BAYREUTH / Festspielhaus LOHENGRIN
1.August 2025,Wiederaufnahme
Christian Thielemanns Comeback
In einer Wiederaufnahme aus den 2010er Jahren wurde bei den Festspielen Wagners ‚Lohengrin‘ gespielt. Die Inszenierung von Yuval Sharon in dem Bühnen- und Kostümbild von Rosa Loy und Neo Rauch hatte damals gewisses Aufsehen erregt, da sie zum einen das Geschehen sehr farbenbetont symbolisierte, zum anderen das Bühnenbild in die Zeit der frühen Industrierevolution mit elektrischen Umspannwerken versetzte, in dem surreale – und Wolkenlandschaften und später ein Häuschen für Elsa mit spitzem Blitzableiter eine Rolle spielten.
Nun ist das alles lange her, und Hauptgrund für die Wiederaufnahme war sicherlich, dass man Christian Thielemann wohl am besten mit Wagners hochromantischer Oper Lohengrin wieder auf den grünen Hügel locken konnte, wo er nach längerer Zeit im mystischen Abgrund des verdeckten Orchestergrabens den Taktstock schwang. Das nach langen Jahren, wo er ja schon einmal Musikdirektor unter Katharina Wagner war, und hier wohl außer ‚Ring des Nibelungen‘ alle „Hügel-Werke“ dirigiert hat. Aber erst danach hat er sich zu einem weltweit führenden Wagnerdirigenten entwickelt. Nun also, nach seiner langen Dresdener GMD-Zeit und nach dem Wechsel an die Berliner Staatsoper in der Barenboim-Nachfolge,hier sein grandios umjubeltes Bayreuth-Comeback.
Es beginnt mit einem sinnlich-sinnigen Vorspiel, wobei er die hohen vielfach im Flageolett fast zirpenden Streicher wie in andere Sphären berückend aufspielen lässt,danach die mittlere Basis mit sich eingliedernden Holzbläsern setzt, und ganz spät erst das untere „Stockwerk“ gelegt wurde. So traumverloren und quasi verspielt geht es aber in der Oper nicht weiter. Thielemann zieht,wo möglich, die Tempi an, um strukturelle Verläufe zu markieren. Wobei er im 1.Akt noch etwas wage verbleibt, und es sogar manchmal musikalisch etwas holpert, auch im Zusammenklang von Chören und SolistInnen. Im ganzen ist aber das Debut des neuen Chorleiters Thomas Eitler de Lint geglückt. Er kann den Chören neues Volumen und vor allem eine schöne Weicheit im Klang verleihen. Das scheint aber im zentralen Schwanenchor ein wenig auf die Spitze getrieben ,da könnten die intonierenden Stimmen schon mal mehr Esprit aufweisen. Aber das ist ein sehr intrikater Chor wie auch die Herrenchöre im 2.Akt,die sich auch bewegungsmäßig toller Gesangs- wie Harmonielinien erfreuen.
Der gesamte 3.Akt kann perfekter nicht sein, Ouvertüre, Brautlied, Duett und Gralserzählung wie aus einem Guss. Am Ende hat auch Ortrud keine Chance, wenn sich Miina-Liisa Värelä nochmal aufbläht und mit feinem jugendlich-dramatischen Gesang ihr dräuendes Fazit gibt, aber das traurige Ende schon abzusehen war, auch wenn nun diesmal ein ‚grüner‘ Gottfried als Thronfolger erscheint.
Au0er Piotr Beczala ist niemand mehr von der Premierenbesetzung übrig geblieben. Dieser macht seine seine Sache gewohnt gut, auch wenn man mal gern auch in Bayreuth einen der derzeit aufstrebenden Lohengrine hören würde.
Andreas Bauer Kanabas singt als Einspringer den König Heinrich angemessen belebend. Elza van den Heever gibt eine gediegene Elsa mit schönen Höhen. Olafur Sigudarson ist gewohnt zuverlässig, dabei sehr stimmstark als Telramund. Den Heerufer gibt bestens ins Geschehenn und in die Chöre eingegliedert Michael Kupfer-Radecky.
Friedeon Rosen

