Bayreuth: TANNHÄUSER am 9.8.2012
Auf jeden Fall bleiben Bezüge zwischen den ‚Ideen‘ der Regie Sebastian Baumgartens mit seiner großen Fabrikanlage für Biosprit (Joseph von Lieshout) zu dem Stück eher unklar. Tannhäuser schüttet einmal Benzin in die grüne Biogastonne, und eine Flamme lodert auf. In einer Biogastonne verschwindet auch Elisabeth nach ihrer Arie im 3.Akt, Wolfram schließt den Deckel. Der Fabrikkeller fährt als Venusberg hoch. Es ist ein runder Käfig gefüllt mit Zwitterwesen und Kaulquappen. Auf weitere Details der Inszenierung ist im vergangenen Premierenjahr vielfach eingegangen worden. In dem nun einmal vorgegebenen Rahmen wird mit viel Spielfreude und vielen Requisiten agiert, was diesem „Sorgenstück‘ des frühen Wagner doch vielfach gerecht wird. Mit der Übernahme der musikalischen Leitung durch Christian Thielemann ist hohe Qualität gewährleistet, da Thielemann bei Tannhäuser auf seine frühere Bayreutherfahrung aufbauen kann. Somit scheint aber das Experiment Baumgarten – Hengelbrock gescheitert, der ‚alte‘ Maestro muss es wieder richten. Aber auch Thielemann läßt die heterogenen musikalischen Gestalten, besonders Pilger- und Venusbergmusik der Pariser Fassung, hart aufeinander prallen. Auch die Ensembles und Chöre vor und beim Sängerwettstreit erscheinen etwas beliebig und lange Zeit nicht wirklich fokussiert, bevor sie nach dem Tabubruch Tannhäusers dramatisch anziehen und in einen gigantischen Orchesterstrudel einmünden. Da setzt sich in einer bezwingenden Rom-Ezuähllung noch fort, danach wieder die fast plakativen Erlösungschöre, die die Apotheose verklären sollen. Eklektizistisch phantasievolle Kostüme stellt Nina v.Mechow bereit, die ihrerseits ein bunt komödiantisches Spiel begünstigen.
Die (Männer)chöre wirken bei der fugierten Tannhäuser Verfluch einmal mehr überzeugend. Katja Stuber singt den jungen Hirt mit viel Schmelz und guter Diktion. Arnold Bezuyen ist Heinrich der Schreiber, Martin Snell Reinmar v. Zweter. Thomas Jesatko singt einen aggressiv krassen Biterolf. Lothar Odinius „nervt‘ schönstimmig als Walther v.d.Vogelweide. Die Venus Michelle Breedt ist auch im weiteren Verlauf als Trösterin zugegen, bevor sie schlußendlich hochschwanger gebiert. Ein starker wohlgestimmter Sopran seht ihr zur Verfügung. Günther Groissböck ist ein junger, edelsamt soignierter Lanndgraf, während Michael Nagy (Wolfram) wie Michael Douglas aussieht und den Looser artig mimt. Seinen warmtimbrierten Bariton setzt er allerdings vergeblich ein. Camilla Nylund singt etwas kühl mit Tendenz zu gewisser Härte. Zudem scheint die Stimme wieder (zu) eng geführt. Gegen Ende kann sie sich aber steigern. Torsten Kerl ist ein idealer Tannhäuser mit einfach stringentem Tenormaterial. Er läßt sich gern von beiden Frauen umgarnen, schmachtet Elisabeth, die ihm auch sehr zugetan ist, noch mehr an, und beide spielen neckische Spielchen.
Friedeon Rosén