert kann sich in diesen Mann hineinversetzen, singt dessen ganze Wut und Verzweiflung kraftvoll heraus. Seine „Rom-Erzählung“ wird – neben dem „Erbarm dich mein“ – auch diesmal zum Höhepunkt. Wie kaum ein anderer nuanciert er die einzelnen Worte. Wie er hasserfüllt „Rom“ ausspricht, macht seinen ungeheuren Frust deutlich.

Peter Seiffert, Tannhäuser, vor den Wartburg-Rittern, Foto Bettina Stoess
Peter Seiffert, Tannhäuser, vor den Wartburg-Rittern, Foto Bettina Stoess

Nun die Verwandlung der gerade verstorbenen Elisabeth in die Venus und gleich wieder zurück in die geliebte Elisabeth, dann sein Zusammenbruch und danach der „Schlusschoral“, mit Glanz und Power gesungen vom Chor und Extrachor des Hauses (einstudiert von William Spaulding): „Der Gnade Heil ist dem Büßer beschieden, er geht nun ein in der Seligen Frieden.“ Das geht unter die Haut.

Alle stehen noch auf der Bühne und nehmen die Ovationen des Publikums entgegen, die Chorsängerinnen und -sänger in kurzen, weißen Krankenhemden, denn in der Version von Kirsten Harms (aus dem Jahr 2008) wandern hier keine Pilger über die Bühne. Vielmehr erheben sich die von Elisabeth Gepflegten aus ihren Betten – ein ganzer Saal ist es – und stimmen ihre Buß- oder Jubelgesänge an.

Dass er gleich anschließend – auf Initiative der Deutschen Oper – zum Kammersänger Berlins ernannt würde, hat Seiffert natürlich gewusst, und es ist für ihn nicht die erste Ehrung dieser Art. Die Münchner verliehen ihm den Titel bereits 1992, Die Wiener folgten 2013. Aber die Berliner Auszeichnung scheint für ihn doch von besonderer Bedeutung zu sein.

Seit 1982 gehörte er zehn Jahre lang zum Ensemble der Deutschen Oper Berlin, war seinerzeit schon an anderen Häusern ein gern gesehener Gast. Intendant Dietmar Schwarz erinnert an den 1990 von Götz Friedrich inszenierten „LOHENGRIN“. Mit dieser Rolle errang Seiffert einen solchen Erfolg, dass die Kritik von einem „Weltereignis des Wagner-Singens“ sprach. Seither und bis heute ist er ein Weltstar.

Zu Kopf ist dem jetzt 60Jährigen diese internationale Wertschätzung nicht gestiegen. Dankbar schüttelt er der Souffleuse die Hand. Noch im Büßerkittel und barfuß lauscht er den Worten von Schwarz, hat nun Tränen in den Augen. Als er erwidert, versagt ihm fast die machtvolle Tenorstimme. „Ich bin sehr moved“ (bewegt), sagt er.

Peter Seiffert mit der Kammersänger-Urkunde, Foto Bettina Stoess
Peter Seiffert mit der Kammersänger-Urkunde, Foto Bettina Stoess

Die Urkunde überreicht ihm mit anerkennenden Worten Staatsekretärin Hella Dunger-Löper in Vertretung von Kultur-Staatssekretär Tim Renner. Ein langjähriger Chor-Kollege, noch im kurzen Krankenhemd, drückt ihm einen weiteren Blumenstrauß in die Hand. Seifferts Schlusswort, noch immer vor Rührung kratzig: „Ich bin ein Berliner“.

Auch Seiffert selbst applaudiert nun: dem Dirigenten Axel Kober und dem perfekten Orchester, dem Publikum und allen seinen Kollegen, die ihm ebenfalls herzlich Beifall zollen, darunter seine Ehefrau Petra Maria Schnitzer, wie vor zwei Jahren in der Doppelrolle Venus/ Elisabeth. Letztere gestaltet sie mit anrührender Lyrik und schönen Spitzentönen.

Den Wolfram von Eschenbach singt diesmal Markus Brück, der gestandene Bariton des Hauses. Für seine Dialoge mit Elisabeth, die auch er bekanntlich liebt, findet er zarte Piano-Passagen. Als Partner Tannhäusers bei der „Rom-Erzählung“ kommt dann die ganze Fülle seiner Stimme zum Ausdruck. Eine zuletzt mit Bravos (Bravi) belohnte Leistung.

Herausragend wiederum Ain Anger. Hoch gewachsen und mit volumigem Bass präsentiert er einen würdigen Landgrafen Hermann und erhält nach dem 2. Aufzug sofort Applaus.

Auch alle übrigen – in Bernd Damovskys edler Sänger- und Rittergewandung – können sich sehen und hören lassen. Thomas Blondelle ist nun Walter von der Vogelweide, Seth Carico erneut der Biterolf und Paul Kaufmann wiederum Heinrich der Schreiber. Marco Mimica gibt den Reinmar von Zweter, die Stipendiatin Elbenita Kajtazi den Hirten.

Das Publikum, ebenfalls spürbar bewegt, jubelt und feiert insbesondere Peter Seiffert mit „standing ovations“. Eine dezidierte Liebesäußerung für einen, der es verdient und davon fast überwältigt wirkt.

Ursula Wiegand

 

 

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