Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BAYREUTH/ Festspiele: TRISTAN UND ISOLDE

Bayreuther Festspiele: TRISTAN UND ISOLDE am 13.8.2023

tr12
Catherine Foster, Christa Mayer. Foto: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

In seinem 2.Jahr fällt  ‚Tristan & Isolde‘, nusikal.Leitung Markus Poschner, Inszenierung Roland Schwab, etwas ab. Im letzten Jahr als Neuinszenierung begrüßt, die mit schönen Bildern und klaren Bewegungen der Protagonistinnen keine Probleme aufgab, geriet jetzt doch Einiges sehr minimalistisch und die Höhe der musikalischen Interpretation seitens Markus Poschner konnte im 1. Akt gehalten werden, fiel dann aber etwas ab.

Die Konstruktion eines stilisierten ‚Bombentrichters‘,oder wie immer man es nennen will, als Einheits-Buehnenbild erwies sich auf Dauer, besonders in dunkler Beleuchtung (Nicole Hungsberg), nahezu klaustrophobisch, auch wenn sie als Sinnbild für Tristans aussichtsloses Leben herhalten könnte. Die Frauen bewegen sich zwar um den ‚See‘ zwischen den Liegestühlen, Isolde spielt aber auch über eine Stunde mit  ihrem Brautschleier herum. Tristan passt sich völlig dem schnoddrigen Verhalten Kurwenals und der Mannen an, die z.T. schlecht aus dem Off uebertragen werden, wenn er sich bei Isoldes Besuch in einen Liegestuhl flaezt. Auch die rituelle Einnahme des Liebestranks verbleibt etwas verwaschen, keinesfalls emblematisch hervorgehoben. Dann fangen in dem See die Stroboskope zu arbeiten an, das Protagonistenpaar faellt um, und sie gerieren sich wie Ertrinkende.

Im Mittelakt das ganze Arreal mit Lichterkerzen bestückt.Isolde verfällt in leichte Hektik und sorgt sich,dass Brangaene die Lichter zum Stelldichein nicht löscht. Tristan erscheint in weissem Hemdgewand,so die Liebenden unisex gekleidet. Sie fassen sich teils an den Händen oder von hinten an, zu mehr Nähe kommt es aber nicht. Bei ‚Nacht der Liebe‘ gerät der See wieder in Rotation, und es fliegt alles moegliche, Sterne und Gesteinsbrocken virtuell durcheinander. Der Effekt verliert aber auf Dauer an Wirkung. Die Schlussszene mit Melot wieder ruhig. Melot quält Isolde, die vorne kniet, mit einem hellen Scheinwerfer, Marke stolziert um den in der Mitte sitzenden Tristan herum, dieser wird am Ende durch herunterfahrende Leuchtspeere verletzt.

Wie Tristan Kornwall und Kareol durcheinanderbringt, befinden wir uns im 3. Akt in derselben Szenerie,wo sich oben nun der Hirt in weissem Fellmantel und der gute Englischhorn-Spieler befinden. Kurwenals umschreitet den im See liegenden Tristan in einer durchgestylten Choreographie. Isolde hält den Sterbenden noch, kann ihm aber nicht mehr helfen. Marke und Isolde verbleiben im Hintergrund, und Isolde singt den Liebestod weit rechts von Tristan. Währenddessen ziehen die Eltern Tristans links und rechts herunter und vereinen sich vorn wieder. Isolde verweist auf sie.

Den Hirt singt Jorge Rodriguez-Norton einfühlsam baritonal. Die Brangaene der Christa Mayer kann sich diesmal gut aus der Affäre ziehen.Im Disput mit Isolde im Schiffsakt ist sie stark, bei den Wachtgesängen eher unauffällig, aber ihr Mezzo entwickelt sensibel austarierte dramatische Ansätze, die sie gut einbindet und damit nicht mehr in stimmliche Schärfen verfällt. Olafur Sigurdarson ist nur mit einer Phrase vertreten, die er düster fast hinterhältig von sich gibt. Kurwenal ist wieder der edel timbrierte Markus Eiche,der seine Gesänge ganz locker gestaltet. Als starker Marke auch hier Georg Zeppenfeld, der die Abgründe des Königs erschließen kann.

Catherine Foster ist im gelungenen Schiffsakt sehr präsent.Auch setzt sie ihren einnehmend timbrierten Sopran im Entschluss, mit Tristan in den Tod zugehen, phänomenal ein.

Clay Hilley fällt als Tristan etwas ab. Er ist ein Heldentenor ohne baritonale Grundierung. Daran muss man sich bei seinen Gesängen im Schlussakt erst gewöhnen. Er setzt aber ein helles angenehmes Timbre ein, und es gelingen ihm damit auch einige dramatische Zuspitzungen.

Friedeon Rosen

 

Diese Seite drucken